Trotz Trumps Warnung: Israel hat Ziele im Iran angegriffen
Zusammenfassung
- Israel greift militärische Ziele im Westen und Zentrum des Irans an, trotz Warnungen von US-Präsident Trump.
- Die Angriffe folgen auf iranische Raketenangriffe als Vergeltung für israelische Attacken auf Beiruter Vororte und führen zu regionalen Luftraumsperrungen.
- Der Iran und die Hisbollah begründen ihre Angriffe mit wiederholten Verstößen Israels gegen die Waffenruhe im Libanon, während Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran bisher erfolglos bleiben.
Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht zum Montag militärische Ziele im Iran angegriffen und sich damit über Warnungen von US-Präsident Donald Trump hinweggesetzt.
Die Angriffe richteten sich nach israelischen Militärangaben gegen Ziele im Westen und Zentrum des Landes und erfolgen wenige Stunden, nachdem der Iran als Vergeltung für einen Angriff auf die südlichen Vororte von Beirut erstmals seit zwei Monate wieder zahlreiche Raketen auf israelische Ziele abgefeuert hat. Laut israelischem Militär wurde der Angriff abgewehrt. Daraufhin wurden Gegenschläge angekündigt, die Trump an sich verhindern wollte.
Laut der iranischen Nachrichtenagentur Mehr waren auch in der iranischen Hauptstadt Teheran Explosionen zu hören. Auch nahe der Stadt Karadsch, etwa 40 Kilometer außerhalb von Teheran, gab es Insidern zufolge eine Detonation, berichtete die Nachrichtenagentur Nournews.
Trump: "Ich habe das Sagen"
Zuvor hatte Trump den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu davor gewarnt, die laufenden Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran durch weitere Militärschläge zu gefährden. „Ich habe das Sagen. Ich habe absolut das Sagen. Er hat nicht das Sagen“, sagte Trump der Zeitung Financial Times. Netanjahu werde keine andere Wahl haben, als ein künftiges Abkommen zu akzeptieren.
Trump hatte Netanjahu in einem Telefonat am Sonntag aufgefordert, von weiteren Schlägen abzusehen, da man kurz vor einem guten Abkommen stehe, berichtete das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter. Der US-Präsident betonte, die jüngste Eskalation werde keine Auswirkungen auf die Verhandlungen haben.
Angriff des Iran
Zuvor schlugen nach Angaben des israelischen TV-Senders N12 Raketentrümmer im Norden Israels ein, unter anderem nahe der Stadt Tiberias. Eine 79-Jährige habe Verletzungen am Kopf erlitten, als sie in einen Schutzraum eilte. Unterricht in allen Schulen Israels wurde laut dem Zivilschutz für Montag abgesagt. Der internationale Flughafen bei Tel Aviv blieb nach Medienberichten zunächst geöffnet. Die Grenzübergänge in den Gazastreifen wurden geschlossen.
Verstöße gegen Waffenruhe
Irans zentrales Militärkommando bestätigte die Raketenangriffe. In einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung begründeten die iranischen Streitkräfte die Attacke mit "wiederholten Verstößen" der israelischen Armee gegen die Waffenruhe im Libanon. Teheran hatte Israel bereits mit Angriffen gedroht und will damit die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon unterstützen.
Als Reaktion auf die Eskalation sperrte der Iran bis auf weiteres seinen Luftraum im Landeswesten. Der Irak und Syrien sperrten ihren gesamten Luftraum vorübergehend. Berichte, dass auch die Golfstaaten ihren Luftraum geschlossen hätten, bestätigten sich zunächst nicht. Die iranische Rothalbmondgesellschaft versetzte ihre Mitarbeiter aus Sorge vor israelischen Gegenangriffen in Alarmbereitschaft.
Raketen in Jordaniens Luftraum
Bei den neuesten Angriffen des Irans auf Israel sind einige der Raketen in Jordaniens Luftraum eingedrungen. Das teilte ein Sprecher der jordanischen Regierung mit. Mehrere Raketen hätten Jordaniens Luftraum bei der "erneuten Eskalation" verletzt.
Teheran hatte vor Angriffen Israels auf Beiruter Vororte gewarnt
Konkret reagierte der Iran mit den Raketenangriffen auf neue Angriffe Israels in Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut am Sonntag trotz einer von US-Präsident Trump verkündeten Waffenruhe. Die Armee habe in Beirut "Terroristen-Hauptquartiere" als Reaktion auf vorherigen Beschuss Israels durch die Hisbollah angegriffen, teilten Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz mit.
Die Hisbollah ist der wichtigste nichtstaatliche Verbündete des Irans. Teheran hatte zuvor gewarnt, dass weitere israelische Angriffe auf den Großraum Beirut als neuer Eskalationsschritt in der regionalen Konfrontation gewertet würden.
Israel hatte seit Inkrafttreten einer offiziellen Waffenruhe Mitte April die Angriffe im Raum Beiruts deutlich eingeschränkt. US-Präsident Trump hatte dort auch einen Stopp israelischer Angriffe und ein Ende von Angriffen der Hisbollah auf Israel verkündet. Israel hatte jedoch damit gedroht, diese Gebiete im Falle von Hisbollah-Attacken auf Israel erneut anzugreifen und die Bewohner der Vororte erneut zur Flucht gedrängt.
Iran: Luftwaffenstützpunkt in Israel attackiert
Irans Streitkräfte zielten laut eigenen Angaben unter anderem auf den israelischen Luftwaffenstützpunkt Ramat David. In einer von der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim verbreiteten Erklärung der Revolutionsgarden begründete die Elitestreitmacht des Landes ihre Angriffe mit der Eskalation im Libanon. Die Waffenruhe im Iran-Krieg sei unter der Prämisse ausgehandelt worden, dass der Konflikt an allen Fronten eingestellt werden müsse. Israel und den USA warf der Iran vor, ihre Verpflichtungen verletzt zu haben.
Die nun erfolgten Angriffe bezeichneten die Revolutionsgarden als "Warnung". Sollte der Krieg wieder voll ausbrechen, "werden die Antworten umfassender ausfallen und sämtliche amerikanisch-zionistischen Ziele in der Region einschließen", teilten die Streitkräfte weiter mit. Iranischen Staatsmedien zufolge wurden ballistische Raketen aus mehreren Landesteilen abgefeuert.
Längere Verhandlungen brachten keinen Durchbruch
Am 28. Februar hatten Israel und die USA ihren Krieg gegen den Iran begonnen. Zuletzt hatte der Iran in der Nacht auf den 8. April Raketen auf Israel abgefeuert. Am selben Tag einigten sich die USA und der Iran auf eine zunächst zweiwöchige Waffenruhe, die anschließend verlängert wurde. Trump knüpfte diese auch an die Öffnung der Straße von Hormuz. Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über eine dauerhafte Beendigung des Kriegs haben aber bisher keine Einigung gebracht.
Auch nach Beginn einer Seeblockade vonseiten der USA in der Straße von Hormuz hatte es bereits Warnungen vor einer Wiederaufnahme der iranischen Angriffe auf Israel gegeben. Seit Kriegsbeginn Ende Februar mit US-israelischen Angriffen auf den Iran hatte dieser die weltweit für den Öltransport wichtige Meerenge vor seiner Küste blockiert. Die Durchfahrt von Tankern kam quasi zum Erliegen. In der Folge stiegen die Energiepreise weltweit deutlich an - was auch Trump innenpolitisch unter Druck setzte.
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