Politik | Ausland
07.07.2017

Trump und Putin: Auf diesen Händedruck blickt die Welt

Migration, Handel, Klima? Alles Nebensache: Beim G20-Gipfel waren alle Augen auf Trump und Putin gerichtet. Ihr Treffen dauerte länger als geplant – und brachte in Syrien eine Feuerpause.

Das mit der Dramaturgie, das war früher einfacher. Früher, das heißt: vor Donald Trump. Wenn da ein Gipfel zu den drängendsten Themen der Welt stattfand, dann ging es – zumindest manchmal – tatsächlich um die.

Am Freitag in Hamburg waren die offiziellen Themen Nebensache. Dass hier die mächtigsten 20 der Welt über Handel, Terrorismus und Klima verhandelten – geschenkt: Die Augen aller richteten sich auf die Hände jener zwei, die sich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal sahen. Donald Trump und Wladimir Putin, die Sorgenkinder aus Ost und West, trafen einander in der Hansestadt – und das ist ob der Geschichte, die die beiden Präsidenten verbindet – Stichwort Wahlmanipulationen –, tatsächlich bemerkenswert.

Zufallstreffen

Nur: Wie das Ganze wirklich ablief, lässt sich bisher nur erahnen. Beim ersten Händeschütteln, das auf Grund der Proteste und der verzögerten Ankunft Trumps ungeplant stattfand, rüttelte der US-Präsident in bewährter Manier an Putins Hand und Arm, der löste sich aber gekonnt. Und aus dem Sitzungssaal vernahm man, dass die beiden die Köpfe auch nicht gerade zusammengesteckt hätten; der Kremlchef, in Gipfel-Dingen erfahren, sei wie immer zurückgelehnt gewesen; der US-Präsident, der Novize, sei fahrig und offenbar nicht gerade interessiert gewesen – er habe mit seinen Händen gespielt.

"Eine Ehre"

Das war auch später zu beobachten, als die beiden dann tatsächlich nebeneinander saßen. Ausgerechnet beim Klimaschutz, jenem Feld, auf dem Trump die meisten Minen zu erwarten gehabt hätte, nahmen sich die beiden eine Auszeit für ein Zweier-Gespräch. Warum genau dann, wollte niemand kommentieren; Gastgeberin Merkel meinte nur, sie "begrüße das Treffen an sich sehr." Auch die beiden umschifften das: "Eine Ehre" sei es, sagte Trump zum Auftakt, sein Lächeln war aber nicht gerade überzeugend; bei seinem Gegenüber konnte man das Gefühl haben, dass Lächeln generell nicht zu seinem Repertoire gehört.

Nichtsdestotrotz sprach man zweieinhalb Stunden miteinander – eine Dauer, die auch Beobachter überraschte. Worüber, wurde nur tröpfchenweise bekannt: Syrien und der Konflikt in der Ukraine, der Kampf gegen Terrorismus und Cybersicherheit hätten auf der Agenda gestanden, hieß es aus der russischen Delegation nach dem Treffen. Erst eine gute Stunde später hieß es dann, dass man sich auf einen Waffenstillstand im Südwesten Syriens geeinigt habe – ein Fortschritt, mit dem niemand gerechnet hatte.

Wahlmanipulationen

Auch das heikle Kapitel der Wahleinmischung hat man besprochen, ließ die US-Seite wissen. Putin, so hieß es danach, habe den Vorwurf, er habe den Urnengang 2016 manipulieren lassen, bestritten. Ob das zu einer Verbesserung der Beziehungen geführt hat? Fraglich. Für Putin, der mit den Manipulationen mehr Aufmerksamkeit bekommen hat als er wollte, war es jedenfalls kein Misserfolg. Ihm ging es darum, wieder ein Akteur auf Augenhöhe mit den USA zu sein – etwas, was ihm Obama stets abgesprochen hatte. Und Trump? Bei ihm weiß man nicht so recht: Ob er nun seine harte Linie gegenüber Moskau fortsetzt oder ob er sich Putin annähert, was viele Republikaner verstimmen würde, war nicht erkennbar.

Was am Freitag von ihm zu hören war, war das bekannte Programm. Beim Programmpunkt Handel sprach er ohne Aufforderung von den Raketentests Nordkoreas; und danach ging es, ganz Trump eben, darum, wie gut es den USA gehe, seit er im Amt sei. Viele Beobachter wünschten sich da einen Blick auf Angela Merkels Gesicht. Sie hatte Trump als Erstem das Wort erteilt – ganz, wie es die Dramaturgie gebietet.

Der Händedruck

Der Handshake, auf den die Welt gewartet hat, war zwar nicht so lang wie frühere Versuche Trumps, dennoch wird der Händedruck zwischen Trump und Putin im Netz bereits analysiert.

Selbsternannte und echte Körpersprache-Experten haben bereits ihre ersten Einschätzungen mitgeteilt. Bisheriger Tenor: Trump war zurückhaltender als sonst. Aus der unten liegenden Handposition Trumps leiten manche sogar eine Geste der Unterordnung ab.

Keine noch so kleine Geste entgeht den Spaßvögeln im Netz. Und so wird auch ein Augenrollen Merkels eifrig geteilt und verbreitet.