Politik | Ausland
13.12.2016

Glawischnig erklärt Kritiker Pilz den offenen Krieg

Bei den Grünen brodelt der Konflikt um einen "Linkspopulismus".

"Ist es nicht Zeit für die Grünen, mehr zu polarisieren, zuzuspitzen, sich als Gegengewicht zu den Rechtspopulisten zu präsentieren?" Genervt tippt Eva Glawischnig mit dem Finger auf dem Rednerpult. Die Chefin der Grünen hatte gestern bei ihrem Medienauftritt diese Frage offenbar erwartet. Ohne zu zögern legt sie los: "Also nur eines in aller Deutlichkeit: Es gibt keine Diskussion bei den Grünen über Linkspopulismus. Es gibt einen einzelnen Abgeordneten, der bei jeder unpassenden Gelegenheit seit Jahren dasselbe erzählt."

Stammtisch-Hoheit

Natürlich meint Glawischnig mit dem "einzelnen Abgeordneten" das 62-jährige Urgestein der Grünen, Peter Pilz. Dieser sprach sich im Ö1-Morgenjournal einmal mehr für eine kantigere Politik der Grünen aus. "Da spricht jemand, der vom Wahlkampf keine Ahnung hat", findet Glawischnig. Das seien "Rezepte aus den 1990er-Jahren". Und sie attackiert Pilz wegen Absenz im Van-der-Bellen-Wahlkampf: "Er hat weder gespendet, noch ist er in irgendeiner Art sichtbar gewesen." Nachsatz: "Vielleicht ist ihm fad."

Pilz will sich auf den von der Parteichefin eröffneten Krieg nicht einlassen und sagt nur: "Selbstverständlich habe ich so wie alle gespendet und habe alles für einen Wahlsieg Van der Bellens getan."Die Grüne begründet ihren Ärger so. Das Thema " Linkspopulismus" sei intern mehrfach diskutiert worden: " Auch wenn er als Einzelperson immer mit dem Linkspopulismus daherkommt, wir haben eine andere Strategie. Irgendetwas werden wir ja richtig gemacht haben, wenn es jetzt einen Bundespräsidenten gibt, der elf Jahre Bundessprecher der Grünen war."

Glawischnig ist mit ihrer Kritik nicht alleine. Auch für Gabriela Moser vertritt Pilz eine "interne Einzelmeinung". Anderen vom KURIER kontaktierten Grünen wollte die Causa nicht kommentieren.

Wiederholungstäter

Peter Pilz ist in den Augen vieler Parteikollegen ein Wiederholungstäter. Die Idee, die Grünen noch schärfer als Widerpart zu den Blauen zu positionieren, ventilierte er erstmals im Oktober 1992, also vor mehr als 24 Jahren. Peter Pilz schlug damals als frisch gewählter Kurzzeit-Chef der Grünen in einer profil-Coverstory (siehe Faksimile) vollkommen neue Töne an: Die Grünen müssen praktischer, realistischer, plausibler werden. "Wenn wir diese Öffnung schaffen, steht uns beim Aufbruch zu einer großen oppositionellen Sammelpartei nichts mehr im Wege." Seine jüngste Offensive startete er vor gut einem Jahr einmal mehr via profil: "Bleiben wir ein Anhängsel von Rot und Schwarz? Ein grüner Schwanz am halb toten Hund? Dann liegt unser Plafond als liberale Ökopartei bei zwölf bis 13 Prozent. Oder bilden wir einen linkspopulistischen Gegenpol zu den Nationalisten?"

Glawischnig sagte damals wie heute: "Wir haben unzählige Male diskutiert. Die Sache ist erledigt."