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18.11.2017

Klimakonferenz: Am Ende doch noch eine Einigung

Ergebnis nach langer Verhandlungsnacht: Im Rahmen des Kyoto-Protokolls eingerichteter Anpassungsfonds künftig auch unter Pariser Klimaabkommen gültig. Kritik an Österreich.

Die UN-Klimakonferenz in Bonn ist erst nach einer Verlängerung wegen Finanzierungsdebatten Samstag früh zu Ende gegangen. Erst kurz nach 5.00 Uhr wurde vermeldet, dass alle Entscheidungen der COP 23 gefallen waren. Laut Konferenz-Präsident, Fidschis Regierungschef Frank Bainirama, einigten sich die Delegationen auf eine Regelung zur Fortführung des Anpassungsfonds.

Bis zuletzt war die Rolle des Anpassungsfonds im Rahmen des Übereinkommens von Paris, die künftige Klimafinanzierung und die Struktur des "Talanoa Dialogs" im Jahr 2018 umstritten. Fidschi als Vorsitzland der Konferenz spielte eine tragende Rolle bei der Vermittlung zwischen den unterschiedlichen Interessen, hieß es vonseiten der an den Verhandlungen beteiligten österreichischen Experten aus dem Umweltministerium.

Solide Basis

"Das Ergebnis der Konferenz ist eine solide Basis für die weiteren Verhandlungen, die im Dezember 2018 bei der Konferenz in Katowice zu einem Gesamtergebnis betreffend die Umsetzung des Übereinkommens von Paris führen sollen. Österreich als EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2018 wird bei den weiteren Verhandlungen eine verantwortungsvolle Rolle innehaben", war das Resümee von Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP).

Global 2000 machte in einer Aussendung erneut darauf aufmerksam, dass die derzeitigen Zusagen der Staaten nicht ausreichen, um die Pariser Klimaziele einzuhalten. Denn statt einer Eindämmung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad bzw. auf deutlich unter zwei Grad droht ein Anstieg der Temperatur um mehr als drei Grad, was katastrophale Folgen hätte. Vor diesem Szenario warnte das UNO-Umweltprogramm UNEP.

Österreich ist säumig

Laut der NGO war Österreich bei der Klimakonferenz massiv in Kritik geraten, nachdem zahlreiche Berichte die schlechte Klimabilanz der letzten Jahre offenbarten. Der aktuelle Fortschrittsbericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) wiederum zeigte demnach für Österreich einen negativen Ausblick bis 2020. Laut EEA gehört Österreich neben Belgien, Finnland, Deutschland, Irland, Luxemburg und Malta zu den sieben Ländern in der EU, die ihre 2020-Klimaziele verfehlen werden, wenn keine neuen Maßnahmen gesetzt werden.

Kurz vor dem Ende der UN-Klimakonferenz in Bonn hatte Greenpeace diese in einer Aussendung als "Gipfel der Mutlosigkeit" bezeichnet. "Der Geist von Paris ist in Bonn kaum zu merken", betonte Greenpeace-Österreich-Geschäftsführer Alexander Egit.

Anderer Meinung ist der deutsche Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber. Er erklärte, es zeichne sich mit der Konferenz in Bonn eine Arzt Kulturwende ab. "Manches von den Aktionen am Rand der Verhandlungen hatte die Atmosphäre eines Kindergeburtstages, der ja auch schön ist", sagte der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. "In Bonn hat sich außerhalb und innerhalb der Konferenzsäle ein Geist entwickelt, der weiter wirkt." Manche Politiker müssten sich wohl erst noch daran gewöhnen: "Aber dieser Geist von Paris und Bonn ist aus der Flasche und wird sich nicht mehr einfangen und zurückstopfen lassen."

Die EU selbst wird ihr Ziel, bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 20 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, laut Prognosen übertreffen. "Bei der Klimakonferenz in Bonn wurde festgehalten, dass auch die Zeit vor 2020 genutzt werden soll, um sinnvolle Maßnahmen auf den Weg zu bringen", betonte Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000, auch in Richtung der kommenden österreichischen Regierung.

ch unter dem Pariser Klimaabkommen gilt.

Der Anpassungsfonds dient der Bewältigung der Folgen des Klimawandels in armen Ländern. Die Delegierten erstellten zudem eine umfangreiche Textsammlung, aus der im kommenden Jahr das Regelwerk zum Pariser Klimaschutzabkommen entstehen soll.

Dies ist unter anderem nötig, damit eine Tonne Kohlendioxid-Minderung in allen Ländern mit gleichem Maßstab gemessen wird. Das Regelwerk soll auf der nächsten Klimakonferenz Ende 2018 im polnischen Kattowitz beschlossen werden.

"Geist von Paris und Bonn ist aus der Flasche"

Der renommierte deutsche Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber sah am Ende der Beratungen immerhin eine Kulturwende beim Klimaschutz heraufziehen. Ganz wichtig sei es natürlich, die vorhandene Technik viel stärker zu nutzen, sagte er in einem Interview. "In Bonn hat sich außerhalb und innerhalb der Konferenzsäle ein Geist entwickelt, der weiter wirkt." Manche Politiker müssten sich wohl erst noch daran gewöhnen, "aber dieser Geist von Paris und Bonn ist aus der Flasche und wird sich nicht mehr einfangen und zurückstopfen lassen", betonte der Wissenschafter.

Einige wichtige Ergebnisse der UN-Klimakonferenz

Regelbuch: Die Konferenz hat Vorschläge der Länder darüber festgehalten, wie man den Treibhausgasausstoß und anderes misst und vergleichbar macht. Aus diesen Megapapieren soll 2018 ein praktikables Regelwerk für das Klimaabkommen von Paris entstehen, um die Anstrengungen aller Länder mit einheitlichem Maßstab zu messen.

Verluste und Schäden: Entwicklungsländer wollten, dass der Umgang mit diesen Folgen des Klimawandels auf eine höhere Verhandlungsebene kommt. Es entstand jedoch nur ein weiterer Arbeitsplan. 2018 soll es einen "Expertendialog" zu dem Thema geben.

Finanzen: Unter anderem wurden wichtige Punkte zum Fortbestehen des Fonds zur Anpassung ärmerer Staaten an den Klimawandel beschlossen.

Talanoa-Dialog: Es gibt ein besonderes Forum, um die Klimaschutzziele der Länder zu erhöhen. Das Wort Talanoa stammt aus Fidschi und ist eine konstruktive Versammlung, in der jeder gehört wird.

Frauen: Die Rolle der Frauen soll beim Klimaschutz stärker berücksichtigt werden. Auch indigene Völker sollen künftig stärker in die Verhandlungen mit einbezogen werden.

Freiwillige Aktionen neben den Verhandlungen:

Klimarisikoversicherung: In Bonn wurde eine bestehende Versicherung erweitert, die besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten und ärmeren Menschen bei Unwetterkatastrophen schnell helfen soll.

Pakt zum Ausstieg aus der Kohletechnologie: 23 Länder und Provinzen schlossen sich zu einer internationalen Allianz für den Kohleausstieg zusammen.

Kommunale Regierungen für Nachhaltigkeit: Auf einen großen Treffen dieser Initiative in Bonn machten Städte und Regionen aus aller Welt deutlich, dass sie sich als Treiber des Klimaschutzes verstehen