Irans Revolutionsgarden: Das tödliche Werkzeug des Gottesstaates

Die Revolutionsgarden. Mächtig, brutal, fanatisch, reich: Die Pasdaran verteidigen den Mullah-Staat Iran mit aller Härte. Sie sind der Stützpfeiler der Diktatur. Erst wenn sie kippen, stürzt das Regime.
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Von Timo Buchhaus

Die rote Flagge ist gehisst. Sie ist dem dritten schiitischen Imam Husayn Ibn Ali gewidmet, der im Jahr 680 als Märtyrer in der Schlacht bei Kerbela starb. Wenn sie auf dem Dach der Dschamkarān-Moschee in der heiligen Stadt Ghom weht, dann ist die Botschaft des Mullah-Regimes eindeutig: Rache.

Der US-israelische Krieg gegen den Iran hat fatale Konsequenzen für den Nahen Osten. Auch wenn es über Teheran Öl regnet, Ayatollah Ali Khamenei tot und die Luftabwehr praktisch ausgeschaltet ist: Das Regime lebt und schlägt mit aller Härte zurück.

Möglich ist das durch jahrelange Vorbereitung und die scheinbar unerschütterliche Treue der Revolutionsgarden zum Regime. Sie sichern die Macht der Mullahs und führen Vergeltungsschläge auf die arabischen Verbündeten der USA durch. Solange sie stehen, steht das Regime.

Die Garde und der Führer

Nur einen Monat nach dem Ende der Monarchie im Jahr 1979 wurden die Pasdaran, wie die Revolutionsgardisten auch genannt werden, offiziell Teilstreitkraft des iranischen Militärs.

Ayatollah Ruhollah Khomeini, der die revolutionären Aktivitäten jahrelang aus dem Ausland geleitet und sich zum obersten Führer der Islamischen Republik aufgeschwungen hatte, hatte kein Vertrauen in die reguläre Armee, die schon dem Schah gedient hatte. 

Er wollte Kämpfer, die die Werte der islamischen Revolution verteidigen. Männer, die nicht nur den äußeren, sondern auch den inneren Feind bekämpfen sollten. Er vereinte sie unter einem Namen: das Korps der islamischen Revolution.

FILE PHOTO: Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC) ground forces take part in a military drill

Raketen und Drohnen gehören zu den wichtigsten Waffen der Revolutionsgarden. Von den USA und  der EU werden die   Pasdaran seit Jahren als terroristische Organisation eingestuft.

Mit Ausbruch des ersten Golfkrieges im September 1980 erlebten die Garden ihre Feuertaufe, das Korps wurde eine schlagkräftige Militäreinheit, entwickelte die durchschlagendste Waffe, die das iranische Arsenal bis heute zu bieten hat: Raketen.

Der außenpolitische Hebel

Bis zum Beginn der Angriffe kontrollierten die Garden ein Arsenal von bis zu 3.000 Raketen mit Reichweiten von bis zu 2.500 Kilometern. Das verleiht dem Korps die Macht, die Außenpolitik zu lenken – auch ohne Zustimmung des Präsidenten. Dieser befiehlt der regulären Armee, nicht den Garden, und die haben andere Pläne: Der Präsident entschuldigte sich, doch am gleichen Tag erfolgten Angriffe auf mehrere Golfstaaten.

„Um ihren Kurs durchzusetzen, nutzt die Garde ihre militärischen Instrumente unabhängig von der Regierung“, sagt der Iranist Robert Steele im Gespräch mit dem KURIER.

Das Korps ist mächtig und groß. Knapp 150.000 aktive Soldaten dienen in den regulären Truppen der Garde. Sie gliedern sich in eine eigene Luftwaffe, eine Marine, eine Landstreitkraft und einen Geheimdienst.

Pro-Palestine and Hezbollah rally in Tehran

Eine iranische Shahed-Drohne wird in Teheran präsentiert.

Die zwei wichtigsten Einheiten des Korps sind die elitäre Quds-Brigade und die Basij-Milizen. Die Quds-Brigade ist die Auslandseinheit des Iran: Sie führt Operationen durch und trainiert die Verbündeten des Regimes – etwa die libanesische Hisbollah.

Die Basij-Milizen bringen zusätzliche 450.000 freiwillige Kämpfer ein. Sie merzen jedes Anzeichen des inneren Widerstandes gegen das Regime aus. Sie waren es, die bei den Protesten im Jänner möglicherweise mehr als 30.000 Iraner töteten.

Der Staat im Staat

Mitgliedschaft bei der Garde bedeutet Zugang zum größten Dienstgeber des Iran. Seit 2005 profitierte sie von den Privatisierungen und brachte einen großen Teil der iranischen Wirtschaft unter ihre Kontrolle. Sie übernahm zudem das Geschäft der internationalen Unternehmen. Heute kontrolliert sie etwa ein Drittel der iranischen Wirtschaft. Dazu gehören Bauunternehmen mit zehntausenden Mitarbeitern, Flughäfen, Industrie und Finanzdienstleister.

Die Pasdaran haben ihre eigene Armee, ihr eigenes Geld, besetzen die höchsten politischen Ämter des Iran. Ihre Fähigkeit, Ziele im gesamten Nahen Osten anzugreifen, ihre Miliz-Polizei und ihr Firmenimperium entkoppeln sie von jeder Kontrolle, die ein gewählter Präsident im Iran haben könnte. 

Sie sind ein Staat im Staat. Ihre Loyalität gilt nicht dem Iran, sondern dem Korps und dem obersten Führer – einem Amt, das von ihnen selbst kontrolliert wird.

36 Jahre lang waren sie von dem vor zwei Wochen getöteten Ayatollah Ali Khamenei geleitet worden. Ihr neuer Führer, Mojtaba Khamenei, steht der Garde nahe, hat selbst in ihr gedient. Dass die Wahl auf ihn fiel, „besagt etwas“, sagt Steele. „Ob die Stellung der Pasdaran dieselbe bleiben wird, entscheidet der Krieg.“ 

Es werde vor allem darauf ankommen, ob sie nach dem Krieg noch die Stärke haben, das Volk zu kontrollieren. „Im Moment jedenfalls“, sagt er, „ist der Schaden eher materiell als politisch.“

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