Eine unter Atemnot leidende Corona-Kranke erhält in einem Sikh-Tempel Sauerstoff

© REUTERS/ADNAN ABIDI

Politik Ausland
05/03/2021

"Keine Behandlung mehr": Österreicher über Corona-Krise in Indien

Siegfried Fink aus der Steiermark lebt seit 2008 in Indien. Hier erzählt er, wie er die dramatische Lage in Neu Delhi erlebt.

von Irene Thierjung

22 Österreicher sind derzeit laut Außenministerium als Indien-Reisende registriert, 556 haben sich dauerhaft im Land niedergelassen. Einer davon ist Siegfried Fink, Niederlassungsleiter des Bahnbaumaschinen-Herstellers Plasser & Theurer in Indien. Der 51-Jährige lebt mit seiner Frau in Neu Delhi, wo ihn der KURIER am Montag erreichte - und wo er die aktuelle Corona-Katastrophe aus nächster Nähe miterlebt.

"Hier ist fast jede Familie direkt oder indirekt betroffen von schweren Erkrankungen oder Todesfällen“, erzählt Fink. Es herrsche eklatanter Nachschubmangel bei Sauerstoff und Medikamenten, Spitäler seien voll.

Geld hilft nicht

Jeder wisse, dass er nach einer Infektion nicht mit einer Behandlung rechnen könne, so Fink – „auch mit noch so viel Geld“. Mittlerweile würden sogar ehemalige Minister abgewiesen.

Die Krise sei die „Summe aller Nachlässigkeiten“, meint Fink, angefangen bei der einzelnen Person, die keine Maske trage.

Hinzu kämen Versäumnisse der Regierung sowie Mutationen, die das Coronavirus aggressiver und leichter übertragbar gemacht hätten (was noch Gegenstand von Studien ist, Anm.) Anders als 2020 stecke sich bei einer Infektion nun die komplette Familie an, auch in der Mittelschicht, die weniger beengt lebe.

In Teilen Indiens wurde mit Lockdowns auf die Krise reagiert; ein landesweites Herunterfahren ist derzeit nicht in Sicht. Die Versorgung mit Lebensmitteln sei in Delhi aufrecht, berichtet Fink. "Kleinere Shops sind aber geschlossen." Essen könne online bestellt werden.

Am stärksten seien die Tagelöhner von den Lockdowns betroffen. "Sie erhalten freie Rationen Essen und Trinken", sagt Fink. Auch NGOs und die Sikh-Community seien sehr engagiert - "in Indien gibt es ja kein soziales Netz wie bei uns".

Warten auf Impfung

Fink selbst hatte Delhi nach Ausbruch der Pandemie Ende März 2020 verlassen und kehrte im August zurück. In der aktuellen Corona-Welle versuchen seine Frau und er, vorsichtig zu sein. Auch seien sie – anders als der Großteil der Inder – bereits einmal geimpft worden, sagt Fink. Und freut sich auf die zweite Dosis Mitte Mai.

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