Politik | Ausland
03.12.2017

Irak: Noch 3.000 Yeziden in IS-Gefangenschaft

Nur die Hälfte aller 2014 Entführten konnte fliehen oder wurde befreit.

Mehr als 3.000 Yeziden, die vor drei Jahren von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Nordirak entführt worden sind, werden noch immer gefangen gehalten oder vermisst. Von den insgesamt rund 6.400 entführten Yeziden habe nur etwa die Hälfte befreit werden oder fliehen können, teilte das Ministerium für religiöse Angelegenheit im irakischen Kurdengebiet am Sonntag mit.

Unter den Gefangenen seien mehr als 1.500 Frauen und Mädchen sowie 1700 Männer und Buben, erklärte Chairi Bosani vom Ministerium. Mehr als 2.500 Kinder hätten mindestens ein Elternteil verloren, in den meisten Fällen handle es sich um den Vater. Die Eltern von 220 Kindern befinden sich demnach noch in IS-Gefangenschaft.

Hunderttausende Yeziden haben Irak verlassen

Der IS hatte 2014 tausende Yeziden in der Region Sinjar getötet. Laut Bosani haben von 550.000 Yeziden im Irak 100.000 das Land verlassen, 360.000 leben inzwischen in der Kurdenregion im Irak oder in Syrien.

Erst am Samstag hatte das paramilitärische schiitische Bündnis Hashed al-Shaabi zwei Massengräber in der Sinjar-Region entdeckt. In dem Dorf Kabussi im Süden Sinjars entdeckte es demnach ein Massengrab mit den Leichen von 20 Frauen und etwa 40 Kindern. In dem Wohnkomplex Jazira in derselben Gegend seien weitere 80 Leichen gefunden worden.

2015 hatten kurdische Truppen die vom IS kontrollierte Stadt Sinjar zurückerobert und den IS aus der gleichnamigen Region vertrieben. Im Oktober übernahmen irakische Regierungstruppen wieder die Kontrolle über das Gebiet.

Massengräber

Insgesamt wurden Behördenvertreter Bosani zufolge in verschiedenen Bereichen der Yezidenregion seitdem 47 Massengräber gefunden, 68 religiöse Gebäude der Yeziden seien zerstört worden.

Die Yeziden glauben an einen einzigen Gott. Im Zentrum ihres Glaubens steht der Engel Melek Taus. Weil Islamisten in dem Engel eine Dämonenfigur sehen, halten sie die Yeziden für "Teufelsanbeter".