Warum der Krieg gegen den Iran nicht so schnell enden wird

Ohne einen langfristig spürbaren Erfolg wird der US-Präsident die Angriffe auf den Iran nicht stoppen. Davon ist aber vorerst noch wenig zu sehen.
Ingrid Steiner-Gashi
Eine Rakete vor einem Flugzeug

Erinnert sich noch jemand an die „Operation Allied Force“? Es war die im Wesentlichen von den USA geführte Militäroperation gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien. Ihr Ziel: Serbiens Militär- und Sicherheitsstrukturen ausreichend zu schwächen, um die ethnischen Säuberungen im Kosovo zu stoppen. 

Zwei Wochen nach Beginn der Bombardierungen, Ende März 1999, wurden die bohrenden Fragen immer lauter: Wann hört das wieder auf? Wann hat die mächtigste Luftwaffe der Welt endlich ihr Ziel erreicht? 

Es dauerte zehn Wochen.

Auch wenn Kriege, ihre Entstehung und ihr Ende so gut wie nie vergleichbar sind, lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit doch eine Parallele ziehen: Auch der Krieg der USA und Israels gegen den Iran wird kaum nächste Woche enden. 

Warum nicht? 

In erster Linie, weil Israel jetzt seine historisch einmalige Chance gekommen sieht, die Zerstörungskraft seines Erzfeindes Iran ein für alle Mal so weit zu dezimieren, dass es nie wieder um sein Überleben fürchten muss.

Dieses Ziel, wenn es denn Premier Benjamin Netanjahu tatsächlich je erreichen sollte, wird Israel aber nicht ohne die militärische Durchschlagskraft der USA anpeilen können. 

Und so wird US-Präsident Donald Trump den Iran noch eine ganze Weile bombardieren lassen, auch wenn der Druck im eigenen Land, die Angriffe ehebaldigst zu stoppen, massiv wird; wenn die Benzin- und Ölpreise weiter steigen; wenn die Inflation in die Höhe schnellt und wenn die bohrenden Fragen immer lauter werden: Wann hört das endlich auf?

Die Märkte beruhigen

Trump mag die Börsen und Ölmärkte vorübergehend beruhigen, wenn er behauptet, der Krieg sei „so gut wie beendet“. Sowohl die USA als auch Israel sind sich einig, dass die Bedrohung durch das iranische Regime beendet werden muss – doch auch in der zweiten Kriegswoche verfügt das Mullah-Regime noch immer über fatale Zerstörungsmöglichkeiten.

Die Angriffe werden also weitergehen, mindestens noch einige Wochen. Denn auch wenn Trump einen – erhofften – Sturz des Mullah-Regimes nicht mit Luftangriffen allein erzwingen wird, kann er seinen Krieg nicht ohne einen langfristig sichtbaren Erfolg beenden: 

Seine Operation „Epische Wut“ muss dem Iran klarmachen, dass dieser nicht nur auf sein Vorhaben, Atomwaffen zu bauen, verzichten muss.

Zudem darf den religiös-ideologischen Fanatikern in Teheran nicht erlaubt werden, den Schluss zu ziehen, dass die Unterbrechung der Öllieferungen über die Straße von Hormus ihr Überlebensrezept für die Gegenwart und die Zukunft ist. 

Ein sofortiger Stopp der Angriffe angesichts der nun aufkommenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten aber wäre ein Sieg für die Mullahs. Das weiß auch Donald Trump – und wird den Krieg vorerst fortsetzen.

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