Warten auf die Eskalation: Wann kommt der US-Angriff auf den Iran?

Eine Solidaritätskundgebung für die Demonstrierenden im Iran in  der zentralisraelischen Stadt Holon am 24. Januar 2026.
Auch Israel bereitet sich auf einen US-Militäranschlag gegen seinen Erzfeind Iran vor, warnt jedoch, dass das Überraschungsmoment verstrichen sei. Doch hat Premier Netanjahu dabei kaum etwas mitzureden.

Vor dem Krieg mögen viele Israelis ihre Luftschutzräume als Rumpelkammer zweckentfremdet haben. Seither und trotz Waffenstillstand werden sie einsatzbereit gehalten: Vorräte an Trinkwasser und Konserven werden aufgefüllt, ohne dass es (noch) zu Panikkäufen kommt; Inspektionen der öffentlichen Bunker finden sowieso ständig statt. Gegen ballistische Emad- und Gadar-Raketen aus dem Iran boten sie im 12-Tage-Krieg im Juni des Vorjahres den besseren Schutz.

Ob und wann die Alarmsirenen wieder heulen, hängt ohnehin diesmal nicht von den Israelis ab. Wie am Gazastreifen und an der Nordgrenze zum Libanon bestimmt US-Präsident Donald Trump auch in der angespannten Lage mit dem Iran, wie es im Nahen Osten weitergeht. Am 8. Jänner standen die US-Bomber startbereit, um das Mullah-Regime im Iran anzugreifen, das auf die protestierenden Massen schießen ließ. Trump bremste in letzter Minute. "Es sind keine weiteren Exekutionen geplant", schenkte der US-Präsident den Mullahs Glauben.

Israel: "Zu spät"

Israel wie auch andere Anrainerstaaten atmeten auf. Die Gründe, warum Israel und die arabischen Golfstaaten vor einem Angriff der USA warnten, sind seitdem unverändert. Im Jänner hieß es, es sei zu früh: Die Schlagkraft der US-Streitkräfte in Nahost sei noch zu schwach. Mittlerweile ist zwar eine "starke Armada" unterwegs in den Persischen Golf, jetzt aber sei das Überraschungsmoment vorüber. Ein Sturz des islamistischen Regimes könne nicht durch Bomben aus der Luft erzwungen werden. Es sei zu spät.

Vergangene Woche besuchte US-Admiral Brad Cooper Israel. Der Kommandeur des US-Central Commands (CENTCOM), dem Regionalkommando für Nahost und Zentralasien, hob die intensive Zusammenarbeit zwischen den USA, Israel und den Golf-Verbündeten hervor, doch enthielt er sich jeder angriffslustigen Äußerung. Einige Experten gehen mittlerweile davon aus, dass die US-Armee noch mindestens zwei Wochen braucht, um wirkungsvolle Angriffe starten zu können. Ob diese tatsächlich den Sturz des Mullah-Regimes zur Folge haben können, bleibt fraglich – darüber sind sich israelische und arabische Experten einig.

Trump und Netanjahu bei ihrem letzten Treffen in Mar-a-Lago Ende Dezember.

Trump und Netanjahu bei ihrem letzten Treffen in Mar-a-Lago Ende Dezember.

Neues Atomabkommen?

Ziel solcher Angriffe könnte aber auch Einschüchterung sein, also ein drastisches Einlenken der Mullahs im Streit um die iranischen Nuklearpläne. So aggressiv Trump in seinen bisherigen Äußerungen oft geklungen haben mag, er hielt dabei neben den militärischen Optionen auch die diplomatischen offen. Noch am Mittwoch bekräftigte er: "Der Iran will reden, so werden wir reden!"

In ihrer verzweifelten Lage im Inneren könnten die Mullahs in der Atomfrage bislang verweigerte Zugeständnisse machen, mit dem Ziel, ihre Herrschaft erhalten zu können. Gerade bei seinen fanatischsten Anhängern steht Trump im Wort, die USA aus äußeren Konflikten herauszuhalten. In einer kriegerischen Neuauflage mit dem Iran stünden neben Israel vor allem auch die US-Stützpunkte im Irak und am Golf im iranischen Visier. US-Gefallene, die im Sarg in die USA zurückkehren, passen so gar nicht in Trumps Gesamtkonzept.

Admiral Cooper zeigte sich von der Bereitschaft der israelischen Luftabwehr beeindruckt, trotzdem gibt es Zweifel: Der Iran feuerte im Juni 574 ballistische Mittelstreckenraketen gegen Israel. 201 davon wurden abgefangen, 316 fielen auf offenes Gelände. 57 schlugen in Wohngebiete ein. 28 Menschen wurden getötet, 3.238 verletzt. Israel musste seit Juni seine Vorräte an Abwehrraketen aufstocken, was nicht nur teuer ist: Nachschub braucht seine Zeit. Und Israels Zivilbevölkerung weiß seit Juni, wie treffgenau die iranischen Raketen geworden sind. Zwar dürften auch die iranischen Raketenlager leerer geworden sein, doch immer noch werden enorme Arsenale im Iran vermutet.

Doch Premier Benjamin Netanjahu bestimmt in dem Konflikt nicht die Richtlinien. Der Premier fällte seine letzten Entscheidungen, ohne sich mit seinem an Ministern so umfangreichen Kabinett zu beraten – wie die umstrittene Öffnung des Rafah-Grenzübergangs zwischen Gaza und Ägypten, zu der die USA gedrängt hatten. Auch beim Iran gibt es nur eine Reaktion: Das Ja und Amen zu allem, was der Mann mit der roten MAGA-Kappe in Washington für richtig hält.

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