Gennady Petrow 2008 - heute lebt er in St. Petersburg. Die weiteren Ermittlungen in seinem Fall bergen Brisanz.

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RUSSLAND/SPANIEN
05/04/2016

Haftbefehle für Putin-Freunde

Mafia-Ermittlungen: Ex-Minister, ein Parlamentarier und ein Vize-Premier auf der Wanted-Liste.

Man ließ sich Zeit damit, mit dieser Liste gesuchter Personen an die Öffentlichkeit zu gehen. Bereits im Jänner stellten die spanischen Behörden internationale Haftbefehle für eine Gruppe von Personen aus, die für Mord, Erpressung, Waffen- und Drogenschmuggel sowie Geldwäsche verantwortlich sein sollen. Das Pikante daran: Auf der Liste stehen Namen wie Dmitry Kosak (Vize-Premier Russlands), Wladislaw Resnik (Abgeordneter im russischen Unterhaus und Vize-Vorsitzender des Finanz-Ausschusses), Wiktor Zubkow (Premier Russlands von 2007 bis 2008 und von 2008 bis 2012 Vize-Premier unter Wladimir Putin), Anatoly Serdjukow (Russlands Verteidigungsminister von 2007 bis 2012) sowie noch ein ehemaliger Vize-Premier, einige Ex-Minister sowie Persönlichkeiten aus dem russischen Sicherheitsapparat – allesamt mit engsten Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Aber eben auch zu einem gewissen Gennady Petrow, dem nachgesagt wird, ein hochrangiges Mitglied – wenn nicht Chef – der Tambow-Gang zu sein. Und die wiederum ist eindeutig einem Milieu zuzuordnen: der russischen Mafia alter Schule. Spanien nutzte sie anscheinend, um im großen Stil Geld zu waschen.

Petrow hatte mit den spanischen Behörden bereits Probleme. 2008 stürmten Spezialeinheiten seine Villa in Mallorca – mit ihm wurden 20 weitere Verdächtige festgenommen. Petrow wurde die Ausreise nach Russland gewährt. Dort lebt er seither in St. Peterburg. Nach Spanien kam er nicht zurück. Die jetzigen Haftbefehle sind laut spanischen Behörden die Fortsetzung damaligen Ermittlungen. Die allermeisten Gesuchten leben in Russland.

Die spanische Staatsanwaltschaft kommt dabei zu dem Schluss, dass es die Tambow-Gang geschafft hat, in russische Ministerien, den Sicherheitsapparat und strategisch wichtige Unternehmen einzusickern. All das mithilfe eines einflussreichen Abgeordneten – gemeint ist damit wohl Resnik.

Für Putin ist die Optik fatal: Mit einigen Gesuchten verbindet ihn eine lange Bekanntschaft. Die allermeisten waren im St. Petersburger Kreis, aus dem sich seit Putins Machtantritt im Jahr 2000 die russische Polit-Elite rekrutiert. Und nicht zuletzt machten einige unter Putin steile Karrieren. Wie etwa Serdjukow, der vor 2000 Chef einer Möbel-Firma war, 2001 Vize-Chef der Petersburger Steuerbehörde wurde und 2004 die Leitung der russischen Steuerbehörde übernahm.