Politik | Ausland
10.07.2018

Höhlendrama: Tränen der Freude nach der Rettung

Die Rettung der 13 Eingeschlossenen hat die ganze Welt bewegt. Sie war kraftraubend und nervenzehrend, ein Taucher starb.

Am 17. Tag des Höhlendramas von Thailand ging ein tiefes Aufatmen durch die Welt. Alle zwölf Buben und ihr Trainer sind gerettet. Das Schicksal dieser uns unbekannten Buben hat niemanden kalt gelassen. „So wie die 2010 für 69 Tage eingeschlossenen chilenischen Bergarbeiter zum Symbol für jeden Ehemann, Vater oder Bruder wurden, wurden diese zwölf thailändischen Buben zum Symbol für jedes Kind oder Enkelkind“, brachte es die BBC auf den Punkt.

Sogar Donald Trump zeigte Anteilnahme, weil er instinktiv weiß, was Menschen bewegt. „Great Job“, schrieb er auf Twitter. „Großartiger Job“.

Die Rettungstaucher sind glücklich und total erschöpft. Viele Soldaten weinten. Vor Glück, vor Erleichterung? Wer weiß das schon. Sie waren an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils gut elf Stunden mit der Bergung beschäftigt gewesen. Und das war oft technische Höchstleistung. Als Orientierung diente ein nur acht Millimeter dünnes Seil.

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WM-Finale im Spital

Den geretteten Jugendlichen wurde am Dienstag mitgeteilt, dass sie das WM-Finale der Fußballweltmeisterschaft am Sonntag nicht in Moskau, sondern in der Klinik verfolgen müssen. Chefarzt Dr. Jessada Chokdamrongsuk vom Chiangrai Prachanukroh Hospital ist mit dem Gesundheitszustand der Burschen recht zufrieden. Keiner der Geretteten habe Fieber.

Allerdings: Zwei Jugendliche hätten einen Infekt an der Lunge, bei einem Kind waren die Herztöne einen Tag nach seiner Rettung am Montag noch nicht in Ordnung. Der Doktor macht auf streng: Die Buben, die bereits nach gebratenem Schweinefleisch verlangt hatten, bekamen am Dienstag erst einmal ein bisschen Schokolade zu essen. Sie müssen noch Diät halten, da ihre Mägen nach neun Tagen fasten und dann von den Tauchern gebrachter Gel-Nahrung noch der Schonung bedürfen.

Die Kinder bleiben vorläufig zu ihrem eigenen Schutz in Quarantäne. Ihre Eltern durften sie bisher nur durch eine Glasscheibe sehen.

An der Rettungsaktion für das U-16-Team Moo Pah (deutsch: „Wildschweine“) waren 1000 Helfer beteiligt und mindestens 19 Spezialtaucher aus aller Welt. Das Fußballteam war am 23. Juni bei einem Ausflug in die Höhle von den Wassermassen überrascht worden. Erst nach neun Tagen, in denen es keinerlei Lebenszeichen gab, wurden die Burschen und ihr Trainer von britischen Höhlentauchern entdeckt. Die Rettung wurde dann zu einem Kampf gegen Wetter und Zeit.

In Südostasien ist gerade Monsun-Saison. Die ganze Zeit drohte, dass das Wasser in der Höhle so schnell steigt, dass die Hilfsaktion abgebrochen werden muss. Deshalb wurde auch darüber nachgedacht, Tunnel in die Tiefe zu bohren. Dabei kam es am Samstag im Schlamm zu einem Autounfall – mit mehreren zum Teil schwer Verletzten.

In der Region im Norden Thailands, an der Grenze zu Myanmar, gab es auch am Dienstag wieder heftige Regenfälle. Dann brannte plötzlich die Sonne vom Himmel herab.

Auch Experten, darunter amerikanische Navy Seals, von denen man sagt, dass sie die härteste Eliteeinheit der Welt seien, hielten es für unmöglich, dass man die Jugendlichen aus der Höhle würde tauchen können.

© Bild: REUTERS/TYRONE SIU

Riesenfreude im Netz

„Stell dir vor, es ist Fußball-WM und alle reden nur über eine Mannschaft“ – die Freude über die Befreiung der Buben aus der Höhle ist groß. Nicht nur bei den Eltern und Rettungskräften, sondern auch in den sozialen Netzwerken. Im Minutentakt schrieben Nutzer der Internetplattform Twitter darüber, wie erleichtert sie über die geglückte Rettungsaktion seien.

Unter dem Hashtag „ThaiCaveRescue“ wurden neben zahlreichen Glückwünschen auch Bilder und sogar Comics geteilt. Während einige der Nutzer bekannt gaben, „sich schon auf den Film zu freuen“, zeigten sich andere wieder gesellschaftskritischer. „Wie schön wäre es, wir würden uns alle genauso über die Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer freuen“, schrieb ein Nutzer. Oder: „Warum braucht es immer so schlimme Ereignisse, damit wir Menschen an einem Strang ziehen?“ Viele teilten auch ein Foto des verstorbenen Tauchers und bedankten sich bei den Rettungskräften für ihren Einsatz. Und dann: „Thailand freut sich, dass das Fußballteam vor dem Halbfinale draußen ist.“

Bei den ersten beiden Tauch-Aktionen am Sonntag und Montag waren bereits acht Buben gerettet worden, jeweils in Vierer-Teams. Am Dienstag begann der Einsatz um 10.08 Uhr (5.08 MEZ). Dabei wurde auch das jüngste, erst elfjährige Kind gerettet. Es trägt übrigens den Spitznamen „Titan“. Das Kind passierte als vorletztes die gefährlichste Stelle, die nur 38 Zentimeter breit ist, und wo die Taucher nur ohne Flaschen durchkommen.

„Das ist Stress, purer Stress“, beschrieb es ein Höhlentaucher, der auf ntv regelrecht mitzitterte, als die ersten positiven Berichte über die Rettung eintrudelten.

© Bild: AP/ap

Manchester lädt ein

Als erster internationaler Fußballklub schickte Manchester United den geretteten Buben für die kommende Saison eine Einladung nach Old Trafford. Und der Premierminister versprach ihnen einen Badeurlaub in Pattaya.

Die thailändische Spezialeinheit der Navy Seals, die am Rettungseinsatz maßgeblich beteiligt war und vor allem Leitungen und Depots in der Höhle anlegte, freute sich auf Facebook über den glücklichen Ausgang der Aktion: „Wir wissen nicht, ob es ein Wunder ist oder Wissenschaft.“ Unter den ersten Gratulanten war übrigens die isländische Regierungschefin, alle anderen folgten.

Als der letzte Hubschrauber von der Höhle Richtung Spital abhob, legten einige Soldaten einen Freudentanz im Schlamm hin. Applaus brandete auf. Viele weinten.