Politik | Ausland
04.05.2018

Heer soll umstrittenes Golan-Video bei Schulungen verwendet haben

Das Video eines Hinterhalts für syrische Geheimpolizisten dürfte nicht so geheim gewesen sein, wie bisher angenommen.

Manches aus der Schulung ist mittlerweile verschwommen, aber an das Video kann ich mich sehr genau erinnern.“ Ein Österreicher, der kurz nach dem Vorfall im Dezember 2012 seine Ausbildung für die UN-Mission am Golan begonnen hat, bestätigt gegenüber dem KURIER einen Bericht in der "Kleinen Zeitung", nach dem  das Video bei der Schulung gezeigt wurde. „Das können noch Hundert weitere bestätigen“, fügt er hinzu.

Sie erzählen gerne ihre Sicht der Dinge, die Soldaten, die mit der Situation am Golan und dem Vorfall  vertraut sind. (Neun  syrische Geheimpolizisten waren im Dezember vor den Augen heimischer Blauhelme getötet worden.)   Aber namentlich genannt werden will kaum einer. Auch dieser nicht.

Der Berufssoldat war mit rund 100 anderen Soldaten  wenige Monate nach dem Vorfall im niederösterreichischen Götzendorf, um sich auf  die UN-Mission vorzubereiten. Das Video habe bei ihm  und den anderen Auszubildenden einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Es  sei allerdings kein „offizielles Ausbildungsvideo“ gewesen, wie sie für solche Schulungen extra produziert werden, so  Oberst Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, gegenüber dem KURIER.

Bei der Schulung aber habe es der Vortragende selbst gezeigt, erinnert sich der Soldat, der anonym bleiben will – „als Beispiel für außergewöhnliche Situationen, mit denen ein UN-Soldat auf der Mission konfrontiert werden kann, in denen man an seine psychischen Grenzen geht“.

 

"Wir hätten uns kein Urteil erlaubt"

Später wurde  ein Brief eines Soldaten gezeigt, der bei dem Vorfall dabei war. „Es war sehr bewegend. Er haderte damit, dass vor seinen Augen Leute erschossen worden waren“, so der Soldat, der an der Ausbildung teilgenommen hat. Seiner Erzählung nach habe der Kommandant danach „viel mit ihm geredet, ihn bei der Verarbeitung begleitet“.


Das Video und der Brief wurden an diesem Tag im Frühjahr 2013 sehr ausführlich besprochen und analysiert. „Für alle Anwesenden war klar: Das war eine Ausnahmesituation in jeglicher Hinsicht – körperlich, seelisch, psychisch. Wir hätten uns kein Urteil darüber erlaubt, ob die Blauhelme richtig gehandelt haben oder nicht.“

Aus dem Ministerium hieß es nach Bekanntwerden der Verwendung des Videos in einer Schulung, Verteidigungsminister Mario Kunasek  habe die Untersuchungskommission erweitert, die seit 2. Mai in den Vorfall involvierte Blauhelme befragt. „Es wird überprüft, wer Kenntnis von diesem Video hatte und zu welchem Zeitpunkt“, sagt Bauer.


Auf Twitter hat sich in der Zwischenzeit  eine Debatte über Militärexperten  entzündet. Generalstabschef Othmar Commenda wetterte auf der Meinungsplattform gegen Gerald Karner, der „weder Experte noch Fachmann“ sei. Der frühere Bundesheer-Brigadier hatte gesagt, die österreichischen Blauhelme hätten die neun Syrer warnen müssen.