Nach wie vor untragbare Zustände für Flüchtlinge auf Lesbos

© APA/AFP/ANTHI PAZIANOU

Politik Ausland
01/14/2021

Griechenland drängt EU auf Hilfe für Flüchtlingsrückführungen

Die Türkei müsse sich an den Pakt mit der EU halten und Flüchtlinge zurücknehmen, fordert die griechische Regierung.

Griechenland verlangt von der EU mehr Unterstützung bei der Rückführung von abgewiesenen Asylbewerbern in die Türkei. Die Türkei weigere sich wegen der Corona-Pandemie, insgesamt 1.450 Migranten zurückzunehmen, teilte das Migrationsministerium am Donnerstag mit. „Wir erwarten, dass die Türkei die Rückführung von Migranten auf der Grundlage der gemeinsamen Erklärung mit der EU akzeptiert“, sagte Migrationsminister Notis Mitarakis.

Im März 2016 hatten die EU und die Türkei vereinbart, dass alle Migranten, die auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis ankommen, zurück in die Türkei gebracht werden können, wenn ihr Asylantrag abgelehnt wird.

Insgesamt befinden sich nach Angaben der griechischen Koordinationsbehörde für Asyl 17.000 Migranten - unter teils unfassbaren Lebensbedingungen .- auf den Inseln. Vor einem Jahr lebten auf Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos noch mehr als 42.000 Migranten in völlig überfüllten Auffanglagern. Griechenland erntete dafür viel Kritik, aber nur wenige EU-Länder waren bereit, Flüchtlinge von den Inseln aufzunehmen.

Inzwischen ist auch die EU-Grenzschutzagentur Frontex massiv unter Druck. Sie steht unter dem - offenbar belegbaren - Verdacht, Flüchtlinge auf dem Weg nach Griechenland mit Gewalt wieder in Richtung Türkei zurückzudrängen.

In einigen griechischen Flüchtlingslagern - wie auf der Insel Lesbos - ist die Situation nach wie vor unter jeder Kritik. Am meisten leiden die Kinder, die dort ausharren müssen. Die anhaltend schlechten Bedingungen in den Flüchtlingscamps auf  Lesbos machen Kinder krank, warnte die Kinderpsychologin Katrin Glatz-Brubakk erst am Mittwoch.

Die Unsicherheit und chronische Angst führe zu Panikattacken, Albträumen und schweren Depressionen bei vielen Kinder, berichtete die Leiterin des psychologischen Programms von Ärzte ohne Grenzen (MSF) auf Lesbos: „Viele dieser Kinder geben die Hoffnung auf, dass sie je einen Tag ohne Angst erleben werden.“

Suizidversuch 8-Jähriger

Das führe dazu, „dass achtjährige Kinder versuchen, sich umzubringen, weil sie es einfach unter diesen Bedingungen nicht mehr aushalten“. Und das seien Kinder, die vorher keine psychischen Probleme gehabt hätten, betonte Glatz-Brubakk im Telefon-Gespräch mit der APA. 90 Prozent der Kinder hätten diese Probleme erst entwickelt, seit sie auf Lesbos seien.

Der Bedarf an psychologischer Betreuung sei enorm, weshalb nicht alle Kinder mit Bedarf betreut werden könnten, sondern es eine lange Warteliste gebe. Besonders schlimm sei die Situation in dem provisorischen Camp auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Kara Tepe, das nach dem Brand in Europas bis dahin größtem Flüchtlingslager Moria errichtet wurde.

 

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