Weitere Distanz zum Vater: Marine und Jean-Marie Le Pen.

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Politik | Ausland
11/27/2014

Zwist um den Euro und Israel-Kurs

Die Partei streitet, Marine Le Pen strahlt auf dem Parteitag.

In der Haltung zum Euro und zu Israel toben ideologische Grabenkämpfe in der französischen Rechtspartei "Front National" (FN). Beim Parteitag am Wochenende wird zwar die Vorsitzende Marine Le Pen eine triumphale Show hinlegen, nachdem der FN aus den EU-Wahlen mit 25 Prozent Stimmen als relativ stärkste Partei Frankreichs hervorging. Außerdem bescheinigen Umfragen der FN weitere spektakuläre Erfolge bei Lokal- und Regionalwahlen 2015.

Aber hinter den Kulissen ist ein internes Ringen im Gange: Marine Le Pen will den FN auf eine Regierungsteilnahme vorbereiten und nicht zuletzt dafür eine weitere Abnabelung von ihrem Vater, dem radikaler auftretenden 86 jährigen Parteigründer Jean-Marie Le Pen, bewerkstelligen. Sie setzt dabei auf eine Riege jüngerer FN-Politiker, die ursprünglich zu einem linksnationalistischen Kreis in der Sozialistischen Partei gehörten, und die nunmehr den FN wirtschaftspolitisch auf Staatsinterventionismus und Euro-Austritt getrimmt haben. Außerdem beanspruchen die neuen FN-Politiker das Erbe des legendären Staatschefs Charles De Gaulle, der Zeitlebens von den Rechtsradikalen um Jean-Marie Le Pen bekämpft wurde.

Rechtsfundamentalistischer Flügel gegen Euro-Austritt

Gegen den Anti-Euro-Kurs stemmt sich paradoxerweise der rechtere Flügel, der Jean-Marie Le Pen die Treue hält und sich um seine Enkelin Marion Marechal-Le Pen schart. Diese 25 jährige Parlamentarierin ist eher wirtschaftsliberal orientiert und sucht den Brückenschlag mit den rechtskonservativen Gegnern der Homo-Ehe.

Beide Fraktionen stemmen sich gegen den außenpolitischen Berater von Marine Le Pen, den Politologen Aymeric Chauprade. Dieser hat die Unterstützung Israels „gegen die Islamisten“ sinngemäß zur Pflicht für „französische Patrioten“ erklärt – „es sei denn, man gehorche einem zwanghaften Antisemitismus“, wie Chapraude schreibt.

Kredit aus Moskau

Chauprade, der seinen Hauptwohnsitz in Wien hat, wirkt auch als Bindeglied zu radikalen russischen Pro-Putin-Persönlichkeiten. Marine Le Pen schwärmt für Putin (so bezeichnete sie ihn in einem Kurier-Interview als „Verteidiger der europäischen Zivilisation“). Das FN hat soeben einen Kredit von neuen Millionen Euro von der in Moskau etablierten „First Czech Russian Bank“ bekommen, der laut Russland-Experten ohne Einverständnis der Staatsführung um Putin nicht zustande gekommen wäre.