Politik | Ausland
03.05.2018

Golan-Mission: Den Wirren in Syrien ausgeliefert

Seit Beginn des Syrien-Krieges ist der von der UNO kontrollierte Puffer zum Joker der Rebellen im Kampf gegen das Regime geworden.

Ein Einsatz am Golan, das war für Berufssoldaten über Jahrzehnte ein gut bezahlter Platz an der Sonne ohne tatsächliches Risiko bei zugleich viel Zeit zum Daumendrehen. Mit Ausbruch des Krieges in Syrien 2011 aber hat sich das ins Gegenteil verkehrt. Es dauerte nur kurze Zeit, bis die Kämpfe auch die entmilitarisierte Zone zwischen Israel und Syrien erreichten. Vor allem auch wegen eines Umstandes: Regulären syrischen Truppen ist das Betreten der Zone nicht erlaubt – eine Gegebenheit, die Rebellengruppen rasch zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen begannen.

Nahezu täglich kam es in Folge und kommt es noch immer zu Gefechten in dem Gebiet – nicht bloß Scharmützeln, sondern Kämpfe unter Einsatz schwerer Waffen wie Artillerie und Panzern. Ein österreichischer Soldat, der 2012 bis 2013 sechs Monate lang auf dem Golan stationiert war, berichtet dem KURIER von täglichen Gefechten, die zum Teil direkt neben den Posten der UNO-Truppe ausgetragen wurden.

Panzergefechte

„Das Beobachten von Panzergefechten stand auf der Tagesordnung, ebenso das Dokumentieren von Artilleriegefechten“, so der Soldat, der seinen Namen nicht publiziert wissen will. Zum Teil hätten abgefeuerte Granaten die Unterkünfte und Posten der UNO-Truppe nur knapp verfehlt. Und mitunter hätten Kombattanten auch versucht, in die Positionen der UNO-Truppe einzudringen. Ebenso zum Alltag zählte, dass Rebellenverbände Verwundete vor den UNO-Posten abgelegt hätten, um dann mit vorgehaltener Waffe die Versorgung der verletzten Kameraden zu erzwingen. Das, so der Soldat, begleitet von der Drohung: „Sonst erschießen wir euch.“

In dem Gebiet war damals vor allem die Al-Nusra-Front aktiv, die sich zu dieser Zeit noch als Ableger von El Kaida in Syrien verstand. 2015 hat sich die Gruppe in Dschabhat Fath al-Sham umbenannt und von El Kaida losgesagt – sie verfolgt aber nach wie vor eine radikal islamistische, dschihadistische Agenda, die sich auch gegen gemäßigte Rebellen richtet. Dschabhat Fath al-Sham hat am Golan nach wie vor die Oberhand.

Vorstellen kann man sich das folgendermaßen: Städte, Dörfer und Siedlungen in der Pufferzone werden von den Extremisten kontrolliert. Dazwischen liegen zwei Basen der UNO, 44 permanent besetzte Posten und elf Beobachtungsposten . Patrouillen fährt die UNO in dem Gebiet schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Zu riskant.

Der syrischen Armee wiederum ist es nicht erlaubt, in das Gebiet vorzudringen. Und nachdem an der westlichen Grenze der schmalen Zone die israelische Armee mit allem, was Israels Armee aufzubieten hat, steht, wäre ein Vordringen der syrischen Armee auch äußerst riskant.

Islamisten am Drücker

Faktisch ist die UNO-Truppe damit der Willkür islamistischer Hardliner ausgesetzt – wiewohl auch diese rational vorgehen und an einer Änderung des Status quo in dem Gebiet, der ihnen quasi ein „Leo“ bietet, nicht interessiert sind.

Dennoch kam es immer wieder zu schweren Übergriffen auf UN-Soldaten. So wurden im März 2013 21 philippinische UN-Soldaten von Al Nusra entführt. Sie kamen später frei. Offensichtlich waren sie als menschliche Schutzschilder benutzt worden. Im Juni 2013 fiel die Entscheidung Österreichs, seine Truppen vom Golan abzuziehen. Zuvor hatten syrische Rebellen einen Grenzübergang angegriffen und dabei alle syrischen Soldaten getötet. Ein UN-Soldat der Philippinen wurde dabei verletzt. Im August 2014 schließlich umstellten Rebellen zwei UNO-Posten. Es kam zu einem stundenlangen Feuergefecht.