Politik | Ausland
05.12.2011

Gaddafi: Aufruf zum Kampf gegen die NATO

"Voran, zu den Waffen!": Libyens Diktator will Landsleute mobil machen. Gleichzeitig sollen die Rebellen bereits mit ihm verhandeln.

Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi hat sich wieder zu Wort gemeldet und zu einem verstärkten Kampf gegen die NATO aufgerufen. Er fordert seine Landsleute auf, zur "Befreiung" der von den Rebellen eroberten Städte beizutragen. "Voran, greift zu den Waffen, zieht in den Kampf zur Befreiung Libyens aus den Händen der Verräter und der NATO, Zentimeter um Zentimeter", hieß es in einer Rede, die das staatliche Fernsehen am frühen Montagmorgen als Live-Übertragung ankündigte, aber ohne Bilder sendete. "Macht Euch bereit zum Kampf! Das Blut der Märtyrer ist der Treibstoff für das Schlachtfeld", hieß es in der Rede, die offenbar am Telefon gehalten wurde. Die Qualität der Übertragung war schlecht, gelegentlich war der Ton unterbrochen.

Die Aufständischen haben in einer ihrer größten Offensiven seit Beginn der Kämpfe vor einem halben Jahr eigenen Angaben zufolge zuletzt wichtige Küstenstädte erobert und damit ihren Druck auf die unweit gelegene Hauptstadt Tripolis erhöht. Die westliche Militärallianz unterstützt die Rebellen mit Luftangriffen.

Das Ende der "Ratten" und der "Kolonisatoren" sei nahe, sagte Gaddafi über die Rebellen und die NATO, die auf Grundlage einer Resolution des UNO-Sicherheitsrats seit März Luftangriffe gegen Gaddafis Truppen fliegt. Nach dem Scheitern ihres Kampfes mit Waffen seien sie nur noch zu "Lügengeschichten" und "psychologischer Kriegsführung" in der Lage. Der größte Teil der Botschaft war nicht zu verstehen. Das Staatsfernsehen sprach von einer "technischen Panne". Verschiedene Medien und Online-Netzwerke hatten zuvor berichtet, dass sich Gaddafi schon bald ins ausländische Exil zurückziehen könnte.

Verhandlungen

Während Gaddafi via Rundfunk gegen NATO und Rebellen wettert, verhandeln Vertreter seines Regimes offenbar mit den Aufständischen: Am Sonntagabend dürften in Tunesien Verhandlungen aufgenommen worden sein, wie eine Person mit direkter Kenntnis der Gespräche der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Das Treffen finde in einem Hotel auf der südtunesischen Insel Djerba statt, sagte die Person weiter. "Vertreter der Rebellen und Gaddafis sitzen im Moment zusammen." Von keiner der beiden Seiten gab es jedoch eine Bestätigung für die Angaben.