Politik | Ausland
24.01.2012

Gaddafi-Getreue schlagen zurück

Drei Monate nach der Befreiung Libyens flammen die Kämpfe wieder auf. Gaddafi-Anhänger eroberten die Wüstenstadt Bani Wali zurück.

Drei Monate nach der offiziellen Befreiung Libyens sind die Gefechte zwischen Anhängern der alten und neuen Machthaber wieder aufgeflammt. Getreue des getöteten Machthabers Muammar al-Gaddafi eroberten am Montag die Wüstenstadt Bani Walid zurück und hissten die grüne Fahne des ehemaligen Regimes. Laut Berichten griffen die Gaddafi-Loyalisten die Quartiere von Regierungsmilizen an und zwangen sie zum Abzug aus der Stadt.

Der Vorsitzende des libyschen Übergangsrates, Mustafa Abdul Jalil entsandte daraufhin Einheiten des Verteidigungsministeriums, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Aus der libyschen Luftwaffe hieß es, es seien Kampfflugzeuge geschickt worden. Ein Sprecher des Militärrates in Zawiyah sagte, es sei eine Truppe von 1.500 Mann in Bereitschaft versetzt worden, um gegen die Gaddafi-Leute zu kämpfen. Bei den Kämpfen wurden zuvor fünf Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden, berichtete der arabische Fernsehsender Al-Arabiya. Die Kämpfer beider Seiten hätten den ganzen Tag über gekämpft und dabei auch schwere Waffen eingesetzt.

Schwache Übergangsregierung

Bani Walid ist eine strategisch wichtige Stadt rund 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Tripolis. Die Stadt war am 17. Oktober vergangenen Jahres als vorletzte Bastion Gaddafis gefallen. Milizionäre des Übergangsrates hatten Bani Walid zuvor sechs Wochen lang belagert.

Zwischen den Bewohnern und den Milizen des Übergangsrates herrschte seit Langem böses Blut. Im November hatten Gaddafi-Getreue 15 Milizionäre getötet. Das libysche Innenministerium räumte ein, dass es Probleme in der Stadt gegeben habe, die zum Ausbruch der Gewalt geführt hätten. Beobachter halten es für unwahrscheinlich, dass sich der Aufstand der Gaddafi-Getreuen über die Grenzen von Bani Walid hinaus ausbreitet, sehen aber in dem Vorfall ein Zeichen der Schwäche der Übergangsregierung.