Chaos in der Straße von Hormus: Und sie bleibt doch geschlossen

Weil die USA ihre Blockade iranischer Häfen weiter aufrechterhalten, nahm der Iran seine Öffnung der Meerenge nach nicht einmal 24 Stunden wieder zurück. Die Verunsicherung ist groß.
Ships and tankers in the Strait of Hormuz off the coast of Musandam

Es waren wahrlich turbulente Tage für den Nahen Osten. Zunächst hatte US-Präsident Donald Trump am Donnerstagabend über seine Plattform Truth Social erklärt, Israels Regierung habe einer Waffenruhe in ihrem Krieg gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon zugestimmt. 

Das war seit Wochen eine zentrale Forderung des Iran für die Öffnung der Straße von Hormus gewesen, also verkündeten die Revolutionsgarden am Freitag das Ende ihrer Blockade: Die Meerenge sei nun wieder ohne Einschränkungen für alle Schiffe befahrbar.

Doch die Ankündigung hielt gerade einmal 19 Stunden. Weil Trump erklärte, die von den USA seit Montag etablierte Blockade – sie soll nur für Schiffe gelten, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen wollen – werde „bis zu einem dauerhaften Ende des Krieges“ aufrechterhalten, zog auch der Iran seine Öffnung am Samstagvormittag wieder zurück.

Öltanker vom Iran beschossen

In der Meerenge selbst sorgte das für chaotische Szenen, einzelne Schiffe hatten sich bereits auf den Weg gemacht, sie zu durchqueren. Internationale Trackingdienste berichteten von einem Funkspruch, den etliche Schiffe im Persischen Golf erhalten hätten: „Achtung, wegen des Versäumnisses der US-Regierung, ihre Verpflichtungen in den Verhandlungen zu erfüllen, erklärt der Iran die Straße von Hormus wieder für vollständig geschlossen. Keinem Schiff, unabhängig von Typ oder Nationalität, ist die Durchfahrt gestattet.“ 

Ein Öltanker, der sich zu dem Zeitpunkt gerade unmittelbar vor der Meerenge befand, sei sogar beschossen worden, wie die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) berichtete. Der Kapitän habe einen Notruf abgesetzt und behauptet, zwei iranische Kanonenboote hätten „ohne Vorwarnung“ das Feuer eröffnet. Verletzt wurde niemand, das Schiff sei intakt. Laut Trackingdiensten handelte es sich um ein indisches Schiff – diesen war bisher die Durchfahrt gestattet gewesen.

Internationale Reedereien schlagen längst Alarm. Trotz der vom Iran zwischenzeitlich angekündigten Öffnung wagte nur eine Handvoll Frachter die Durchfahrt, Berichten zufolge verließ kein einziger Öltanker den Persischen Golf. Noch immer verbleiben dort Hunderte Schiffe mit jeweils mehreren Hundert Besatzungmitgliedern faktisch eingeschlossen. 

Für den Verband Deutscher Reeder zeigt die erneute Schließung, dass auf die Ankündigungen der Kriegsparteien kein Verlass ist: „Ohne belastbare Sicherheitsgarantien kann es keine nachhaltige Normalisierung des Schiffsverkehrs in dieser für den Welthandel zentralen Region geben.“ Vor Kriegsbeginn durchquerten täglich etwa 150 Schiffe die Straße von Hormus. 

Neue Gespräche stehen laut Trump bevor

Trump reagierte auf die Meldungen über den beschossenen Öltanker selbstbewusst: „Damit können sie uns nicht erpressen“, sagte er vor Journalisten im Weißen Haus. Der US-Präsident ging davon aus, dass die Friedensverhandlungen mit dem Iran schon in den nächsten Tagen fortgesetzt werden: „Wir führen derzeit sehr gute Gespräche, es läuft wirklich gut.“

Noch am Donnerstag hatte Trump eine weitere Verhandlungsrunde für dieses Wochenende in Pakistan in Aussicht gestellt, dazu kam es jedoch nicht. Viel deutet jedoch darauf hin, dass es Anfang der Woche soweit sein könnte.

Iranian President Masoud Pezeshkian meets with Pakistan army chief Field Marshal Asim Munir, in Tehran

Pakistans Armeechef Asim Munir und der iranische Präsident Masoud Peseschkian.

Pakistans mächtiger Armeechef Asim Munir kehrte am Samstag von einem mehrtägigen Staatsbesuch aus Teheran zurück, wo er unter anderem Gespräche mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi und dem Parlamentspräsidenten Mohammad Bagher Ghalibaf geführt hatte. Beide führten zuletzt die Verhandlungen für den Iran. 

Gleichzeitig kehrte Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif von einer Reise durch Katar, Saudi-Arabien und die Türkei zurück und versprach nach Gesprächen mit den dortigen Regierungschefs eine „unerschütterliche Entschlossenheit, eine Verhandlungslösung zu ermöglichen“.

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