Iran-Krieg, Tag 21: Neue Angriffswelle auf Teheran, US-Bürger rechnen mit Bodenkrieg

Die Lage im Iran-Krieg bleibt unübersichtlich. Wir versuchen täglich, Ihnen die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden auf einen Blick zusammenzufassen.
Iftar meal during Ramadan, in Tehran

Seit 28. Februar tobt ein neuer Krieg im Nahen Osten. Israel und die USA setzen ihre Luftangriffe gegen den Iran unentwegt fort, der reagiert mit großflächigen Drohnen- und Raketenangriffen auf fast alle Staaten der Region. Dieses Briefing bietet einen Überblick über die wichtigsten Geschehnisse der letzten 24 Stunden in betroffenen Ländern.

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Iran

  • Neue Angriffswelle. Israel hat laut Militärangaben eine neue Angriffswelle auf den Iran gestartet. Diese zielt auf „die Infrastruktur des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran“ ab. Die iranischen Revolutionsgarden teilten unterdessen mit, dass sie trotz der anhaltenden Angriffe keinen Mangel an Raketen haben. „Selbst unter Kriegsbedingungen setzen wir die Raketenproduktion fort“, so ein Sprecher.
    • Warum das wichtig ist: Auch rund drei Wochen nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran ist die Führung in Teheran weiterhin zu Gegenangriffen fähig. Kurz vor dem heutigen Beginn des persischen Neujahrsfestes Norus warnte Irans Außenminister Abbas Araqchi vor einer härteren Reaktion, sollte Israel erneut die iranische Infrastruktur angreifen.

Golfstaaten

  • Gegenangriffe fortgesetzt. In der Nacht griff Teheran erneut mehrere Golfstaaten an. Die kuwaitische Armee musste Raketen- und Drohnenangriffe abwehren. Auch Saudi-Arabien wehrte laut dem Verteidigungsministerium mehrere Drohnenangriffe ab. Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate meldeten auf X ebenfalls die erfolgreiche Abwehr eines Luftangriffs. In Bahrain geriet nach Angaben des Innenministeriums ein Lagerhaus durch herabfallende Trümmer in Brand. Das Feuer sei unter Kontrolle gebracht worden. Es habe keine Verletzten gegeben.
  • Hoher Ölpreis. Laut Angaben von Ölvertretern in Saudi-Arabien könnte der Ölpreis auf über 180 Dollar pro Barrel steigen, wenn die Störungen durch den Iran-Krieg bis Ende April anhalten. Dies berichtet die US-Zeitung Wall Street Journal (WSJ). Vor Beginn des Iran-Krieges hatte ein Barrel noch um die 70 Dollar gekostet.
    • Warum das wichtig ist: Auf den ersten Blick mag das für das Königreich, das noch immer stark von Öleinnahmen abhängig ist, wie eine positive Nachricht klingen. Doch der Schein trügt: Preise auf diesem Niveau könnten eine Rezession oder ein verändertes Konsumverhalten auslösen, das die Nachfrage massiv einbrechen lässt, so das WSJ.

USA

  • Umkämpfte Meerenge. Um die für den internationalen Transport von Öl und Flüssiggas wichtige Straße von Hormus wieder zu öffnen, setzen die USA nach Informationen des Wall Street Journal verstärkt tief fliegende Kampfflugzeuge ein, um iranische Kriegsschiffe zu beschießen. Apache-Kampfhubschrauber seien zudem im Einsatz, um Drohnen abzuschießen, hieß es unter Berufung auf Militärvertreter. Es werde jedoch wahrscheinlich noch Wochen dauern, bis die USA Irans Militäranlagen im Gebiet der Meerenge ausgeschaltet haben.
  • Umfragen. Eine Mehrheit der US-Bürger rechnet mit einem Befehl von Präsident Donald Trump für einen großangelegten Bodenkrieg im Iran, doch nur eine Minderheit befürwortet einen solchen Schritt. Einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zufolge gehen 65 Prozent der Amerikaner davon aus, dass Trump Truppen in den Iran schicken wird. Unterstützung findet diese Vorstellung aber nur bei sieben Prozent der Befragten.
    • Warum das wichtig ist: Diesen Herbst finden in den USA die wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress statt. Ursprünglich war Trump mit dem Versprechen angetreten, die USA als Präsident aus Kriegen und Konflikten herauszuhalten. Der Krieg mit dem Iran könnte für ihn nun zur großen Gefahr werden - vor allem, wenn die Spritpreise in den USA weiter steigen. Insgesamt stimmen der Umfrage zufolge 37 Prozent nur der Amerikaner dem militärischen Vorgehen zu, während 59 Prozent es ablehnen.

Israel 

  • Raketenangriffe aus dem Iran. In der Nacht attackierte die Islamische Republik erneut gleich mehrfach Israel mit Raketensalven. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte zuvor noch laut Times of Israel gesagt: „Der Iran ist schwächer denn je.“ Das Land könne kein Uran mehr anreichern und auch keine ballistischen Raketen mehr herstellen. Die Angriffe auf die Islamische Republik würden dennoch weitergehen, „so lange dies notwendig ist“, sagte Netanjahu. Zuvor hatte Israel das iranische Gasfeld South Pars bombardiert, das der Iran gemeinsam mit Katar nutzt.
    • Warum das wichtig ist. Nach dem Angriff wurden Meinungsverschiedenheiten zwischen  US-Präsident Donald Trump und Netanjahu öffentlich. Trump erklärte, die USA hätten von dem Angriff nichts gewusst. Drei israelische Insider sagten dagegen, der Einsatz sei in Konsultation mit den USA erfolgt, werde aber wahrscheinlich nicht wiederholt. Die USA und Israel haben sich seit Beginn der Angriffe auf den Iran Ende Februar schon öfter widersprochen. Das liegt wohl  an den unterschiedlichen Kriegszielen - und innenpolitischem Druck. So hat einigen Experten zufolge der Krieg Netanjahus politische Position gestärkt. Für Trump bewirke er jedoch das Gegenteil: Er sei in einem Konflikt ohne klaren Ausweg gefangen, setze seine arabischen Verbündeten am Golf wachsenden Risiken aus und untergrabe die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte, die seine Rückkehr ins Amt befeuert habe. 

Europa 

  • EU-Gipfel. Die EU-Länder schließen eine aktive Teilnahme am Krieg in Nahost weiter aus. In ihrer Abschlusserklärung am Donnerstag forderten die Staats- und Regierungschefs einen vorläufigen Stopp von Angriffen auf zivile Infrastruktur. Zudem sprachen sie sich für eine Stärkung der EU-Marinemission Aspides im Roten Meer aus - ohne jedoch den Einsatz auf die Absicherung der Straße von Hormus auszuweiten.
  • Energiepreise. Kurzfristige Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise können vor allem die Mitgliedstaaten selbst ergreifen, was diese größtenteils auch schon getan haben. In ihrer Gipfelerklärung fordern die Staats- und Regierungschefs die EU-Kommission nun auf, „ohne Verzögerung ein Instrumentarium zielgerichteter, befristeter Maßnahmen“ vorzulegen. Zudem soll die Kommission eine Überprüfung des europäischen Emissionshandels (ETS) vornehmen.
    • Warum das wichtig ist: Die Energiepreise sind infolge des Iran-Kriegs bereits stark gestiegen - und werden Experten zufolge auch nach Kriegsende auf höherem Niveau als zuvor bleiben. Grund ist u. a. der iranische Angriff auf Flüssiggasanlagen in Katar: „Im Gasbereich werden uns auch nachhaltig ungefähr 17 bis 20 Prozent des Gases aus dem Land für die nächsten drei bis fünf Jahre fehlen“, sagte der Energieexperte Johanens Benigni am Freitag dem Ö1-Morgenjournal. „Das heißt, die Gaspreise werden auch nicht so entspannt sein, wenn der Krieg vorbei ist.“

Alle aktuellen Entwicklungen im Iran-Krieg

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