Politik | Ausland
17.05.2017

Gericht beschließt Auspeitschung von Homosexuellen

Scharia-Urteil. Erstmals Strafe über Homosexuelle verhängt, der politische Islam in Indonesien scheint zu wachsen.

Just am Internationalen Tag gegen Homophobie fällte ein Scharia-Gericht in der indonesischen Provinz Aceh erstmals ein Urteil gegen Homosexuelle: Mit 85 Peitschenhieben sollen zwei Männer dafür bestraft werden, dass sie einander lieben.

Das Paar wurde Ende März festgenommen, als Nachbarn in ihr Haus eingebrochen waren und die beiden beim Geschlechtsverkehr entdeckten. Als Beweis dafür nahmen die Eindringlinge ein Video auf, in dem sie filmten, wie einer der Männer seinen Bruder anruft und ihn um Hilfe bittet, während der andere aus Verzweiflung die Hände vors Gesicht hält. Anhand dieser Videos wurden die jungen Männer nun verurteilt. Einer der drei Richter sagte, dass das Urteil großzügig gewesen sei – da die Angeklagten im Verfahren höflich gewesen seien, bekämen sie 85 anstatt 100 Peitschenhiebe. Kommende Woche soll das Urteil öffentlich vollstreckt werden.

Bis jetzt wurden in Aceh schon Strafen wegen Alkoholkonsums oder Glücksspiels verhängt.

Aceh ist die einzige Provinz Indonesiens, in der die Scharia gilt, und genießt umfassende Autonomierechte.

Politischer Islam wächst

Doch auch das restliche Indonesien scheint einen Wandel in Richtung islamistischer Tendenzen zu erleben – vergangene Woche wurde der ehemalige Gouverneur der Hauptstadt Jakarta, Basuki Purnama wegen Gotteslästerung zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er soll während einer Wahlkampfrede den Koran beleidigt haben, daraufhin brachen Proteste mit 500.000 Menschen aus, die seine Inhaftierung forderten."Das Urteil bereitet den Weg für wachsende Intoleranz, weil es zeigt, dass man jemanden unter religiösem Vorwand vor Gericht bringen und eine politische Karriere beenden kann", sagt der indonesische Politik-Experte Ray Rangkuti.

Maßgeblich an den Protesten beteiligt war die islamistische Organisation Hizbut Tahrir, die einen islamischen Staat errichten möchte und weltweit vernetzt ist. Am 8. Mai wurde sie von der Regierung verboten. Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde (250 Millionen Einwohner, davon 200 Mio. Muslime) und galt lange als Vorzeigestaat muslimischer Demokratie.