Politik | Ausland
30.04.2017

"Donald Trump ist nicht Ronald Reagan"

Die aus Österreich stammende engste Mitarbeiterin Ronald Reagans wehrt sich gegen Vergleiche. Und schenkt den USA als Beweis zwei handgeschriebene Reden ihres Chefs.

Ronald Reagan hat als US-Präsident Hunderte Reden gehalten, die meisten wurden von seinen Redenschreibern verfasst. Zwei waren ihm aber so wichtig, dass er sie selbst geschrieben hat – und zwar mit der Hand. Die beiden Reden sind im Besitz seiner engsten Mitarbeiterin Helene von Damm, die sie kommende Woche der " Ronald Reagan Presidential Library" in Kalifornien zur Verfügung stellt. Dass das gerade jetzt geschieht, hat einen besonderen Grund.

"Es stört mich sehr", sagt die gebürtige Österreicherin, "dass Donald Trump immer wieder mit Reagan verglichen wird. Das ist ungerecht, denn Reagan war ein großer Präsident" – und als Beweis dafür übergibt sie die beiden Reden der "Reagan Library", einem großen Museum, in dem sein politischer und persönlicher Nachlass aufbewahrt wird.

Live im Weißen Haus

Helene von Damm ist diese Woche von Wien in die USA geflogen, mit den beiden handgeschriebenen Reden im Handgepäck, die der 40. Präsident der Vereinigten Staaten am Beginn seiner Regierungszeit gehalten hat. Die erste Rede richtete er am 5. Februar 1981 live aus dem Weißen Haus via Fernsehen "an die Nation". Sie ist 20 handgeschriebene Seiten lang. Die zweite, acht Seiten lange Rede mit dem Titel "Programm zur Konjunkturerholung" hielt er am 18. Februar 1981 im Kongress.

Wie ist Helene von Damm zu diesen Reden gekommen?

"Die meisten Ansprachen wurden in den Büros seiner Redenschreiber verfasst und blieben dann in dieser Abteilung. Da er die beiden, ihm so wichtigen Reden auf seinem Feriensitz in Camp David selbst geschrieben hat, hat er sie mir gegeben, damit ich sie von einer Sekretärin abtippen lasse. So kamen die Reden zu mir, und als jetzt in verschiedenen Medien die Vergleiche mit Trump auftauchten, fielen sie mir wieder ein, und da habe ich sie aus meinem Safe geholt."

Reden als Geschenk

Die 28 handschriftlichen Seiten Ronald Reagans hätten bei einer Versteigerung mehrere hunderttausend Dollar erzielt – Helene von Damm war es aber wichtig, dass sie dort landen, wo sie hingehören: in der "Reagan Library", der sie die Dokumente als Geschenk überlässt. Jedem US-Präsidenten ist eine eigene Bibliothek gewidmet, die "Reagan Library" ist die größte ihrer Art, in ihr befinden sich neben Archiv und Bibliothek auch ein Stück der Berliner Mauer, eine Nachbildung des Oval Office und in einem riesigen Pavillon die "Air Force One", jenes Flugzeug, das Reagan zur Verfügung stand. Nur einige Briefe und private Erinnerungsstücke behält sie sich."Es geht mir um Reagans Reputation", erklärt Helene von Damm. "Die Vergleiche mit Trump sind lächerlich, Reagan wird vorgehalten, Schauspieler gewesen zu sein, dabei vergisst man, dass er vor seiner Präsidentschaft ein erfolgreicher Gouverneur in Kalifornien war, der Schauspielergewerkschaft vorstand und politische Kolumnen schrieb. Er hatte nicht nur gute Berater, wie oft gesagt wird. Nein, er war selbst ein großer Politiker."

Tatsächlich zählt Reagan laut einer Umfrage unter US-Historikern neben George Washington, Abraham Lincoln und Franklin D. Roosevelt zu den wichtigsten Präsidenten der US-Geschichte. Wohl weil er, gemeinsam mit Michail Gorbatschow, maßgeblich zum Fall des Eisernen Vorhangs beigetragen hat.

Die erste Rede

"Ich muss Ihnen leider sagen", erklärte Reagan in seiner Rede am 5. Februar 1981, "dass wir uns in der ärgsten wirtschaftlichen Lage seit Jahrzehnten befinden". Er versprach in dieser Rede, das Rekorddefizit seines Vorgängers Jimmy Carter durch Einsparungen zu verringern und die Wirtschaft durch Steuererleichterungen zu sanieren. Beides ist zwar nicht wirklich gelungen, aber Reagan verstand es, die Stimmung im Land umzudrehen, was die Wirtschaft zumindest vorübergehend ankurbelte.Wenn Helene von Damm von ihrer Karriere an Reagans Seite erzählt, hört sich das wie ein Märchen an: Das kleine Mädchen aus Ulmerfeld bei Amstetten begann als Hilfsschreibkraft in Wien, die in einem ungeheizten Untermietzimmer mit Bassena und Klo am Gang wohnte, ehe sie in die USA auswanderte und es dort zur Beraterin des Präsidenten und Personalchefin im Weißen Haus brachte."Ich war auch in den USA zuerst Sekretärin", sagt sie. "Doch als ich 1965 in Chicago eine Rede Ronald Reagans hörte, war ich so fasziniert, dass ich mich um eine unbezahlte Stelle in seinem Wahlkampfteam bewarb. Er bereitete damals seine Kandidatur als Gouverneur von Kalifornien vor."

Später wurde sie seine persönliche Sekretärin, und 1981 nahm er sie ins Weiße Haus mit. "Er hat mich in all den Jahren nie enttäuscht. Wenn man so nahe zusammenarbeitet, sieht man auch die Schwächen eines Menschen. Wenn er eine hatte, war es die, es in seiner Gutmütigkeit zuzulassen, dass sich seine Frau Nancy in allzu vieles einmischte. Das ging soweit, dass er bestimmte Termine nur nach Absprache mit einer Astrologin wahrnehmen durfte." Doch mit Trump sei Reagan nicht vergleichbar, "er war verlässlich und paktfähig, hatte politikerfahrene Mitarbeiter. Reagans Persönlichkeit hatte Substanz, und er war im Gegensatz zu Trump ein Gentleman, der der kleinsten Kaffeeserviererin die Tür aufhielt. Natürlich war auch Reagan konservativ, aber in einem gemäßigten Sinn, er würde Obamacare nicht abschaffen, sondern verbessern, er würde den Umweltschutz nicht negieren, sondern pragmatisch damit umgehen."

Österreichische Note

Helene von Damm wird die beiden Reden am Mittwoch der "Ronald Reagan Presitential Library" in der Nähe von Los Angeles übergeben, wo sie – das hat sie zur Bedingung gemacht – "so präsentiert werden, dass kein Besucher an ihnen vorübergehen kann". Fünf ihrer engsten Mitarbeiter aus dem Weißen Haus werden bei der kleinen Zeremonie dabei sein, danach lädt Helene von Damm sie in Ronald Reagans frühere Ranch in Santa Barbara zu einem Picknick ein, bei dem deraus Kitzbühel eingeflogene "Stanglwirt" Balthasar Hauser aufspielen wird. "Damit das ganze auch eine österreichische Note hat".

TV-Tipp

Sonntagabend, 20.05 Uhr, ORF 2, in den "Seitenblicken": Christian Reichhold berichtet über die Übergabe der beiden Reagan-Reden.