Politik | Ausland
18.08.2018

Kampfschrift: US-Nationalheld steigt gegen Trump in den Ring

Top-Admiral und Bin Laden-Jäger McRaven übt heftige Kritik am Präsidenten - und inspiriert andere Würdenträger.

„Wenn Du die Welt verändern willst, beginne damit, dein Bett zu machen“. Mit Buch-Lebensweisheiten wie diesen ist normalerweise selbst in Amerika nicht viel Auflage zu machen.

Es sei denn, der Autor ist ein hochdekorierter Navy-Admiral namens William H. McRaven und verwickelt den Präsidenten der Vereinigten Staaten gerade, um im Bild zu bleiben, in eine beispiellose politische Kissenschlacht.

Entzug der Sicherheitsfreigabe

Der Oberkommandierende des Navy-Seals-Spezialkommandos, das 2011 die Ergreifung und Tötung von Terror-Fürst Osama Bin Laden befehligte, hielt sich als Kanzler der Universität von Texas bisher immer zurück, wenn es um Themen der nationalen Sicherheit ging.

Seit Trump den früheren CIA-Chef John Brennan (in der Causa Bin Laden ein enger Partner McRavens) für dessen ätzende Kritik am Weißen Haus durch den Entzug der Sicherheitsfreigabe schikanierte, ist es mit der Zurückhaltung vorbei.

„Gedemütigt“

In der Washington Post schrieb McRaven an die Adresse des Präsidenten: „Ein guter Führer versucht, die besten Eigenschaften seiner Organisation zu verkörpern. Ein guter Führer ist Vorbild für andere. Ein guter Führer oder eine gute Führerin stellt stets das Wohlergehen anderer vor das eigene. Ihre Führung hat jedoch wenig von diesen Qualitäten gezeigt. Durch Ihre Taten haben Sie uns in den Augen unserer Kinder in Verlegenheit gebracht, uns auf der Weltbühne gedemütigt und, was am schlimmsten ist, uns als Nation gespalten.“

Dass Trump Brennan absichtsvoll als Verräter und „schlechten Menschen“ darstellt, verstößt gegen eine andere Lebensweisheit, die McRaven in seinem Bestseller („Make your bed“) niedergelegt hat: „Wehre Dich gegen Rüpel“. Nur wenige Amerikaner „haben mehr dafür getan, dieses Land zu schützen, als John“, schreibt McRaven. „Er ist ein Mann von beispielloser Integrität.“

Namhafte Unterstützer

Um die Solidarisierung mit Brennan auf die Spitze zu treiben, bittet der ehemalige Elite-Soldat um Gleichbehandlung: „Daher würde ich es als eine Ehre betrachten, wenn Sie auch meine Sicherheitsfreigabe widerrufen würden, so dass ich meinen Namen jener Liste von Männern und Frauen hinzufügen könnte, die sich gegen ihre Präsidentschaft aussprechen.“

McRavens überraschendes Ein-Mann-Kommando wurde in Washington als Weckruf an das Establishment verstanden, „endlich gegen Trump geschlossen aufzustehen“, sagte ein Analyst im Frühstücksfernsehen.

Zwölf ehemalige CIA-Direktoren, Verteidigungsminister und hohe Ex-Geheimdienstler, darunter große Namen wie Gates, Morell, Tenet, Petraeus und Panetta, zogen sofort mit. Brennans Entzug der „security clearance“, die ihm bisher den Zugang zu Staatsgeheimnissen gewährt hat, sei ein „klarer Versuch, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu ersticken“, schreiben sie.

Trump hat bisher nicht reagiert.