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Analyse
01/18/2021

„Kapitän“ Laschet muss die CDU durch unruhige See steuern

Auf den neuen CDU-Chef Armin Laschet kommt viel zu: Er muss die gespaltene Partei einen – mit einem könnte es schwierig werden.

von Sandra Lumetsberger

Er wolle „ein Kapitän und kein CEO sein“ – Armin Laschet hat in seiner Rede für den Parteivorsitz wissen lassen, dass er nicht nur der „nette Kerl“ ist. Er kann auch Spitzen verteilen, wie an Mitbewerber Friedrich Merz, Wirtschaftsmann, dessen aktive Polit-Karriere zurückliegt. Im Großen blieb Laschet dann doch versöhnlich, warb für „Zusammenhalt“.

Ein Wort, das für das Dilemma der CDU steht: Die Partei ist zerrissen. Die eine Hälfte wählte mit knapper Mehrheit einen, der Angela Merkel im Habitus ähnelt und ihren Mitte-Kurs fortsetzen will. Der andere Teil wollte wie 2018 einen, der eher für den Bruch mit Merkels Politik und Stil steht (obwohl er sagt, das nicht zu wollen): Merz ist konservativer, spricht klar und frei von der Leber – was gleichzeitig seine Schwäche ist: Oft verstieg er sich in Debatten oder reagierte unbeherrscht, wie auf die Verschiebung des Parteitages (Das „Establishment“ wolle ihn verhindern).

Wie auch immer: Laschet wird die Bedürfnisse von Merz-Fans abdecken müssen. Ein Balanceakt, der Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer misslang: Sie umwarb das andere Lager und vergrämte Anhänger.

Was wird aus Merz?

Der neue CDU-Kapitän hat immerhin am Samstag versucht, Merz an Bord zu holen. Dieser habe ihm aber vorgeschlagen, ihn jetzt als Wirtschaftsminister in die Regierung zu holen. Ein „vergiftetes Angebot“, finden Beobachter. Merz müsste wissen, dass es nicht aufgeht. Zwar sind manche mit Peter Altmaier unzufrieden, aber die Kanzlerin würde ihn nicht in der Krise, acht Monate vor der Bundestagswahl auswechseln. Noch dazu für ihren alten Rivalen. Merkels Sprecher ließ daher ausrichten: Keine Regierungsumbildung geplant.

Was wird also aus dem Verlierer dieser Wahl? Dass er kein schlechter sein muss, hat Merz noch in der Hand. Dennoch wird eine Situation wie 2018 befürchtet: Er zog sich zurück, war dann mit Meinung zur Stelle, wenn es der CDU schlecht ging. Seine Fans kamen nie zur Ruhe.

 

Was Laschet helfen kann: die Rufe nach Zusammenhalt kommen nun auch von Konservativen – und die Erkenntnis, dass andere vom Bild der Zerrissenheit profitieren. Das will keiner, schon gar nicht, wenn bald Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wählen. Dort regiert die CDU mit, will aber führen. Sollte sie schlecht abschneiden, könnte der neue CDU-Chef mitverantwortlich gemacht werden. Der Landesverband Baden-Württemberg ist ein Merz-Lager.

Was es mit Fingerzeig auf Laschet bewirken könnte? Dass sich Unruhe verbreitet, im Frühjahr ein CSU-Mann Kanzlerkandidat wird, von dem keiner weiß, ob er bundesweit Wahlen gewinnen kann. Ein anderer, der sich das zutrauen soll, Laschets Steuermann Jens Spahn, hat jüngst Sympathien verspielt: Er nützte am Samstag die Fragerunde vor der Wahl und warb für Laschet. „Foulspiel“ fanden die Delegierten, wählten ihn ganz knapp ins Partei-Präsidium. Bleibt vielleicht doch nur ein Kapitän übrig.

S. Lumetsberger, Berlin

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