Politik | Ausland
28.03.2018

Kims geschickter Spielzug in China

Besuch in China. Der Diktator hält sich seinen Verbündeten warm – und baut Atomreaktoren aus.

Als am Sonntag ein grüner, alter Zug in Peking eingefahren war, spekulierten Beobachter weltweit, ob sich nicht der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un darin befinden könnte. Mittlerweile ist klar: Der Staatschef hatte tatsächlich seine erste Auslandsreise unternommen.

Zusammen mit seiner Frau Ri Sol-ju wurde Kim mit militärischen Ehren von Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping empfangen. China, der wichtigste Verbündete Nordkoreas, war in den vergangenen Monaten auf Distanz zu Pjöngjang gegangen und hatte wirtschaftliche Sanktionen gegen das stalinistische Regime mitgetragen.

Chinas Position gestärkt

Gleichzeitig war Peking im Zuge der verbalen Abrüstung Nordkoreas mit den USA ins diplomatische Hintertreffen geraten – durch den Besuch Kims wurde die Position Pekings aufgewertet.

Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua sagte Kim, er fühle sich „der Denuklearisierung verpflichtet“ und dies sei möglich, „wenn Südkorea und die USA mit gutem Willen auf unsere Bemühungen reagieren“.

Diese Bemühungen stellt die New York Times in Zweifel: Laut Satellitenaufnahmen vergrößert Nordkorea derzeit einen Atomreaktor – zu zivilen Zwecken, wie Pjöngjang sagt. Trotzdem könnte auch dort waffenfähiges Plutonium angereichert werden.

Vor Gipfel mit Trump

Nichtsdestotrotz wird sich Kim im April mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in zu Gesprächen treffen, ehe er – voraussichtlich – im Mai auf US-Präsident Donald Trump trifft. Dieser teilte am Mittwoch via Twitter mit, dass Xi ihn über den Verlauf der Gespräche mit Kim Jong-un unterrichtet hatte: „Es ist sehr gut verlaufen, Kim freut sich auf die Zusammenkunft mit mir“, schrieb er. Die Sanktionen und der Druck auf Pjöngjang müssten aber „um jeden Preis“ aufrechterhalten bleiben.

Das Tauwetter zwischen Nordkorea und den USA war bis vor Kurzem für undenkbar gehalten worden. Dass es tatsächlich zu einer Lösung des Konflikts kommen wird, gilt nach wie vor als unwahrscheinlich. In früheren Atomgesprächen hatte Nordkorea immer darauf bestanden, dass die USA ihre Truppen aus Südkorea abziehen und ihren atomaren Abschreckungsschirm in der Region abbauen. Dies ist für die USA jedoch unverhandelbar.

Schon aus diesem Grund hat sich der Besuch in China für Kim gelohnt – im schlimmsten Fall wird Peking wieder in die Rolle des Vermittlers in künftigen Krisen treten.