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EU-Wahl
04/14/2014

Köstinger: Sehnsucht nach hochwertigen Lebensmitteln

Die Listenzweite der ÖVP für die EU-Wahl über ihre Ziele und Visionen für Europa.

von Margaretha Kopeinig

Elisabeth Köstinger ist die Nummer 2 auf der ÖVP-Liste für die Europa-Wahl. Die langjährige Vorsitzende der Österreichischen Jungbauernschaft gehört seit 2009 dem Europäischen Parlament an.

KURIER: Frau Abgeordnete, Bauernbund-Präsident Auer findet Sie ,optisch herzeigbar‘. Sind Sie damit einverstanden?

Elisabeth Köstinger: Es ist kein Nachteil, wenn man eine junge Frau ist. Das ist aus einer Art väterlichem Stolz heraus entsprungen. Das nehme ich souverän. Es geht mir um meine Leistungen im EU-Parlament in den vergangenen fünf Jahre. Ich war Chefverhandlerin der EVP für den Bereich Ländliche Entwicklung, ich habe einen der wichtigsten Politikbereiche der EU mitverhandelt und somit geprägt. Mir geht es jetzt darum, die starke Stimme für den ländlichen Raum zu sein.

Wie kommen Sie dazu, Bauern zu vertreten?

Meine Eltern bewirtschafteten einen Bio-Betrieb in St. Paul im Lavanttal. Meine Schwester hat den Betrieb mittlerweile übernommen. Der Betrieb ist sehr stark diversifiziert. Zwölf Hektar Grünland und Acker, acht Hektar Wald. Meine Eltern haben sich sehr schnell überlegt, wie sie wettbewerbsfähig bleiben können. Deshalb haben wir eine Kooperation gegründet, wir haben auf die Stärken der Region Rücksicht genommen. Genau das vertrete ich jetzt auch im Europäischen Parlament.

Wie kamen Sie im vergangenen Jahr zu dem Titel, die "Beste Abgeordnete im Agrarbereich" zu sein?

Das Parlamentsmagazin nominiert jedes Jahr fraktionsübergreifend drei Abgeordnete. Die Wahl unter den Abgeordneten war geheim. Ich bin für meine Arbeit für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum ausgezeichnet worden.

Wie wollen Sie parteiübergreifend Stimmen gewinnen?

Die Sehnsucht nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln, diese Herkunftskennzeichnung, haben alle Generationen, das ist gesellschaftlich wichtig. Die EU muss darauf reagieren und alles genau kennzeichnen. Dafür setze ich mich mit aller Kraft ein.

Sollen die Verhandlungen zum umstrittenen EU-USA-Handelsabkommen gestoppt werden?

Der Freihandel ist ein Grundpfeiler der Wirtschaft und des Wohlstands in Europa. Wir sind vom Freihandel abhängig. Aber es ist wichtig, bei der Gentechnik und bei Produktionsstandards die roten Linie aufzuzeigen. Wir überlegen uns in der EU fast tagtäglich neue Auflagen im Bereich Umwelt-, Tier- und Naturschutz, die die Landwirte zu erfüllen haben. Es kann nicht sein, dass wir die Grenzen öffnen und dann nicht fragen, wie die Produkte erzeugt wurden.

Ein Abkommen soll es nur geben, wenn die EU zur Gänze Ihre Forderungen durchsetzt?

Genau. Das ist der Kernpunkt. Es gibt Befürchtungen, dass die EU-Standards abgesenkt werden und Wachstumshormone, die in Europa verboten sind oder das Chlorhuhn und die gentechnisch veränderte Produkte zugelassen werden. Ich bekenne mich ganz klar zur Produktionsweise der bäuerlichen Familienbetriebe.

Sind Sie für die Ganztagsschule?

Ich bin eine starke Verfechterin eines differenzierten Bildungssystems, wir haben unterschiedliche Talente. Gleiche Chancen für alle sollte es aber geben.

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