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Politik Ausland
05/22/2021

Was Urlauber in Italien, Spanien und Kroatien erwartet

Wie sich Österreichs beliebteste Destinationen auf Touristen vorbereiten. Der KURIER hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

von Andrea Affaticati (Italien), Uwe Mauch (Kroatien) und Maren Häußermann (Spanien)

Nicht alles, was in Wien beschlossen wird, spricht sich bis an die Grenzen durch. So lässt sich nicht generell sagen, ob, wie und wo kontrolliert wird. Auch wenn Vorschrift natürlich Vorschrift ist und etwa in Kroatien weiterhin Quarantäne bei der Einreise nach Österreich gilt. Viele Urlauber lassen sich davon nicht abschrecken.

„Wir sehen seit wenigen Tagen, dass unsere Kunden mehr buchen“, heißt es etwa beim Grazer Kroatien-Spezialisten Gruber Reisen. Und das, obwohl Kroatien in Wien weiterhin als „Hochrisiko-Inzidenz-Land“ geführt wird.

Auch im Nachbarland Italien herrscht bereits Urlaubsstimmung. Nicht zuletzt deshalb, weil die Italiener auch im Sommer 2021 ihrer Heimat urlaubstechnisch treu bleiben möchten und Urlaub daheim planen. Tja, das sagt sich wohl leicht, wenn dazu Amalfi-Küste und Capri zählen. Apropos: Die Impfkampagne geht in Italien auch auf den Inseln zügig voran, weshalb beliebte Urlaubsdestinationen wie Capri und Ischia demnächst als komplett „Covid-free“ gelten. Und Spanien? Die Lage ist regional sehr unterschiedlich. Katalonien will Massenevents ermöglichen, Barcelona etwa wirbt mit Veranstaltungen im Freien mit bis zu 3.000 Menschen. Die Maskenpflicht bleibt.

Italien: Endlich wieder "Sole mio"

Auch dieses Jahr bevorzugen Italiener Urlaub im eigenen Land. Das bestätigt auch Paola Mendola, die in der Altstadt von Palermo das B&B La Dimora del Genio führt. Vor der Pandemie waren es vor allem ausländische Besucher, die sich hier einquartieren, jetzt buchen fast nur Italiener. Doch sie sei guter Dinge, jetzt wo die Regierung die Verordnungen schrittweise lockert und die Zahl der Geimpften stetig steigt.

Am Mittwoch machte Italien einen weiteren Schritt in Richtung Normalität. Die Ausgangssperre wurde auf 23 Uhr verlegt, ab 21. Juni soll sie ganz wegfallen. Eine gute Nachricht für Maurizio Stocchetto, Inhaber der Bar Basso, einer Institution unter den Mailänder Cocktailbars. Seit November war geschlossen, mancher Stammgast fürchtete, man würde überhaupt nicht mehr aufmachen. Groß war demnach die Freude, als am 12. Mai die Tische wieder vor dem Lokal standen. „Das war auch für uns ein sehr schöner Moment“, sagt Herr Stocchetto. Es gab aber auch traurige. Das Lokal gibt es seit 50 Jahren und hat viele Stammgäste. Nicht alle haben die Pandemie überlebt. Umso wichtiger sei,  jede Minute gemütlichen Beisammensitzens zu genießen. Und das tun die Gäste auch.

Die sinkenden Fallzahlen führen dazu, dass ab 1. Juni Friaul-Julisch Venetien, Sardinien und Molise weiß werden. In diesen Regionen fallen, abgesehen von der Maskenpflicht, alle anderen Covid-19 Verordnungen weg. Ab 7. Juni sollen dann Abruzzen, Ligurien und Veneto hinzukommen und dann Schritt für Schritt die anderen. Auch die Impfkampagne auf den Inseln geht zügig voran, Procida und Capri sind schon „Covid-free“, Ischia und die sizilianischen Inseln werden es in den nächsten Tagen. Das hat die norditalienische Region Piemont auf die Idee gebracht, ihre entlegenen Bergdörfer auch „Covid-free“ zu impfen.   

Bleibt nur noch das Problem mit dem zweiten Impftermin. Was, wenn der in den Urlaub fällt? Der Idee, Impfstationen in Ferienorten einzurichten, versetzte Covid-Sonderkommissar General Francesco Figliuolo einen Dämpfer. „Jeder muss seinen Urlaub nach dem Impfkalender richten.“ 

Kroatien: „So wenige Boote auf dem Meer wie nach dem Krieg“

In den Marinas in Zadar, in Šibenik, auf der Insel Vis: Die Kabarettisten Pepi Hopf und Fredi Jirkal haben schon einmal weniger laut gelacht als bei ihrem diesjährigen Segeltörn entlang der Gestade Dalmatiens. Kapitän Hopf funkte bald an die Heimat: „So wenige Boote auf dem Meer wie nach dem Krieg.“ In der Tat stehen die Fahnen an der Adria noch nicht auf Ansturm seiner Landsleute. „Wir sehen seit wenigen Tagen, dass unsere Kunden mehr buchen“, freut sich indes Eva-Maria Schlögl vom Grazer Kroatien-Spezialist Gruber Reisen. So öffnet sie ihr Hotel Bretanide auf der Insel Brač am 26. Juni.

Bereits im Vorjahr war die Managerin über den Kanzler ihrer Gäste „nicht glücklich“. Seine an einem August-Freitag angekündigte Badeschluss-an-der-Adria-Verordnung hat 90 Prozent ihrer Gäste dazu bewogen, die Insel fluchtartig zu verlassen. Seit Mittwoch fragt sich Eva-Maria Schlögl, warum Kroatien in Wien weiterhin als „Hochrisiko-Inzidenz-Land“ geführt  wird.

Ganz unbegründet ist diese Bewertung allerdings nicht. Zum Zeitpunkt des neuen Erlasses Mitte der Woche lag die maßgebliche 14-Tages-Inzidenz in drei kroatischen Gespanschaften (Varaždin, Međimurje sowie Zagreb) über dem Grenzwert von 500 Infizierten pro 100.000 Bewohnern. Zwar sind die drei Regionen weit abseits der von den Österreichern präferierten Adria-Badeorte, allerdings pendeln von dort aus etliche Kroaten zur Arbeit nach Österreich.

Am 31. Mai wird nun Nikolina Brnjac, die kroatische Tourismusministerin, zu Gesprächen mit ihrer Amtskollegin Elisabeth Köstinger in Wien erwartet. So gut wie fix werden sich die beiden Politikerinnen auch über Reiseerleichterungen austauschen. Mindestens bis dahin müssen noch nicht geimpfte Kroatien-Rückkehrer an der Grenze einen Test vorlegen und dann sofort in Quarantäne.

Team Hopf hat seinen frühen Start jedenfalls nicht bereut. Ein Crewmitglied an die Heimat: „Ur-freundlich die Leute, Hygienevorschriften wurden überall eingehalten.“ Bei der Interpretation der Sperrstunde (aktuell 22 Uhr) gab es jedoch „Verhandlungsspielraum“. Und dass bei der Einreise in Spielfeld egal ob mit dem Auto oder mit dem Zug nur selten so heiß gegessen wie in Wien gekocht wird, das können auch Hopf, Jirkal und Kollegas bestätigen: „Alles scheint möglich.“

Spanien: Out of the dark – zurück in die Sonne

„Du hast dir Spanien verdient“, lautet der Slogan der Tourismuskampagne, der spanischen Regierung. Sie hofft auf 45 Millionen Gäste, mehr als die Hälfte des vor dem Ausbruch der Pandemie erreichten Niveaus. 8 Millionen Euro wird das Land investieren, um sich als sicheres Urlaubsland  zu vermarkten. 

Die Balearen drängen auf die Öffnung für Touristen. Ab Sonntag dürfen geimpfte Spanier vom Festland ohne Test nach Mallorca reisen, Besucher aus anderen Ländern brauchen ein negatives PCR-Ergebnis. Die regionale Regierung hat ihre Inseln als Vorreiter für die Einführung des europäischen Impfzertifikats angeboten. Aber sie ist strikt bei der Umsetzung der Maßnahmen, wie die ersten deutschen Touristen im März zu spüren bekamen. Ab kommender Woche schließen die Lokale um 23 Uhr, Ausgangssperre ist ab Mitternacht. Nicht nur die Balearen haben viel zu verlieren, wenn sie zu viel riskieren. Auf dem Festland, in Valencia, liegt die 7-Tage-Inzidenz bei unter 14. Maskenpflicht gilt auch am Strand. „Viele Menschen hier leben vom Tourismus und sind darauf angewiesen, dass Urlauber kommen, aber ich finde es beängstigend, mit den Mutationen und so weiter“, sagt Marta Pérez und blickt zu ihren Kindern, die im Sand spielen.  

Im nördlich angrenzende Katalonien sah es Ende April noch so aus, als könnte dieses Jahr die Hälfte der Hotels nicht öffnen. In dem Urlaubsort Lloret de Mar hofft man dennoch auf die kommende Saison. Maximal zehn Personen dürfen sich treffen und sechs Personen an einem Tisch sitzen. Um 24 Uhr schließen die Lokale, Ausgangssperre gibt es keine. Was es allerdings gibt, sind Konzerte. 

Katalonien will Massenevents ermöglichen, trotz der gegebenen Umstände. Nachdem ein Versuch mit Masken und Antigentests gut ausging, wirbt Barcelona für diesen Sommer mit Veranstaltungen im Freien mit bis zu 3000 Menschen.  

Madrid ist die einzige Region, in der die Clubs schon geöffnet sind. Die Hauptstadt ist am lockersten mit den Regeln, die jede Gemeinschaft für sich macht. Einheitlich gilt die generelle Maskenpflicht, die sich vermutlich durch den Sommer ziehen wird. 

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