Russlands Präsident Putin hielt sich mit Kommentaren zu Brexit zurück

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Russland
06/25/2016

Geschwächte EU lässt Russen erstarken

Finanzguru George Soros spricht vom "Untergang des Abendlandes", der Russland in die Hände spielen werde.

von Elke Windisch

Nigel Farage, strahlender Sieger der Brexit-Kampagne, ließ nun wissen, welchen Politiker er am meisten verehrt: Wladimir Putin. In Sachen Brexit hat sich der russische Präsident aber zurückgehalten. Die Briten hätten gleich viele gute Gründe, für den Verbleib in der EU, und für den Austritt zu stimmen.

Der Tenor in Russland war aber klar: Brüssel und Berlin könnten zwar mit Unterstützung von Paris und Rom recht und schlecht den Brand löschen. Eine lange Stagnationsphase der EU sei jetzt jedoch mehr als wahrscheinlich, sagt Europa-Experte Dmitri Ofizerow-Belski.

Beleg für das "Siechtum" der EU

Tatjana Swerowa, die an der Diplomatie-Akademie in Moskau lehrt, sieht das ähnlich. Sie fürchtet zudem Signalwirkung für antieuropäische Kräfte und Separatisten in und außerhalb der EU. Der Brexit sei keine Katastrophe für die EU, belege aber deren "Siechtum", schreibt auch Alexej Gromyko, der das Europa-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften leitet, in einem Kommentar für die regierungsnahe Zeitung Iswestija. Das Projekt "Geeintes Europa" habe nicht nur bei den Briten viel von der einstigen Dynamik und Strahlkraft eingebüßt.

Die Folgen, Vorteile wie Risken für Russland werden von diesen Experten unterschiedlich gesehen. Taktisch – also kurzfristig –, glaubt Gromyko, könne Russland vom Brexit durchaus profitieren, strategisch – langfristig – eher nicht.

Russische Leitartikel-Schreiber hatten schon vor der Abstimmung aus ihren Sympathien für die Euroskeptiker keinen Hehl gemacht. Der Brexit werde die EU schwächen – und das sei gut für Russland. Großbritannien sei den USA außenpolitisch stets näher gewesen als Europa und habe auch bei den Russland-Sanktionen der EU die entscheidende Rolle gespielt. Ohne die Briten würden die Europäer es daher leichter haben, ihre Beziehungen zu Moskau zu normalisieren.

Zwar fürchtet die Nesawissimaja Gaseta, der Brexit werde, weil er weltweit für Instabilität sorge, auch den Verfall des Rubels auf Touren bringen. Ex-Finanzminister Alexej Kudrin dagegen glaubt, der Einfluss auf Russland werde minimal bleiben und auf dem russischen Finanzmärkten nicht zu größeren Verwerfungen führen. Die bisherige Entwicklung an den Moskauer Börsen gab ihm Recht.

Weltmacht Russland

Sogar George Soros erwägt, erneut in russische Werte zu investieren. Der "Untergang des Abendlandes" werde Russland in die Hände spielen, sagte der Börsenguru auf einem Forum der Stiftung "Offenes Russland", das der kremlkritische Oligarch Michail Chodorkowski in London organisiert hatte. Die Weltlage habe viel mit den frühen Neunzigern zu tun, als die Sowjetunion und der Ostblock zerfielen, Europa die Spaltprodukte einsammelte und aufblühte. Das würde sich jetzt mit umgekehrten Vorzeichen wiederholen: Europa, so zitierten russische Medien Soros, ringe mit dem Tode, Russland erhebe sich und werde allmählich zur Weltmacht.

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