Israel hat Bodenoffensive im Libanon begonnen

Israelische Armee nimmt im Rahmen einer Bodenoffensive im Süden des Libanon Stellungen der Hisbollah-Miliz ins Visier.
Beirut and its southern suburbs during a rainstorm

Zusammenfassung

  • Israel bestätigt eine "begrenzte und gezielte" Bodenoffensive im Süden des Libanon gegen Hisbollah-Stellungen.
  • Die Offensive dient laut israelischem Militär dem Schutz der Bevölkerung Nordisraels und der Stärkung eigener Posten.
  • Im Libanon wächst die Sorge vor einer größeren israelischen Bodenoffensive; bisher wurden laut libanesischem Gesundheitsministerium 850 Menschen getötet und über 2.100 verletzt.

Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Tagen "begrenzte und gezielte Bodeneinsätze" im Süden des Nachbarlands Libanon begonnen. Ziel seien aktive Hisbollah-Mitglieder sowie die Infrastruktur der Miliz, teilte Israels Armee am Montag in der Früh mit. Die Einsätze am Boden seien "Teil umfassenderer Verteidigungsmaßnahmen", um die Einwohner im angrenzenden Nordisrael zu schützen.

Vor dem Einmarsch der Soldaten habe Israels Militär Angriffe mit Artillerie und aus der Luft ausgeführt, "um Bedrohungen im Einsatzgebiet zu minimieren". Die Times of Israel sprach von einer "Erweiterung der Pufferzone" im Südlibanon, "um die Bedrohung durch die Hisbollah von der Grenze fernzuhalten".

Israel will das gesamte Gebiet südlich des Litani-Flusses einnehmen

Die Zeitung hatte bereits am Wochenende berichtet, dass israelische Bodentruppen bei Kämpfen im Südlibanon Dutzende Milizionäre der irantreuen Hisbollah getötet hätten. Israels Verteidigungsministerium bestätigte den Bericht auf Anfrage. Zudem seien Waffenlager, ein Kommandozentrum und Beobachtungsposten der Hisbollah zerstört worden.

Die Schiitenorganisation bestätigte auf Anfrage Bodeneinsätze in der Gegend um Chijam, die in der Nähe der Grenze zu Israel liegt.

Im Libanon sind im Zuge des Iran-Kriegs die Kämpfe zwischen der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz und Israels Militär wieder aufgeflammt. In dem Land herrscht nun Sorge vor einer größeren Bodenoffensive Israels. Nach Darstellung des Nachrichtenportals Axios will Israel das gesamte Gebiet südlich des Litani-Flusses einnehmen, um die militärische Infrastruktur der Hisbollah zu zerschlagen. Der Fluss ist etwa 30 Kilometer von Israels Grenze entfernt.

Israel droht Libanon mit Gebietseinnahmen

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte dem Nachbarland kürzlich mit der Einnahme von Gebieten gedroht, sollte die libanesische Regierung nicht in der Lage sein, die Hisbollah davon abzuhalten, auf israelische Ortschaften zu feuern und die Miliz zu entwaffnen. Die Hisbollah sollte eigentlich gemäß einer Waffenruhenvereinbarung entwaffnet werden. Dies ist bisher nicht gelungen.

Hisbollah griff in den Iran-Krieg ein

Israels Armee schickte bereits Anfang März weitere Bodentruppen in den Südlibanon. Dort hatte das israelische Militär zuvor noch fünf Posten gehalten. Seitdem ist es an weiteren Punkten stationiert. Der Schritt war eine Reaktion auf das Eingreifen der Hisbollah in den Krieg an der Seite des Irans. Die Miliz hatte Israel vor zwei Wochen erstmals seit Beginn einer Waffenruhe im November 2024 wieder mit Raketen angegriffen. Zuvor hatte es einen einjährigen Krieg zwischen beiden gegeben.

Israel griff auch während der Waffenruhe immer wieder Hisbollah-Ziele an, mit der Begründung, die Miliz halte sich nicht an die Vereinbarungen und wolle sich neu bewaffnen. Wegen der Angriffe warf auch die Hisbollah Israel vor, sich nicht an die Abmachungen zu halten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte zuletzt Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu dazu auf, von einer Bodenoffensive im Libanon abzusehen. Er forderte beide Seiten auf, zum Waffenruheabkommen zurückkehrten.

Kommentare