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Analyse
05/17/2020

Innerkatholischer Richtungsstreit: Warum es in der Kirche gärt

15 Jahre nach dem Tod von Johannes Paul II. gehen die Positionen der Kardinäle und Bischöfe weit auseinander.

von Rudolf Mitlöhner

Fünfzehn Jahre sind seit dem Tod von Johannes Paul II. vergangen – und so sehr sich vieles aus seinem Pontifikat dauerhaft eingeprägt hat, wirkt seine Zeit doch unendlich weit weg. Selbst der Rückzug seines Nachfolgers Benedikt XVI. vor sieben Jahren scheint eine kleine Ewigkeit zurückzuliegen.

Papst Franziskus hat vieles, nicht zuletzt in Stil und Symbolik, verändert. Inhaltlich gibt es gleichwohl eine große Kontinuität zu seinen Vorgängern – insbesondere dort, wo sich gerade deren Kritiker Reformen gewünscht und erwartet hätten.

Das betrifft die sogenannten „heißen Eisen“, also die immer gleichen Fragen der Zulassungsbedingungen zum Weiheamt: Weder beim Zölibat noch in der Frauenfrage sind – auf Basis seiner bisherigen Positionierungen – von Franziskus Änderungen zu erwarten.


Aber auch theologisch bzw. in Glaubensfragen wird man keinen Bruch zur Tradition feststellen können; in manchem formuliert Franziskus sogar wieder ein Stück „konservativer“, etwa wenn er ganz unverblümt vom „Teufel“  spricht.

Erst im Rückblick späterer Jahre wird sich weisen, ob sein Pontifikat stärker als eines des Bruchs oder der Kontinuität wahrgenommen wird.

Was sich indes jetzt schon sagen lässt, ist, dass es in der katholischen Kirche, genauer gesagt: unter den Kardinälen und Bischöfen, gärt wie schon lange nicht.

In manchen Causen spielt auch der emeritierte Papst eine Rolle, gewollt oder ungewollt. Wie Anfang des Jahres bei dem Verwirrspiel um einen Beitrag Benedikts zu einem Buch von Kardinal Robert Sarah zum Thema Zölibat.

Umstrittener Aufruf zur Corona-Krise

Aktuellstes Beispiel für den schwelenden innerkatholischen Richtungsstreit ist ein Aufruf von Erzbischof Carlo Maria Viganò, des emeritierten Nuntius in den USA, der zu den schärfsten Gegnern Franziskus’ zählt. Unter dem Titel „Die Wahrheit wird euch frei machen“ wird darin, mit teils verschwörungstheoretischen Anklängen, den weltweiten Anti-Corona-Maßnahmen letztlich eine antichristliche Agenda unterstellt.

Dass sich davon auch durchaus als konservativ bekannte Bischöfe – wie etwa Kardinal Sarah – distanzierten, zeigt, dass die Frontlinien nicht immer den klassischen Zuschreibungen folgen.

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