Epstein-Skandal: Mathematiker Nowak legt ÖAW-Mitgliedschaft zurück

Die ÖAW nimmt den Austritt des Biomathematikers Martin Nowak "zur Kenntnis".
++ ARCHIVBILD ++ EPSTEIN - UNIVERSITÄT HARVARD BEURLAUBTE ÖSTERREICHER: NOWAK

Zusammenfassung

  • Biomathematiker Martin Nowak legt wegen Epstein-Verbindung seine ÖAW-Mitgliedschaft nieder und wurde von Harvard freigestellt.
  • Die ÖAW setzte ein Ethikkomitee zur Überprüfung der Vorwürfe ein, das kurz vor Abschluss seiner Untersuchung stand.
  • Neue Epstein-Akten führten zu erneuten Untersuchungen an Harvard und zur Überprüfung der Mitgliedschaft von Nowaks Doktorvater Karl Sigmund.

Der österreichische Mathematiker Martin Nowak kommt einem möglichen Ausschluss aus der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zuvor und legt seine Mitgliedschaft per sofort zurück. Das teilte die ÖAW, die ein Ethik-Komitee zur Überprüfung der Vorwürfe im Zusammenhang mit dem US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein eingesetzt hat, in einer Aussendung mit. Nowak war zudem wegen seiner Epstein-Verbindung von der US-Eliteuniversität Harvard freigestellt worden.

Ins Rollen gekommen ist die Angelegenheit nach Bekanntwerden von neuen Informationen nach Veröffentlichung von Millionen Epstein-Akten durch das US-Justizministerium. Die ÖAW hatte daraufhin ein Ethikkomitee eingesetzt, das die Anschuldigungen auf Basis der öffentlich vorliegenden Informationen sowie einer Anhörung überprüfen und bis Mitte April eine Empfehlung abgeben sollte. Laut ÖAW stand das Komitee bereits kurz vor dem Abschluss seiner Untersuchung. Die ÖAW nimmt den Austritt Nowaks, der laut Geschäftsordnung der Akademie nach zehn Tagen rechtskräftig wird, "zur Kenntnis".

Häufige persönliche Kontakte mit Epstein

Nowak hatte häufige persönliche Kontakte mit dem New Yorker Multimillionär, der ihm großzügige Spenden für seine Forschung zukommen ließ und ihn auch in seinem Testament bedachte. Epstein, der 2019 in Haft starb, soll zahlreiche junge Frauen, darunter auch Minderjährige, sexuell missbraucht und zum Teil an Bekannte weitergegeben haben. Er hatte ein weit verzweigtes internationales Netzwerk geknüpft und regelmäßigen Kontakt zu zahlreichen prominenten Personen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gehabt.

Kein Ausschluss seit der Nachkriegszeit

Seit der Nachkriegszeit hat es laut ÖAW keinen Fall eines Ausschlusses eines Mitglieds gegeben. Die Entscheidung sollte unmittelbar nach Vorliegen der Empfehlung des Ethikkomitees im April erfolgen. Laut ÖAW-Satzung kann "die Gesamtsitzung bei Anwesenheit von zwei Dritteln der in § 6 Abs. 1 lit. a der Satzung angegebenen Gesamtzahl der wirklichen Mitglieder nach Empfehlung einer zur Begutachtung und Beratung des Falles eingesetzten Kommission nach Anhörung des betroffenen Mitglieds dessen Ausschluss beschließen".

Weiter aufrecht ist die Überprüfung der Mitgliedschaft von Nowaks Doktorvater, dem Mathematiker Karl Sigmund, der die ÖAW von sich aus um eine Überprüfung ersucht hat. Der ORF hatte von einem Zusammentreffen von Epstein und Sigmund im September 2018 in New York und im März 2019 in Wien berichtet. Gegenüber ORF Wissen gab Sigmund an, er habe Epstein getroffen, weil er sich "ein persönliches Bild machen wollte".

Harvard prüft zum zweiten Mal

Martin Nowaks enge Verbindungen zu Epstein waren bereits vor einigen Jahren Gegenstand von Untersuchungen seitens der US-Eliteuniversität Harvard, an der der Österreicher seit über 20 Jahren tätig ist. Im Jahr 2021 wurden ihm ob der auch für das auf Mäzenatentum ausgerichteten US-Wissenschaftssystem ungewöhnlich starken persönlichen Verbindungen zu Epstein Auflagen erteilt, die dann im Jahr 2023 wieder aufgehoben wurden.

Die in den vergangenen Monaten vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten hätten neue Informationen über den Biomathematiker zutage treten lassen, hieß es seitens der US-Elite-Uni, sodass eine formelle interne Untersuchung veranlasst wurde. Sie soll klären, ob Nowak die Vorgaben und Standards der Universität verletzt habe. In bisherigen Medienberichten hatte Nowak stets betont, er sei von der Universität dazu gedrängt worden, Epstein-Gelder für akademische Unternehmungen zu lukrieren.

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