Politik | Ausland
12.08.2017

Geopolitik im Golfklub: Lokalaugenschein in Trumps Sommersitz

Von Bedminster aus hält der US-Präsident die Welt mit Drohungen gegen Nordkorea in Atem.

Für jemanden, der den Präsidenten der USA schon von Berufs wegen nicht mögen darf, ist Peg Schaffer dann doch sehr gemäßigt.

Wenn man sie nach den Wellen fragt, die Donald Trump seit acht Tagen in seinem Nobel-Golf-Klub zwischen Pferdekoppeln und grünen Wiesen in der Landluft von Bedminster erzeugt, verzieht die Vorsitzende der örtlichen Demokraten den Mund zu einem Lächeln. "Ich bin froh, wenn er wieder weg ist."

Damit steht die Anwältin in der idyllischen Reichen-Enklave des sozial kränkelnden New Jersey nicht allein.

Die Anwesenheit des 45. Commander-in-Chief in seinem für 35 Mio. Dollar gekauften 240-Hektar-Refugium bewegt die südlich von New York gelegene 8000-Seelen-Gemeinde mit jedem Nordkorea-Krisen-Tag mehr, als ihr lieb ist.

Abgeschirmt von Secret-Service, Überwachungsdrohnen und Zäunen macht Trump zwischen Natursteinmauern und schweren Ledersesseln weit ab vom "Situation Room" im Weißen Haus Geopolitik, bei der vielen der Atem stockt.

Der ersten Breitseite gegen Nordkorea ("Feuer und Wut") folgte Donnerstagabend an der Lamington Road ein martialischer Nachschlag. Kim Jong-un habe die "Welt lange genug herumgeschubst", diktierte ein sichtlich mitteilungsbedürftiger Trump den Journalisten in die Blöcke.

Hupen und Stinkefinger

"Wenn Nordkorea über so etwas wie einen Angriff auch nur nachdenken sollte, auf jemanden, den wir lieben, den wir repräsentieren, auf unsere Alliierten oder uns, sollten sie sehr, sehr nervös sein." Warum? "Weil ihnen dann Dinge passieren werden, die sie niemals für möglich gehalten haben." Präsidiale Deuter bringen das so auf den Punkt: "Greift Kim Jong-un zuerst zur Rakete, ist das sein Ende."

Der Gedanke, dass Trump "in den rollenden Hügeln von Somerset County" einen absehbar verheerenden Krieg vordenken lässt, behagt Lisa O’dwyer überhaupt nicht. Die 53-Jährige steht in Bedminster auf der Brücke über den Highway 78. Neben ihr Plakate ("Lasst Trump fallen") und Mitstreiter, die Autofahrern zuwinken. "Wenn gehupt wird ohne Mittelfinger", sagt O’dwyer, "wissen wir, dass wir nicht allein sind."

Organisiert hat die von der Polizei beobachtete Aktion Jim Girvan. Der ehemalige IT-Experte der Stadtverwaltung von Bedminister ist der Nukleus der Anti-Trump-Bewegung in der Gegend. Für den 64-Jährigen ist der Mann im Weißen Haus "immer mehr ein Sicherheitsrisiko auf zwei Beinen".

Auf der Ladefläche seines Pick-Up-Wagens hat er eine Trump-Puppe installiert, die ein Plakat mit der Aufschrift "Lügner-in-Chief" in den Händen hält: "Die Russenmütze habe ich mir geliehen, die Pinocchio-Nase ist von Amazon."

Girvan, der regelmäßig samstags eine "Auto-Sternfahrt mit Hupen" zu Trumps Golf-Kurs anführt, hat logistische Raffinesse entwickelt, um den Protest vor die Füße des Präsidenten zu tragen.

Als Trump vom G-20-Gipfel in Hamburg zurückkam, besuchte er schnurstracks seinen Golf-Platz, weil dort ein hochrangiges Frauen-Turnier mit Tausenden Besuchern stattfand. "Wir haben uns erfolgreich unter die Leute gemischt", sagt Girvan und grinst. Er freut sich noch immer über die TV-Berichterstattung. "Volltreffer!".

Letzteren bekam auch der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, ab. Falls der einflussreichste Konservative im Kongress nicht bald "liefere" (Gesundheits- und Steuerreform, Infrastrukturprogramm), ließ Trump durchblicken, könne der Mann aus Kentucky seinen Hut nehmen.

Und gleich darauf ein Sager, der im Außenministerium für Kopfschütteln sorgte. Trump bedankte sich in zynischem Ton bei Russlands Präsident Putin für die Ausweisung von über 750 US-Botschaftsangestellten in Moskau: "Das spart uns sehr viel Geld."

Das Zittern der Schafe

Von Sparen kann auf dem Somerset Airport nahe Bedminster keine Rede sein. Hochsicherheitszone. Seit einer Woche geht hier nichts. Im Umkreis von zehn Meilen gilt Flugverbot.

Dutzende Kleinflugzeuge müssen am Boden bleiben, weil ein paar Häuser weiter der Präsident übers Grün schlendert. Die Flugschule: geschlossen. Der Einnahmeausfall, sagen Insider, sei beträchtlich: locker 10.000 Dollar pro Wochenende.

"Wir hoffen auf Ausgleichszahlungen für den erhöhten Polizei- und Sicherheitsaufwand", sagt Peg Schaffer. Bei uns kommen da in wenigen Tagen schnell 40.000 Dollar zusammen." Wäre alles leichter zu ertragen, wenn sich der erste Mann im Staat unters Volk mischen würde, nahbar wäre oder einen Tag der Offenen Tür veranstaltete.

"Wir haben aber nichts von Trump. Bis auf Staus, wenn sein Konvoi kommt und die Straßen abgesperrt werden." Und Lärm, sagen Anne Choi und Michael Slattery, die quasi Trumps Nachbarn sind. Wenn die Militärhelikopter übers Gelände fliegen, kriegen ihre Schafe das Zittern.

Apropos Tiere. Um Geld zu sparen, berichtet Peg Schaffer, hält Donald Trump auf seinem penibel gepflegten Golf-Rasen vier Ziegen. Damit "gilt der National Golf Club sozusagen als landwirtschaftlich genutzt". Konsequenz: Zigtausende Dollar Mindereinnahmen für die lokale Steuerkasse.

Trump spart sich reich mit Natur-Rasenmähern. Peg Schaffer versucht aber auch das positiv zu sehen: "Wir haben für die nächsten Wahlen auf Ortsebene so viele Kandidaten wie noch nie. Dieser Präsident mobilisiert für uns."