Umgekehrtes Spiel: US-Armee braucht Ukraine für Drohnen-Abwehr

In drei Tagen verschossen die USA mehr Luftabwehrraketen als die Ukraine im ganzen Krieg. Selenskij bot Trump nun einen Deal an.
P1-Sun FPV interceptor drone is displayed at an exhibition of Ukrainian drone makers in an undisclosed location in Ukraine

von Timo Buchhaus

Westliche Luftverteidigungswaffen sind teuer und für den Einsatz gegen einzelne ballistische Raketen konzipiert. Bei Massenangriffen durch billige Shahed-Drohnen stoßen sie deshalb an ihre Grenzen. Eine Erfahrung, die die Ukraine in den vergangenen vier Jahren bereits gemacht hat - und seit dem Angriff auf den Iran eben auch die USA

"Unsere Partner bitten uns um Hilfe", ließ deswegen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij jetzt wissen. Nicht nur die USA, sondern auch mehrere Golfstaaten hätten bei der Ukraine wegen ihrer eigens entwickelten "Mini-Kamikaze"-Abfangdrohne angefragt. Diese sind weitaus kosteneffizienter bei der Abwehr von Drohnen

Ukraine hofft auf Deal

Umgekehrte Welt also. Und sie eröffnet vielleicht neue Möglichkeiten für die Ukraine, die sich im Gegenzug einen Deal mit den Amerikanern erhofft: Luftabwehrraketen gegen Expertise bei der Drohnenabwehr.

Die ukrainischen Abwehrdronen sind billig und effektiv.

Die ukrainischen Abwehrdronen sind billig und effektiv.

Denn diese sind aktuell weltweit Mangelware. Beim US-israelischen Angriff auf den Iran wurde in nur wenigen Tagen bereits ein großer Teil des US-Waffenarsenals verbraucht. Das betrifft vor allem Luftabwehrraketen vom Typ Patriot. Die Ukraine braucht diese Waffen dringend. Insbesondere seit die USA die Waffenhilfe an die Ukraine eingestellt haben und Europa für die Neubeschaffung verantwortlich ist, ist die Versorgung nicht mehr sicher. Die Ukraine muss daher um jede noch so kleine Lieferung ringen. 

Allein in den ersten drei Tagen des Krieges verschossen die USA und ihre Verbündeten rund 800 Patriot-Luftabwehrraketen. Das ist laut Selenskij mehr, als die Ukraine in vier Jahren Krieg bekommen hat. 

Fast 300 Raketen im Februar

Das Land muss sich täglich gegen russische Luftangriffe wehren, bei denen neben tausenden Drohnen auch ballistische Raketen und Marschflugkörper eingesetzt werden. Sie schlagen in Wohnblocks, Krankenhäusern und Schulen ein und können nur von modernen Luftabwehrraketen wie dem amerikanischen Patriot abgeschossen werden. Allein im vergangenen Februar schoss die russische Armee 288 Raketen auf die Ukraine - ein Höchststand. 

Ballistische Raketen hinterlassen verheerende Schäden

Ballistische Raketen hinterlassen verheerende Schäden.

Für den Abschuss einer einzelnen ballistischen Rakete werden in der Regel zwei Patriot-Raketen benötigt. Sind die Raketen-Batterien leer, sind Millionenstädte dem russischen Beschuss ausgeliefert. Doch die Vorräte im Westen werden weniger.

USA haben nicht genug Produktionskapazitäten

Trotz Trumps Behauptungen, dass die US-Armee einen "unendlichen Vorrat an Waffen" habe, hat selbst das Arsenal der USA Grenzen. Bis vor dem Angriff auf den Iran befanden sich etwa 2000 Patriot-Raketen in den Depots. Davon wurde nun ein erheblicher Teil verbraucht. Zudem brauchen auch die arabischen Verbündeten der USA Nachschub. Die Ukraine befürchtet also zukünftige Lieferengpässe, sollte der Krieg gegen den Iran andauern. Die US-Rüstungsfabriken bauen derzeit 620 Patriot-Raketen pro Jahr - weit weniger, als im Nahen Osten derzeit in nur wenigen Tagen verschossen wird. Die USA wollen die Produktionsrate stark erhöhen.

Um den Nachschub der Ukraine zu sichern, bot Präsident Wolodymyr Selenskij den USA nun einen Deal an. Im Austausch für Patriot-Raketen und Hilfe beim Erreichen eines Waffenstillstandes wolle man ukrainische Spezialisten für Abwehr von Shahed-Kamikaze-Drohnen - die sowohl Russland als auch der Iran zu Tausenden einsetzen - in den Nahen Osten entsenden. 

Start einer Patriot-Luftabwehrrakete

Start einer Patriot-Luftabwehrrakete

Die Ukraine hat weltweit am meisten Expertise bei der Abwehr von Drohnen. Trump signalisierte zusätzlich Interesse an ukrainischen Abfangdrohnen, mit denen Shaheds deutlich effektiver zu bekämpfen sind als mit westlichen Systemen. 

Umgekehrt hilft Russland dem Iran dabei, Vergeltungsschläge durchzuführen - etwa durch die Bereitstellung von Geheimdienstinformationen. Diese enthalten etwa die Standorte von US-Kriegsschiffen. Abgesehen davon könnte Russland dem Iran aber auch mit militärischen Gütern helfen. Bei den Angriffen auf Dubai etwa, war das Wrack einer Geran - der russischen Version der iranischen Shahed-Drohne - gefunden worden. 

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