Uran im Iran: US-Spezialeinheiten vor höchst gefährlicher Mission

Der Iran darf nie eine Atombombe haben, fordern die USA. Dafür aber müssten Hunderte Kilo hochangereichertes Uran gesichert werden: Aber wie? Eine US-Militäraktion wäre so riskant wie keine je zuvor.
Kahle Berge und Straßen im Iran

Es wäre die gefährlichste amerikanische Militäroperation im Iran – sollte US-Präsident Donald Trump sie je anordnen: Die Sicherstellung jenes Nuklearmaterials, mit dem der Mullah-Staat Atombomben bauen könnte. Bis zu zehn nukleare Waffen könnte der Iran laut Schätzungen mit dem vorhandenen Material erstellen. Denn in den unterirdischen Lagern und Atomanlagen des Landes sollen mehr als 400 Kilogramm 60 Prozent hochangereichertes Uran und fast 200 Kilogramm 20 Prozent spaltbares Material vorhanden sein.

Immer wieder hatte Trump betont: Der Iran darf niemals eine nukleare Bombe besitzen. Und so hatte er gleich nach Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Mullah-Staat großspurig verkündet: Ein Ziel der Offensive „Epic Fury“ sei es, den Islamischen Gottesstaat so weit kleinzukriegen, dass er nie wieder in der Lage sein würde, Atomwaffen zu bauen.

Tonnen von Beton 

Die bisherigen Angriffe auf die Atomanlagen haben klargestellt: Der Iran reichert derzeit kein Uran mehr an. Doch die 400 Kilogramm hoch angereichertes Uran – sie sind noch da, zum größten Teil begraben unter Tonnen von Schutt und Beton in den unterirdischen Anlagen von Isfahan und Natanz. Dort lagern sie, seit die USA im vergangenen Juni mit bunkerbrechenden Waffen erstmals das Gelände bombardierten.

Karte der iranischen Atomanlagen mit Markierungen für Angriffe, Uranminen und Reaktoren.

  • Das stellt die USA vor die Frage: Soll das hochangereicherte Uran bleiben, wo es ist? Doch auch im Weißen Haus weiß man: Sollte das Mullah-Regime noch nach Ende des Krieges fortbestehen, wäre es möglicherweise entschlossener denn je, eine Atombombe zu bauen. Denn ein Großteil des Wissens, der Erfahrung der Atomwissenschaftler und des Materials wäre ja noch vorhanden.
  • Die andere Option: Das nukleare Material in einer waghalsigen Operation bergen und außer Landes bringen. „Das wäre wohl die größte Spezialeinsatz-Operation der Geschichte“, glaubt der pensionierte Admiral James Stavridis, Ex-Oberbefehlshaber der NATO im Gespräch mit dem Wall Street Journal. Es wäre riskanter als die Entführung von Venezuelas Diktator Maduro heuer im Jänner. Es wäre weitaus gefährlicher als die Tötung von Terrorführer Osama Bin Laden 2011 in Pakistan.

Einsatz mit Bodentruppen 

Nötig wären für solch eine Operation Bodentruppen – und zusätzlich nuklear geschulte Spezialeinsatzkräfte. Laut New York Times planen und üben die USA schon seit Jahren mit ultrageheimen Einheiten das Sprengen von Zentrifugen und den Umgang mit nuklearem Material.

Nur eine der Gefahren bei einem möglichen Iran-Einsatz: Sollten Behälter mit dem hochangereicherten Uran beschädigt werden, könnte radioaktive Strahlung austreten.

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Satellitenaufnahmen der Atomanlage von Isfahan -vor (oben) und nach den jüngsten US-Bombardierungen

Doch bis zu den Behältern müsste die Elitetruppe erst einmal vorstoßen. Zuvor müssten US-Kampftruppen das Gelände um die Anlagen in Isfahan und Natanz so weit freikämpfen, sodass keine iranischen Raketen oder Drohnen mehr angreifen können. Weil auch Bagger und Spezialgeräte herangeschafft werden müssen, um die Betonblöcke wegzukarren, die alle Eingänge in die unterirdischen Anlagen versperren, müssten auch provisorische Flugzeug-Landebahnen gebaut werden.

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Regimeanhänger im Iran protestieren nach der Tötung von Sicherheitschef Larijani durch israelische Bomben

Eine zusätzliche Eingreiftruppe hätte nach Angaben von Militärexperten bereitzustehen, falls weitere Truppen zum Einsatzort geholt werden müssten. Und dabei ist noch nicht einmal klar, ob tatsächlich alle der 400 Kilogramm hochangereichertes Uran in Isfahan und Natanz lagern. Pro Einsatzort wären jedenfalls an die 1.000 Soldaten erforderlich, schätzt Richard Nephew, ehemaliges Mitglied im US-Sicherheitsrat im Gespräch mit dem Wall Street Journal. „Jede dieser Operationen dieser Art wäre sehr umfangreich und sehr kompliziert.“
Aber nicht undenkbar.

Abgelehnte Angebote 

Die Komplikationen sind jedenfalls so groß, dass die USA möglicherweise einen Vorschlag aufgreifen könnten, den Irans Außenminister Abbas Araghchi noch kurz vor Beginn der US-Angriffe präsentiert hatte: Der Iran sei bereit, sagte er, sein 60 prozent-hochangereichertes Uran unter Aufsicht der UN-Atomenergiebehörde (IAEO) herunterzuschmelzen. Angedacht wäre ein Niveau von 3 bis 5 Prozent, wie es für die zivile Nutzung von Atomkraft nötig ist. Von einer Ausfuhr des Uran aber wollte der iranische Chefdiplomat nichts hören: Das Material müsse im Land bleiben.

Davon aber wollten die USA nichts wissen. Der noch vor dem Krieg geäußerte Gegenvorschlag: Das Uran muss weg, die USA würden aber den Iran dauerhaft – und kostenlos! – mit niedrig angereichertem Uran für Atomreaktoren beliefern.

Es kam anders – und so stehen die USA und Donald Trump weiter vor der Frage: Das iranische Uran unter so viel Bomben und Schutt begraben, dass es nie wieder von niemandem geborgen werden kann – oder doch noch Spezialtruppen losschicken. Am Dienstag sagte Trump zu Journalisten: „Bodenoperationen im Iran beunruhigen mich nicht.“ Und Kriegsminister Pete Hegseth pflichtet bei: „Wir behalten uns alle Optionen vor.“

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