Iran-Krieg: Warum Israel die Waffenruhe gefährdet

Ohne einen Stopp der Angriffe auf den Libanon werden auch die Waffen im Iran-Krieg nicht schweigen. Noch ist nicht klar, ob die USA Israel bremsen können – verhandelt wird ab Samstag in Pakistan zunächst ohne Israel.
Ein beschädigtes Gebäude wird von Rettungskräften und schwerem Gerät untersucht.

Erstmals wieder Nächte durchschlafen. Erstmals seit sechs Wochen wieder 24 Stunden ohne heulende Sirenen, ohne Drohnenangriffe, ohne abgeschossene oder eingeschlagene Raketen. Zumindest für die Menschen in den arabischen Golfstaaten wurde diese Atempause am Donnerstag wahr. Die von US-Präsident Donald Trump verkündete zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg hält die Führung in Teheran vorerst davon ab, weiter die Nachbarstaaten anzugreifen.

Vorerst – denn mit den ausgesetzten Angriffswellen könnte es schon wieder vorbei sein, ehe die Waffenpause noch richtig begonnen hat. Ab Samstag wird in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad über die genaueren Bedingungen für eine Waffenruhe verhandelt.

Mit am Tisch sitzen US-Vizepräsident J. D. Vance, Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn des US-Präsidenten. Wer zur iranischen Delegation gehört, die bereits am Donnerstagabend nach Pakistan anreiste, blieb zunächst geheim. 

Nicht dabei bei den Gesprächen, auf die weltweit große Hoffnungen gesetzt werden, sind Vertreter Israels. Und das könnte sich nachträglich als größtes Hindernis für eine echte Waffenruhe erweisen.

Unnachgiebiger Netanjahu

Israels Premier Benjamin Netanjahu stellte am Donnerstag unmissverständlich klar, dass zwar die Angriffe gegen den Iran, nicht aber gegen die vom Iran gesteuerte Hisbollah-Miliz im Libanon gestoppt würden. Vielmehr würden die Luftangriffe so lange fortgesetzt, „bis die Sicherheit der Bewohner im Norden Israels wiederhergestellt ist“, betonte er.

Dass Israel dabei härter denn je zuschlägt, zeigte sich nur wenige Stunden, nachdem Trump von einer Waffenpause gesprochen hatte: Es folgte der heftigste israelische Angriff seit Beginn des jüngsten Krieges. In den rauchenden und eingestürzten Trümmern ganzer Wohnblöcke in der libanesischen Hauptstadt Beirut starben mehr als 250 Menschen, an die 1.100 weitere, darunter Hunderte Kinder, wurden verletzt. Für Israel lag der Erfolg dieses Großangriffs in der Tötung mehrerer hochrangiger Hisbollah-Funktionäre.

Für den Libanon war es der blutigste Tag seit Langem. Worauf der Iran sofort drohte: Greift Israel weiter im Libanon an, werde auch der Iran die Angriffe sofort wieder starten.

Aus Europa kam ebenfalls die Forderung: Der Libanon solle in die Waffenruhe einbezogen werden, Israel müsse die Angriffe einstellen.

Aftermath of deadly Israeli airstrikes in Beirut

Nach dem Luftangriff in Beirut

Kriegsziele nicht erreicht

Doch davon will Premier Netanjahu nichts hören. Israels Kriegsziele sind weder im Iran noch im Libanon erreicht. Solange die USA den Verbündeten Israel nicht zum Stopp der Angriffe zwingen, solange wird die Führung in Jerusalem ihre Kämpfe fortführen.

Ziel des Krieges im Libanon ist die Evakuierung – vielmehr die Vertreibung – von mehr als einer Million Menschen aus dem Südlibanon. Anschließend soll eine Pufferzone entlang des Litani-Flusses bis zur israelischen Grenze errichtet werden. Dann hätte die radikal-islamische Hisbollah keine Möglichkeit mehr, ihre Drohnen und Raketen in den Norden Israels zu feuern.

Israel geht zwar davon aus, dass im Laufe der jüngsten Kämpfe Hunderte Hisbollah-Mitglieder getötet wurden. Doch weiterhin ist unklar, ob die Hisbollah ausreichend geschwächt ist.

Das Uran im Iran

Auch im Iran sieht sich Israel seinen Kriegszielen nicht entscheidend nähergekommen: Nach wie vor ist in Teheran ein Regime an der Macht, das die Zerstörung Israels anstrebt. Nach wie vor verfügt dieses Regime über mehr als 400 Kilogramm hochangereichertes Uran, mit dem Atombomben gebaut – und dann in Richtung Israel gefeuert werden könnten. Und nach wie vor ist Irans Raketenarsenal schlagkräftig genug, um Israel ständig angreifen zu können. Dennoch stellte Israel vorerst seine Attacken gegen den Iran ein – geschuldet dem massiven Druck der USA, die selbst dringend einen Ausweg aus dem Iran-Krieg suchen.

Gegenüber dem Libanon ließen Trump und seine Kriegsherren der israelischen Führung vorerst freie Hand. Weil sich das aber bald ändern könnte, sieht sich Israel unter Druck, die Hisbollah in kürzester Zeit endgültig auszulöschen und deswegen noch mehr Bomben auf den Libanon niedergehen zu lassen.

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