Der Iran-Konflikt ist zu einem Pokerspiel um die Straße von Hormus verkommen
Die kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Iran und den USA pausiert seit fast zwei Wochen, entspannt hat sich die Lage für die Weltwirtschaft dennoch nicht. Die Märkte sind genauso verunsichert wie zu Zeiten, zu denen täglich Bomben fielen. Das ist Kalkül.
In der Straße von Hormus ist ein politisches Pokerspiel im Gange, bei dem beide Seiten versuchen, einander maximal unter Druck zu setzen. Der Iran nutzt seine Kontrolle über die Meerenge, um Reedereien zu verunsichern, den Ölpreis in die Höhe zu treiben und die USA zu Zugeständnissen zu zwingen – wohlwissend, dass Donald Trump Preiserhöhungen so kurz vor den Zwischenwahlen kaum gebrauchen kann. Dass der US-Präsident am Donnerstag Israel zu einer Waffenruhe im Libanon drängte, zeigt, dass die Taktik wirkt.
Nur die USA entscheiden, ob die Straße von Hormus geöffnet wird
Die USA hingegen haben mit ihrer eigenen Seeblockade einen Kurswechsel vollzogen: Sie nehmen Turbulenzen auf den Märkten in Kauf, um das iranische Regime um Öl- und Mauteinnahmen zu bringen – und um sein größtes Druckmittel. Indem Trump trotz der zwischenzeitlichen iranischen Öffnung an der US-Blockade festhält, stellt er klar: Allein die USA entscheiden, ob die Straße von Hormus geöffnet wird oder nicht.
Das Chaos resultiert also daraus, dass beide Seiten sich vor der nächsten Verhandlungsrunde Vorteile verschaffen wollen. Die gute Nachricht: Sie sind weiter gesprächsbereit, wollen nicht zu den Kämpfen zurückkehren. Die schlechte: Sie vertrauen einander kein Stück. Bis eine Lösung gefunden ist, dürfte dieses Spiel noch wochenlang weitergehen.
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