© APA/AFP/LUDOVIC MARIN

Politik Ausland
07/13/2021

In Europa geht bei Corona wieder jeder seinen eigenen Weg

Es gibt Lockerungen in Großbritannien, Verschärfungen in Frankreich, Reue in den Niederlanden und Durcheinander in Spanien

von Konrad Kramar

Die Ankündigung wirkte deutlich rascher als die Impfung selbst. Kaum hatte Frankreichs Präsident Emanuel Macron seinen Landsleuten am Montagabend mitgeteilt, dass die Corona-Maßnahmen erneut verschärft würden, nahmen die schon Kurs auf die Impfstationen. Eine Million Anmeldungen verzeichnete man dort innerhalb eines Tages.

Impfpflicht in Frankreich

Macron hatte als erster europäischer Staatschef das durchgesetzt, wovor man anderswo noch zurückschreckt: eine Impfpflicht, vorerst einmal nur für alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen. In Frankreich aber diskutiert man bereits offen über die verpflichtende Impfung für alle. Zumindest über die Hintertür könnte man sich einer Impfpflicht nähern: Die für viele Bereiche des öffentlichen Lebens notwendigen PCR-Tests sollen kostenpflichtig und voraussichtlich empfindlich teuer werden. Ähnliches wird auch in Deutschland angedacht, zumindest will die Bundesregierung laut ersten Stellungnahmen über derartige Maßnahmen „nachdenken“. Dagegen bleibt eine tatsächliche Impfpflicht tabu, das machte Kanzlerin Merkel gleich nach Macrons TV-Auftritt deutlich. Auch neue Beschränkungen des öffentlichen Lebens sind derzeit nicht geplant.

Öffnungskurs bleibt

In Italien gibt es bereits eine Impfpflicht für Ärzte und Krankenschwester. Griechenland will in den nächsten Wochen nachziehen.

Auch in Großbritannien bleibt man trotz über Wochen stark gestiegener Infektionszahlen weiterhin auf Öffnungskurs. Ab 19. Juli soll es so gut wie keine Einschränkungen mehr geben, auch nicht in Nachtlokalen oder bei Sportevents. „Es ist der richtige Zeitpunkt, um wieder so nah wie möglich an ein normales Leben zu kommen“, sagte Gesundheitsminister Sajid Javid.

Reue in den Niederlanden

Eine klare Kehrtwende hin zu neuen Verschärfungen vollziehen die Niederlande. Es gibt ab sofort wieder striktere Sperrstunden für Bars, Restaurants und Nachtklubs. Außerdem hat man bereits geplante Musikfestivals und andere Großereignisse wieder verboten. Premierminister Mark Rutte gestand persönlich ein, dass seine Regierung die Lage „falsch eingeschätzt“ habe: „Wir bereuen das und entschuldigen uns dafür.“

Durcheinander in Spanien

Gerade in Spanien schießen die Infektionszahlen derzeit besonders dramatisch in die Höhe. Statt einer landesweiten Strategie gehen die einzelnen Regionen wieder ihren eigenen Weg. Als erster vorgeprescht ist die Provinz Valencia. Dort gibt es in allen größeren Gemeinden inzwischen wieder strikte Ausgangsbeschränkungen. Auch auf den Kanarischen Inseln sind solche schon für die nächsten Wochen geplant. In Katalonien verlegt man die Sperrstunde wieder auf Mitternacht vor, für Großveranstaltungen gelten wieder massive Zugangsbeschränkungen.

Die Schweden sind in der Pandemie einen Sonderweg gegangen und bleiben dabei. Bei Veranstaltungen sind wieder mehr Teilnehmer erlaubt. Restaurants dürfen länger geöffnet bleiben, mehr Gäste dürfen an einem Tisch sitzen. Die Empfehlung, in den Öffis Mundschutz zu tragen, wurde zurückgezogen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.