"Ich weiß nicht, wie oft ich es noch sagen muss: Ich habe Epstein nicht gekannt"

Monatelang wehrten sich Hillary und Bill Clinton gegen ein Anhörung im Fall Epstein. In der Nacht auf Freitag stellte sich die ehemalige First Lady nun als erste den Fragen des Ausschusses.
"Ich weiß nicht, wie oft ich es noch sagen muss: Ich habe Epstein nicht gekannt"

Mehr als sechs Stunden lang stellte sich Hillary Clinton am Donnerstag den Fragen des US-Kongresses. Sechs Stunden, in denen die ehemalige First Lady vor allem eine Antwort wiederholte: "Ich weiß nicht, wie oft ich sagen musste: Ich habe Jeffrey Epstein nicht gekannt. Ich bin nicht auf seiner Insel gewesen. Ich bin nie bei ihm zu Hause gewesen. Ich bin nicht in seinen Büros gewesen", so schilderte es Clinton nach ihrer Anhörung der Presse. 

Am Ende sei sie sogar nach Ufos und Verschwörungstheorien befragt worden.

Denn die Anhörung hatte - ungewöhnlich, und entgegen Clintons Winsch - unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Transkripte von der Befragung werden zwar veröffentlich werden, das wird jedoch noch dauern. 

In einem in den sozialen Medien schriftlich verbreiteten ausführlichen Eröffnungsstatement hatte Clinton zuvor erklärt, sie sei weder mit Epstein geflogen noch habe sie seine Privatinsel oder andere Anwesen besucht.

Sie erinnere sich generell an keine konkreten Begegnungen mit dem 2019 in Haft verstorbenen Finanzinvestor und könne keine zusätzlichen Informationen zu den Ermittlungen beitragen. 

Die Befragung vor einem Untersuchungsausschuss des US-Repräsentantenhauses ist Teil einer politischen Aufarbeitung des Missbrauchs- und Sexhandelsnetzwerk Epsteins. 

Sie fand am Donnerstag hinter verschlossenen Türen in Chappaqua, einer Gemeinde im US-Bundessaat New York, in der sie mit ihrem Mann, Ex-Präsident Bill Clinton lebt, statt. Die Clintons hatten eine Aussage zuvor monatelang verweigert.

Der republikanisch geführte Ausschuss unter Vorsitz von James Comer hatte daraufhin ein Verfahren wegen Missachtung des Kongresses angestoßen, woraufhin die Clintons schließlich einer persönlichen Befragung zugestimmt hatten. Demokraten werfen Comer vor, ein politisch motiviertes Verfahren zu betreiben. 

Kampf gegen Sexhandel kein "politisches Schlagwort"

In ihrem Statement hob Hillary Clinton ausführlich ihr langjähriges Engagement gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung hervor. Als Senatorin und später als Außenministerin sei die Unterstützung internationaler Programme zur Bekämpfung von Sexhandel und die Stärkung von Opferschutzinitiativen zentrales Anliegen ihrer Arbeit gewesen, nicht nur ein "politisches Schlagwort". Die Regierung von US-Präsident Donald Trump habe hingegen beim Schutz von Betroffenen Rückschritte gemacht. Sie warf den Republikanern vor, mit der jetzigen Befragung von dem Umgang mit den sogenannten Epstein-Akten ablenken zu wollen. 

Spannender dürfte die Aussage ihres Mannes werden. Bill Clinton kommt - im Gegensatz zu Hillary - mehrmals in den Epstein-Akten vor. Fotos zeigen den Ex-Präsidenten beim Schwimmen im Pool mit Epsteins Vertrauter Ghislaine Maxwell
oder bei Reisen mit Epstein. Wobei die Fotos weder auf illegale noch auf unzulässige Handlungen hinweisen.

Comer hatte vor der Vernehmung Clintons gesagt: "Niemand beschuldigt die Clintons zum jetzigen Zeitpunkt eines Fehlverhaltens. Sie werden ein faires Verfahren bekommen, aber wir haben viele Fragen."

Epstein hatte über Jahre einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Der New Yorker Finanzier verfügte über beste Kontakte in Politik, Wirtschaft und High Society im In- und Ausland. Er starb 2019 in einer Gefängniszelle. Seine langjährige Vertraute und Komplizin Ghislaine Maxwell verbüßt eine Haftstrafe wegen Sexhandels. 

Comer betonte vor Beginn der Befragung, derzeit werde den Clintons kein Fehlverhalten vorgeworfen. Man wolle klären, wie Epstein zu Einfluss und Reichtum gekommen sei und welche Netzwerke ihn geschützt hätten. Trump unterzeichnete im November 2025 ein vom Kongress mit großer Mehrheit beschlossenes Gesetz zur Veröffentlichung der Epstein-Akten, nachdem er sich zuvor lange gegen eine Freigabe ausgesprochen hatte. Immer wieder lenkte der Republikaner die Aufmerksamkeit auf Bill Clinton und behauptete ohne Belege, dieser habe Epsteins Privatinsel besucht. Die Clintons weisen das zurück. Bill Clinton soll am Freitag ebenfalls hinter verschlossenen Türen aussagen.

Foto sorgt für Unterbrechung

Die Befragung wurde zu Beginn kurz unterbrochen, nachdem der rechtsgerichtete Kommentator Benny Johnson ein Foto aus dem Raum in den sozialen Medien veröffentlicht hatte. Clintons Berater Nick Merrill sagte Medienberichten zufolge, es werde geprüft, wie das Bild nach außen gelangen konnte und ob dabei Hausregeln verletzt wurden. 

Auch das Justizministerium selbst steht unter Druck. Demokratische Abgeordnete prüfen, ob im Zuge der Veröffentlichung der Millionen Seiten umfassenden Akten FBI-Vernehmungsprotokolle oder andere Dokumente - darunter Unterlagen zu Vorwürfen gegen Trump - zurückgehalten wurden. Das Ministerium bestreitet dies und erklärte, es seien lediglich doppelte, privilegierte oder laufende Ermittlungen betreffende Dokumente nicht veröffentlicht worden. Sollten Unterlagen irrtümlich falsch gekennzeichnet worden sein, würden sie nach Prüfung veröffentlicht. Trump bestreitet jegliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Epstein. 

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