© Stefania Micol Sabrina Ciocca

Politik Ausland
01/01/2019

Geschenkte Lese-Glücksmomente

In der Buchhandlung von Cristina Di Canio gibt es jeden Tag ein Geschenk. Ihre Idee begeistert viele

von Irene Mayer-Kilani

Mit ihrer kleinen Buchhandlung am Stadtrand von Mailand hat sich Cristina Di Canio einen Traum erfüllt. Seit sie eine ganz besondere Idee hatte, ist ihr Geschäft zu einem beliebten Treffpunkt geworden: Jeder Kunde kann ein Buch, das für ihn eine besondere Bedeutung hat, kaufen und dem nächsten Kunden schenken. Dieser wird nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. „Es erhält wirklich meistens der nächste Kunde, der bei der Tür hereinkommt“, erzählt Cristina Di Canio dem KURIER. Auch wenn das Buchgeschenk anonym ist, entstehen auf diese Weise Freundschaften. „Ja sogar Liebespaare haben sich auf diesem Weg schon gefunden“, schmunzelt die 35-jährige Italienerin.

Es vergehe kein Tag, an dem nicht ein Kunde, oft sind es auch Kinder, mit einem bereits bezahlten Buch überrascht werde. „Ich selbst verschenke auch gerne meine Lieblingsromane und freue mich, wenn ich andere mit meiner Begeisterung anstecken kann“, sagt Di Canio.

In ihrem Buch („Die Buchhandlung der Träume“, Goldmann Verlag) erzählt sie ihre eigene Geschichte zur Entstehung des Buchladens. Inspiriert wurde sie von der Tradition des „Caffé sospeso“ („vorab bezahlter“ Kaffee ) aus Neapel. Dabei bestellt man im Lokal einen Kaffee, und zahlt einen zweiten Kaffee, der an jene ausgegeben wird, die sich keinen Espresso oder Cappuccino an der Bar leisten können. Die Tradition des „kostenlosen“ Kaffees hat sich mittlerweile weit über Neapel verbreitet. Allein in Rom gibt es unzählige Bars, die diese Tradition fortsetzen.

Momente des Glücks

„Mittlerweile gibt es viele im Voraus bezahlte Dinge, etwa Essen in Restaurants oder Kleidung, die bereits von jemandem bezahlt wurde“, weiß Cristina Di Canio. Das Schöne an verschenkten Überraschungsbüchern sei, dass sie nicht zu den lebensnotwendigen Dingen gehören, aber den Leuten ganz unvermittelt „einen Moment des Glücks“ bescheren.

Die Libreria „Scatola Lilla“ von Di Canio ist ein Lichtblick am krisengeschüttelten italienischen Büchermarkt. In den vergangenen Jahren mussten allein in Rom 50 von insgesamt 300 Buchhandlungen zusperren. Darunter auch die einzige deutschsprachige Buchhandlung der Stadt, die traditionsreiche Libreria Herder. Die wirtschaftliche und kulturelle Krise traf große Buchhandelsketten wie Rinascita, Remainders oder Feltrinelli ebenso wie kleine Bücheroasen. Von Turin, Mailand, Florenz bis Palermo fielen weitere 150 unabhängige Buchhandlungen der Krise zum Opfer. „Junge Leute laden lieber E-Books über das Internet herunter. Uns sind nur die Stammkunden im Alter von 45 Jahren aufwärts geblieben“, klagen Buchhändler.

Innovative Ideen, starke Nutzung von sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Twitter sowie eine eingeschworene Stammkundschaft sichern Di Canio nicht nur das Überleben, sondern machen ihre Arbeit zu einem Erfolgsprojekt.

Ein Abo für Freunde

So können Bücherwürmer ein Jahresabonnement für Freunde verschenken. „Ich erkundige mich genau nach den Vorlieben und Interessen der beschenkten Person und suche jeden Monat das passende Buch aus“, erklärt Di Canio.

Wer nicht in Mailand wohnt, kann die Lesungen in der „lila Schachtel“– wie der kleine Buchladen wörtlich übersetzt heißt – via Facebook live verfolgen. Auf signierte Bücher muss man nicht verzichten. Di Canio nimmt noch während der Lesung online Bestellungen entgegen und verschickt die signierten Werke an interessierte Kunden in der ganzen Welt.

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