Angriff auf die Atomanlage Natanz

© APA/AFP/Satellite image ©2021 Maxar Tech/-

Politik Ausland
04/12/2021

Israel/Iran: Eine Geheimdienst-Operation, die die Hardliner stärkt

Vermutlich stehen israelische Agenten hinter dem „Zwischenfall“ in der iranischen Atomanlage Natanz. Eine Analyse.

von Walter Friedl

In Wien wird verhandelt (heute, Dienstag, geht es weiter), in der Region werden Fakten geschaffen: Die Rede ist vom iranischen Atomprogramm und wie es verhindert werden kann. Und da gehen die Meinungen weit auseinander.

Israel traut dem Mullah-Regime in keiner Weise über den Weg, Israel nennt den Staat als größte Bedrohung für die Nahost-Region. Deswegen lehnt die Regierung unter Premier Benjamin Netanjahu eine Neuverhandlung des internationalen Nuklearabkommens von 2015 ab, das die USA unter Präsident Donald Trump 2018 verlassen hatten. Zugleich schufen am Sonntag Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad nach übereinstimmenden Medienberichten Fakten: In der Urananreicherungsanlage Natanz ist es laut "New York Times" zu einer Explosion gekommen, die die gesamte Stromversorgung lahmgelegt und möglicherweise andere weitreichende Folgeschäden verursacht haben soll. Die Bemühungen des Iran, an Atombomben-taugliches Uran zu kommen, seien um neun Monate zurückgeworfen worden.

„Nuklearer Terrorakt“

Teheran wollte das nicht bestätigen und sprach von einem „nuklearen Terrorakt“. Außenminister Mohammed Javad Zarif machte Israel für die Operation verantwortlich – mit dem Ziel, Irans atomare Errungenschaften zu sabotieren und auch die Verhandlungen in Wien: „Unsere Rache ist, dass wir in beiden Bereichen erfolgreich weitermachen werden.“

Das Regime steht jedenfalls vor einem Balanceakt. Einerseits kann es eine derartig schwere Attacke nicht einfach hinnehmen. Zumal zuletzt der Druck der Hardliner gegen den moderaten Präsidenten Hassan Rohani immer mehr gewachsen ist. Am Wochenende etwa stimmte die Mehrheit im Parlament für eine Anzeige gegen den Staatschef. Und nach dem „Zwischenfall“ in Natanz forderten dessen Gegner den sofortigen Abbruch der Wiener Gespräche. Doch ein positives Ende dieses Dialogs braucht der Iran, dessen (Petro-)Wirtschaft massiv unter den Sanktionen leidet.

Gezielte Schläge Israels

Israel hatte in der Vergangenheit dem Nuklearprogramm der Mullahs mit gezielten Aktionen schwere Schläge versetzt. Obwohl offiziell nie bestätigt, war Natanz bereits im Vorjahr im Visier des Geheimdienstes. 2010 wurden durch den eingeschleusten Computervirus Stuxnet mehr als 1.000 Zentrifugen (zur Urananreicherung) zerstört. Und im vergangenen November wurde ein iranischer Top-Atomwissenschafter getötet.

Die jüngste Attacke, die die Wiener Bemühungen tatsächlich unterminieren, spielen jedenfalls den Hardlinern auf israelischer wie iranischer Seite in die Karten. Sonst niemandem.

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