Politik | Ausland
11.01.2018

Griechisch-mazedonischer Namensstreit vor Lösung?

Entspannungs-Signale. Skopje und Athen signalisieren Lösungswillen – alle Fallstricke sind aber noch nicht beseitigt.

Zoran Zaev, Regierungschef Mazedoniens, nutzte die privaten Neujahrsferien im griechischen Thessaloniki nicht nur für Shopping und Sightseeing. Mehrfach telefonierte er mit Athens Außenminister Nikos Kotzias und mit Amtskollegen Alexis Tsipras. Es ging dabei vor allem um Möglichkeiten für die Beilegung des Namensstreits, der das Verhältnis Athens zu der ehemaligen Teilrepublik Jugoslawiens belastet.

Die Großregion Makedonien, Wiege eines antiken, griechisch geprägten Weltreichs, wo sich seit dem fünften Jahrhundert nach Christi südslawische Stämme ansiedelten, wurde ab 1913 unter Albanien, Bulgarien, Griechenland und Jugoslawien aufgeteilt. Tito wertete die Gebiete nach 1945 zu einer Teilrepublik auf, die sich 1991 unter dem Namen Mazedonien für unabhängig erklärte. Zum Ärger Athens, das die Abspaltung seiner Nordprovinz um die Stadt Thessaloniki fürchtet. Ethnische Slawen stellen auch im griechischen Makedonien die Bevölkerungs-Mehrheit – teilweise bis zu 90 Prozent –, sprechen, wie in Mazedonien, eine Sprache, die eng mit dem Bulgarischen verwandt ist, Ortschaften haben neben einem offiziellen griechischen einen inoffiziellen mazedonischen Namen.

Griechenland wirft Mazedonien zudem vor, griechische Helden zu vereinnahmen. Es geht dabei nicht nur um Alexander den Großen, nach dem der Flughafen Skopjes benannt wurde, sondern auch um Justinian, unter dem Byzanz im 6. Jahrhundert n. Chr. seine größte Ausdehnung hatte. Beide sollen in der Nähe von Skopje zur Welt gekommen sein.

Athen sorgte also dafür, dass Mazedonien der UNO unter dem Namen FYROM beitreten musste. Das Kürzel steht für Former Yugoslav Republic of Macedonia – ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien. Vor allem aber blockiert ein griechisches Veto seit Jahren sowohl den NATO-Beitritt Mazedoniens als auch die Beitrittsverhandlungen mit der EU. Bulgarien schloss sich der Blockade 2012 an. Der damalige mazedonische Ministerpräsident Nikola Gruevski suchte daraufhin den Schulterschluss mit Russland und verklagte Athen vor dem Europäischen Gerichtshof.

"Glücksfall"

Seit Sommer 2017 regiert in Skopje jedoch wieder eine pro-westliche Koalition um den Sozialdemokraten Zaev, und seither gibt es auch Bewegung im Namensstreit.

Griechenland sei "ein guter Freund" lobte Zaev Amtsbruder Tsipras. Dessen Wille zu einer Lösung sei klar erkennbar. Und diese könnte schon im Juli stehen. Genau dann endet auch Bulgariens EU-Präsidentschaft. Sofias Hauptziel: die europäische und transatlantische Integration der Westbalkan-Staaten vorantreiben.

Es wäre die zweite herbe außenpolitische Niederlage für Russland in nur gut einem Jahr: Im Juni 2017 verlor Moskau das Gerangel um Montenegro, das NATO-Mitglied wurde. Kampflos dürfte Moskau sich auch aus Mazedonien nicht zurückziehen.

Zaevs Koalition steht und fällt mit zwei albanischen Minderheitsparteien und ist instabil. Auch halten Experten die Konstellation mit Linksregierungen in Skopje wie Athen zwar für einen historischen Glücksfall, ein Kompromiss könnte jedoch an Tsipras’ Juniorpartner ANEL scheitern, der für das Jugoslawien-Spaltprodukt einen Namen ohne das Wort Mazedonien fordert. Skopje aber tendiert zu Neu-Mazedonien und will darüber abstimmen lassen.