Experte Feichtinger: "Rechne mit einem langen, intensiven Kriegsszenario"

Laut Militäranalyst Walter Feichtinger hat Donald Trump es auf einen Regimewechsel angelegt. Der Ausgang der Operation sei aber völlig ungewiss.
Israel and U.S. launch strikes on Iran

Ist das der Beginn eines großen Krieges in Nahost? Walter Feichtinger, Militäranalyst und Präsident des Center für Strategische Analysen, ist überzeugt, dass die Luftschläge der USA und Israels massive Konsequenzen in der Region nach sich ziehen werden – mit völlig ungewissem Ausgang.

KURIER: Haben Sie mit einem derartig groß angelegten Angriff gerechnet? Und was erwarten Sie in den kommenden Tagen?

Walter Feichtinger: Das ist genau das Szenario, das zu erwarten war. Dem Regime stand das Wasser schon bis zum Hals, Trump hat einen Angriff wie diesen ja auch angedroht.

Der Iran wird nun alles in die Waagschale werfen, was er aufzubieten hat, die ersten Raketen flogen bereits kurz nach den US-Attacken. Auch die USA und Israel werden ihre Planungen weiterverfolgen, denn die Ziele sind bereits vorbereitet, die Waffen programmiert.

Ich denke, die Heftigkeit und Intensität der Luftschläge wird auf einem sehr hohen Niveau bleiben.

Trump verfolgt also kein Venezuela-Szenario, eine kurze Intervention.

Nein, in Venezuela ging es Trump nicht um einen Regimewechsel, im Iran will er den schon. Die Situation des Iran mit seinem Nachbarn und Erzfeind Israel ist auch nicht mit jener des isolierten Venezuela vergleichbar. Die USA und Israel verfolgen hier ein übergeordnetes Ziel, sie wollen das Mullah-Regime beseitigen.

Ist der Oberste Führer Khamenei direktes Ziel der Angriffe gewesen? Nahe des Präsidentenpalasts in Teheran stieg Rauch auf.

Die gesamte politische Elite ist das Ziel, sie soll eliminiert werden. Angeblich wurde der Generalstabschef getroffen, Khamenei selbst soll an einen sicheren Ort außerhalb Teherans gebracht worden sein, es wird sehr schwierig sein, ihn ausfindig zu machen und zu treffen. Das geschieht nicht binnen ein paar Tagen.

Walter Feichtinger

Militäranalyst Walter Feichtinger ist Präsident des CSA. 

Trump hat wieder – wie bei Venezuela – am Kongress vorbeiagiert. Wird das zum Problem für ihn?

Trump agiert im absoluten Widerspruch, denn er stellt sich ja als Friedensapostel dar. Nun hat er aber binnen kürzester Zeit mehrere Militäroperationen angeordnet. Das beschädigt die Glaubwürdigkeit bei der eigenen Bevölkerung.

Zudem versucht Trump so, das System der Checks and Balances auszuhebeln, indem er losgelöst agiert. Das wird Folgen haben – wenn auch nicht gleich.

Die eigentliche Machtbasis des Regimes sind die Revolutionsgarden. Eliminieren die USA und Israel die Führungselite des Iran, werden diese 200.000 ideologisch motivierten Kämpfer nicht schnell zum Problem?

Das Töten ausgewählter Führungspersonen wird keine Lösung bringen, denn in der zweiten Reihe warten immer Leute, die umgehend nachrücken. Dazu gibt es ja auch die zahlenmäßig noch deutlich größeren Basidsch-Milizen. Mit der Eliminierung von einzelnen Führungspersonen bringt man den Iran noch nicht zum Einstürzen.

Sie erwarten eine langfristige und schwer kalkulierbare Auseinandersetzung – die auch ausufern kann?

Ja, ich rechne mit einem langen, intensiven Kriegsszenario mit heftigen Schlägen von allen drei Seiten, wenn man Israel dazunimmt – mit völlig ungewissem Ausgang.

Lesen Sie hier unsere aktuellsten Meldungen zum Angriff der USA auf den Iran.

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