Politik | Ausland
21.05.2017

Irlands Angst vor dem Brexit

EU-Ministerrat gibt am Montag grünes Licht für Start der Verhandlungen mit London.

Sattes Grün hier wie dort, wo einst gepanzerte Wägen und schwer bewaffnete britische Soldaten die Grenze kontrollierten. Seit zwanzig Jahren ist diese mit Gewalt gezogene Trennlinie zwischen Nordirland und dem Süden der irischen Insel so gut wie verschwunden. Doch genau dieser Grenze gelten die wachsenden Ängste der Iren auf der ganzen Insel.

Kommenden Montag werden die Außenminister der 27 EU-Staaten (minus Großbritannien) in Brüssel offiziell grünes Licht für den Start der Brexit-Verhandlungen geben. Von Anfang an wird das Thema Nordirland bei den Austrittsgesprächen mit Großbritannien eines der wichtigsten sein.

"So oder so, es wird dann wieder eine Form von Grenze geben", befürchtet die nordirische Abgeordnete zum Europa-Parlament, Martina Anderson (Sinn Fein). "Und es geht wieder durch das Herz Irlands."

Friedensabkommen

Mit klarer Mehrheit hatten die Nordiren im vergangenen Juni gegen den Brexit gestimmt. An die 30.000 Menschen überqueren jeden Tag die Grenze zwischen Norden und Süden, ohne irgendetwas davon zu spüren. Nach dem Brexit aber wäre der zu Großbritannien gehörende nordirische Inselteil für die Iren auf dem Süden der Insel nur noch ein beliebiger Drittstaat – ähnlich wie Russland, China oder Chile. Großbritanniens einzige Landgrenze zur EU würde sich dann quer durch die irische Insel ziehen. Mit gravierenden wirtschaftlichen, politischen und sozialen Folgen.

"Wir sollten in der EU bleiben", ärgert sich Anderson, "in der EU gibt es für uns Garantien für den Frieden." Tatsächlich hatte die EU für das Ende jahrzehntelanger Konflikte in Nordirland Pate gestanden. Das Kartfreitags-Friedensabkommen in der Unruheregion war 1998 möglich geworden zwischen den beiden EU-Staaten Irland und Großbritannien, die ihre Grenzbalken schließlich öffnen und die Soldaten in die Kasernen zurückschicken konnten.

Dem Versprechen der britischen Premierministerin Theresa May, wonach es "keine Rückkehr zu den Grenzen der Vergangenheit geben wird", schenkt man in Irland indessen wenig Glauben und hofft auf den Rückhalt aus Brüssel.

Und so stellt sich die EU demonstrativ hinter die Nordiren: "Wir stehen bei diesen Verhandlungen zusammen, die geeinte EU wird für euch da sein", versprach jüngst EU-Chefverhandler Michel Barnier.Das Wichtigste sei, dass der Frieden gewahrt bleibe. Die EU geht in ihren Verhandlungsleitlinien, die von den Staats- und Regierungschefs abgesegnet wurden, dabei sehr weit: Sie sagt Nordirland zu, automatisch ein Teil der Europäische Union zu werden, sollten sich die Nordiren in einem Referendum mehrheitlich dafür aussprechen, sich der Republik Irland anzuschließen.