Irans Sicherheitschef getötet: Wer war Ali Larijani?

Ein ideologischer Pragmatiker und Strippenzieher. Der Sicherheitschef galt seit Jahrzehnten als einer der einflussreichsten Männer im Iran.
FILE PHOTO: Iran's Supreme National Security Council Secretary Ali Larijani speaks after meeting with Lebanese Parliament Speaker Nabih Berri, in Beirut

Seit Jahrzehnten war Ali Larijani einer der einflussreichsten Männer im Iran. Nach der Tötung des Obersten Führers Ali Khamenei am ersten Tag des Krieges baute er seine Macht weiter aus. "Er war der De-facto-Führer des iranischen Regimes", sagte ein Vertreter des israelischen Militärs, der anonym bleiben wollte. Nun erklärte Israel, in der Nacht auf Dienstag auch Larijani mit einem gezielten Angriff getötet zu haben - was Teheran zunächst nicht bestätigte.

Larijani hatte seit Kriegsbeginn eine weitaus sichtbarere Rolle gespielt als der neue Oberste Führer, Mojtaba Khamenei, der seit seiner Ernennung zum Nachfolger seines getöteten Vaters noch nicht in der Öffentlichkeit gesehen wurde. Sicherheitschef Larijani hingegen mischte sich vergangene Woche in Teheran unter Demonstranten, die für die Regierung auf die Straße gingen. Die US-israelischen Angriffe auf sein Land bezeichnete er bei der Kundgebung als Akt der "Angst und Verzweiflung". Bei anderer Gelegenheit verkündete er, der Iran werde sich "um jeden Preis" verteidigen.

Schwerer Schlag für Regime

Sollte sich Larijanis Tod bestätigen, wäre das ein schwerer Schlag für die Herrscher der Islamischen Republik. Denn der 68-Jährige mit dem grauen Bart galt als Schlüsselfigur. Vor allem in den vergangenen zwei Wochen sei er es gewesen, "der die Entscheidungen trifft und die Fäden zieht", beschrieb der israelische Militärvertreter Larijanis Rolle. Er habe auch die Angriffe gegen Israel sowie die Golfstaaten angeordnet.

Larijani verstand es, ideologische Loyalität mit pragmatischer Staatsführung in Einklang zu bringen. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung beim Militär, in den Medien und in der Politik soll er das Vertrauen Ali Khameneis gewonnen haben. 2025, nach dem zwölf Tage andauernden Krieg mit Israel und den USA im Juni, wurde er zum Leiter des Obersten Nationalen Sicherheitsrats ernannt, der die Verteidigungsstrategie des Landes koordiniert und die Atompolitik beaufsichtigt.

Zunehmend auf diplomatischer Bühne präsent

Larijani war zunehmend auf der diplomatischen Bühne präsent, reiste in die Golfstaaten und traf im Jänner den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau, während Teheran Atomverhandlungen führte, die durch den Krieg ein abruptes Ende fanden. "Larijani ist ein echter Insider, ein geschickter Stratege, der mit den Abläufen des Systems vertraut ist", beschrieb ihn Iran-Experte Ali Vaez von der Denkfabrik International Crisis Group vor Beginn des Krieges. "Er spielt eine wichtigere Rolle als die meisten seiner Vorgänger."

Larijani kam 1957 im irakischen Najaf zur Welt. Sein Vater war ein prominenter schiitischer Kleriker, der dem iranischen Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini nahestand. Seine Familie übt seit Jahrzehnten Einfluss auf Irans politisches System aus. Er promovierte an der Universität Teheran in westlicher Philosophie.

Während des Iran-Irak-Kriegs in den 1980er Jahren kämpfte er in den Reihen der mächtigen Revolutionsgarden. Ab 1994 war er zehn Jahre Chef des staatlichen Rundfunks, 2005 bis 2007 leitete er die Verhandlungen mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland über das iranische Atomprogramm. 2008 bis 2020 war er Präsident des Parlaments.

2005 trat Larijani bei der Präsidentschaftswahl an, unterlag jedoch dem populistischen Kandidaten Mahmoud Ahmadinejad, mit dem er sich später über die Atomdiplomatie stritt. 2021 und 2024 wurde er von der Kandidatur ausgeschlossen. Die Ambitionen auf das Amt habe er jedoch nie aufgegeben, sagte Vaez.

Kurswechsel in Teheran

Beobachter sahen in seiner Rückkehr an die Spitze des Sicherheitsrats ein Zeichen für einen Kurswechsel in Teheran hin zu mehr Pragmatismus. Larijani befürwortete Verhandlungen mit dem Westen - aber nur zum iranischen Atomprogramm. Er unterstützte das bahnbrechende Atomabkommen von 2015, das US-Präsident Donald Trump drei Jahre später mit dem Austritt der USA zunichte machte.

Nach der brutalen Unterdrückung der Massendemonstrationen im Jänner belegte Washington Larijani mit Sanktionen. Zwar räumte er wirtschaftliche Schwierigkeiten ein, welche die Proteste auslösten. Für den Gewaltexzess mit mutmaßlich tausenden Toten machte Larijani jedoch die angebliche Einmischung der USA und Israels verantwortlich.

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