Hauptquartier Monsanto in St. Louis, Missouri

© APA/AFP/Juliette MICHEL

Lebensmittelsicherheit
03/02/2016

Global 2000 zeigt vor Glyphosat-Zulassung Monsanto an

Neuzulassung könnte EU-weit jährlich bis zu 500 Lymphdrüsenkrebserkrankungen.

Global 2000 hat am Mittwoch in Wien angekündigt, den US-Saatguthersteller Monsanto, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Zusammenhang mit dem Pestizid Glyphosat anzuzeigen. Die NGO sieht schwere Mängel bei der Vorgehensweise, die zur Beurteilung des Mittels als "nicht krebserregend" führten.

Auch die Grünen prüfen, Rechtsmittel einzulegen. "Eines ist jetzt schon klar, im Sinne des Vorsorgeprinzips darf die Zulassung von Glyphosat nicht einfach um 15 Jahre verlängert werden", sagte Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber.

Krebs-Gefahrenabschätzung "fundamental fehlerhaft"

Bereits nächste Woche könnte mit den Empfehlungen der EU-Staaten der erste Schritt für die Zulassung von Glyphosat für weitere 15 Jahre durch die EU-Kommission erfolgen. "Das BfR hat gegen seine Grundprinzipien verstoßen", sagte Global-2000-Chemiker Helmut Burtscher und führte dazu erneut Studien an Mäusen an, die den Nachweis brächten, dass das Pestizid krebserregend sei. Die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO hatte aufgrund dieser Publikationen im Frühjahr 2015 festgestellt, dass Glyphosat "wahrscheinlich für den Menschen krebserregend" ist. Die EFSA stufte eine krebserregende Gefahr des häufig eingesetzten Pestizids unter Berücksichtigung der IARC-Publikation wiederum als "unwahrscheinlich" ein - dies erfolgte aufgrund einer Analyse der BfR.

Die Behörde machte damit eine Krebs-Gefahrenabschätzung, die von 96 Experten als "wissenschaftlich inakzeptabel", "fundamental fehlerhaft" und "in die Irre führend" qualifiziert wurde, zur wissenschaftlichen Basis für die bevorstehende EU-Abstimmung über Glyphosat, kritisierte Global 2000.

"Zweifel zu klären und Transparenz zu schaffen"

In dem Vorgehen sieht die NGO auch mehrere Rechtsbrüche und hat den Rechtsanwalt Josef Unterweger beauftragt, Anzeige bei den Staatsanwaltschaften von Wien und Berlin zu erstatten, an denen sich weitere europäische Umweltschutzorganisationen beteiligt haben. Monsanto und die angezeigten Behörden stünden in Verdacht, durch "inkorrekte Auswertung von Daten versucht zu haben, Glyphosat trotz seiner wahrscheinlich beim Menschen krebserzeugenden Wirkung auf dem europäischen Markt zu halten", nannte Unterweger die Motivation dahinter. Der Zweck der Anzeige sei es, "Zweifel zu klären und Transparenz zu schaffen", anstatt des gegenwärtigen Zustandes, wo Studien, die zu Zulassungen führen, geheim blieben. Dies wäre für Behörden und Bürger ein "unwürdiges" Vorgehen.

Den durch die bevorstehende Wiederzulassung von Glyphosat recht knappen Termin für die Anzeige erklärte Burtscher mit dem Umstand, dass man erst mit einer Entscheidung im Juni gerechnet habe. Der Global-2000-Chemiker sieht hinter dem Verhalten der europäischen Behörden auch massive Marktinteressen. "Würde das Pestizid in Europa nicht wieder zugelassen, dann müssten neue Höchstwerte für dieses festgelegt werden." Diese würden auch aus Argentinien oder den USA nach Europa importierten Mais und Soja als Futtermittel in der Viehzucht betreffen. Nicht zuletzt wären durch Handelshemmnisse mit Produkten, die Glyphosat enthalten, auch empfindliche Rückschläge für das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP zu erwarten, sagte Burtscher.

Höheres Risiko an Krebs zu erkranken

Die negativen Aspekte im Falle der zu erwarteten Wiederzulassung erläuterte hingegen Hanns Moshammer, von Ärztinnen für eine gesunde Umwelt (ÄGU): "Die von der WHO als valide anerkannten epidemiologischen Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Menschen, die beruflich mit Glyphosat zu tun haben, ein um 50 Prozent höheres individuelles Risiko für Lymphdrüsenkrebs haben. Umgelegt auf die EU würde das bei einer vorsichtigen Schätzung bedeuten, dass bei einer Fortsetzung der Zulassung mit 250 bis 500 Glyphosat-bedingten Neuerkrankungen pro Jahr zu rechnen ist."

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