Bomben auf den Iran: Netanjahus Spiel, Trumps Risiko

Ohne den Druck aus Israel wären die USA nicht in den Krieg gezogen. Für Trump ist das riskant – Netanjahu will sich so die eigene Zukunft und einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern.
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Wer Benjamin Netanjahus größter Feind ist, daran ließ er nie Zweifel. Im Jahr 1992, damals noch  einfacher Knesset-Abgeordneter, malte er erstmals den „Teufel Iran“ an die Wand. In „drei bis fünf Jahren“ hätten die Mullahs die Bombe, warnte er. Später, als Ministerpräsident, nannte er Ayatollah Ali Khamenei den  „modernen Hitler“, das Regime verglich er mit Nazi-Deutschland.

Ob der Iran heute, 34 Jahre später, tatsächlich kurz vor der Atombombe stand, wird erst die Geschichte klären. Für Netanjahu jedoch war der Schlag gegen seinen Erzfeind so oder so die größte Genugtuung seines politischen Lebens: Er hat es vollbracht, den  „Tyrannen“ Khamenei und seine Führungsriege auf einen Schlag töten zu lassen. Lange genug war er dafür Donald Trump in den Ohren gelegen – sieben Mal war er seit dessen Amtsantritt im Weißen Haus.

Einflüsterer überall

Trump selbst, so berichtet es die New York Times, sei in den vergangenen Wochen eigentlich gegen einen  großen Krieg gegen den Iran gewesen. Doch die Einflüsterer hielten bei ihm Hofe: Tucker Carlson, einst Fox-Moderator und nun Social-Media-Kommentator, war drei Mal binnen eines Monats  bei ihm, um ihn  zu warnen. Zu groß seien die Risiken, wirtschaftlich wie politisch. Durchgesetzt hat sich letztlich aber Netanjahu.

Bis zum Ende durchgeplant dürften aber weder Israel noch die USA den Angriff haben. Beide Politiker konnten  nie glaubhaft begründen, welches strategische Endziel sie verfolgen. Entsprechend flexibel ist auch die Politrhetorik: Am Samstag forderten beide die Iraner noch lautstark auf, die Mullahs zu stürzen. Am Montag wollte die US-Administration von einem Regimewechsel allerdings nichts mehr wissen. Experten verweisen darauf, dass ein tatsächlicher Umsturz Bodentruppen erfordern würde – mit hohen amerikanischen Verlusten. Ein Szenario, das Trump im Wahlkampf vor den Midterms kaum gebrauchen kann. Die steigenden Ölpreise sind Belastung genug.

In Israel geht daher die Angst um, dass  Trump schnell das Interesse an dem Krieg verlieren könnte. Die Erfahrung aus dem Zwölf-Tage-Krieg im Sommer zeigt, dass das durchaus möglich ist:   Damals zwang Trump Netanjahu dazu, seine Kampfjets gleich nach den ersten großen Luftschlägen zurückzuholen – viel zu früh für  die Israelis. Dazu verkündete  Trump auch noch, die iranischen Atomanlagen seien Geschichte. Das erwies  sich bekanntlich als falsch.

Drohender Machtverlust

Dass Netanjahu nun in die Vollen geht, hat gute  Gründe. Auch in Israel stehen im Oktober Wahlen an, sein Likud liegt allerdings weit hinter der Opposition – sein Amt als Premier wäre damit weg. Der Prozess wegen Korruption, der schon seit 2020 gegen ihn läuft, könnte bei einem Machtverlust hingegen an Dynamik gewinnen.

International hat  Netanjahu wenig zu verlieren. Israel hat zwar nach dem Gaza-Krieg versucht, sich global zu rehabilitieren, geglückt ist das bisher aber nicht. Dazu wird Netanjahu nach wie vor vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht – ausliefern würde ihn zwar auch die Opposition nicht, aber sein Radius  ist dadurch beschränkt.

Politologe Yossi Mekelberg vom Thinktank Chatham House spricht deshalb gar von Netanjahus „größtem Spiel“ – das will etwas heißen bei dessen mehr als 30-jähriger Karriere. Auch wenn der Angriff auf den Iran von der Bevölkerung mitgetragen werde, sei das Risiko enorm.  „Sollte dieser Krieg schiefgehen und die Republikaner die Zwischenwahlen  kosten, wird  die Schuld dafür Israel angelastet.“ So spiele Netanjahu auch „mit der langfristigen Sicherheit  seines Landes“, das stark von den USA abhängig ist.

Churchill-Moment

Netanjahu setzt deshalb alles ein, um Trump möglichst lange bei Laune zu halten. Denn selbst wenn der Iran im Chaos versinken würde, wäre das ein Gewinn für ihn: Jeder Feind, der mit sich selbst beschäftigt ist, ist keine Gefahr für Israel. Diesem Prinzip ist Netanjahu auch in  anderen Konflikten gefolgt; der Hamas gestand er jahrelang viele Freiheiten zu, um die konkurrierende Palästinenserbehörde zu schwächen.
Dazu passt, wie  Netanjahu sich  inszeniert. Als er nach  Kriegsbeginn mit Trump telefonierte, lag auf dem veröffentlichten Foto wohl nicht zufällig das  Buch „Allies at War“   am Tisch – es handelt vom  Kampf der Briten, Sowjets und Amerikaner gegen Hitler. Man kann annehmen, dass Netanjahu sich dabei als moderner Churchill sieht.

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