Versuchte Attacke auf Flieger von Friedrich Merz: Aktivistin Anja Windl verhaftet
Anja Windl lebt seit Herbst 2017 in Klagenfurt.
Die Polizei hat in Deutschland eine mutmaßliche Attacke von Klimaaktivisten auf das private Kleinflugzeug des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz verhindert. In der Nacht auf Donnerstag nahmen Beamte drei Verdächtige auf dem Flugplatz Arnsberg-Menden in der deutschen Region Sauerland fest, wie die Polizei in Meschede und die Staatsanwaltschaft in Arnsberg mitteilten. Auch die in Österreich bekannte Aktivistin Anja Windl wurde inhaftiert.
Ein vierter Verdächtiger war bereits zuvor bei einer Verkehrskontrolle aufgefallen. Er gab demnach an, den örtlichen Flugplatz zu suchen. Da zu ihm nach Angaben der Ermittler "polizeiliche Erkenntnisse aus dem Spektrum politisch motivierter Kriminalität" vorlagen, wurde demnach umgehend das fragliche Gelände überprüft. Auf dem Flugplatz wurden dann drei widerrechtlich eingedrungene Verdächtige entdeckt und festgenommen.
Zwei Frauen und ein Mann beschuldigt
Bei diesen drei Beschuldigten handelte es sich den Behörden zufolge um zwei Frauen und einen Mann im Alter von 23 bis 58 Jahren. Sie seien "dem Spektrum Klimaaktivisten zuzuordnen" und wegen Hausfriedensbruch festgenommen worden. Aufgrund der Umstände werde davon ausgegangen, dass "sie beabsichtigten, ein derzeit abgestelltes Flugzeug zu beschädigen, welches im Besitz des Bundeskanzlers steht".
Zur Identität des zuvor bei der Verkehrskontrolle aufgefallenen vierten Verdächtigen machten die Ermittler zunächst noch keine Angaben. "Etwaig beabsichtigte Protestaktionen haben nicht mehr stattgefunden", teilten sie mit.
Zu Mittag waren die Beschuldigten aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. "Es bestehen keine Haftgründe", so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Arnsberg. Wie üblich bei politisch motivierten Straftaten hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.
Aktivisten sprechen von Stilllegungsversuch
"Ja, es sind Menschen festgenommen worden, u.a. Anja Windl", erklärten die Aktivisten der Gruppe der APA auf Anfrage. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Arnsberg bestätigte dies. Sie und die anderen beiden Beschuldigten seien bereits in der Vergangenheit mit strafrechtlich relevanten Protestaktionen in Erscheinung getreten und der linkspolitisch motivierten Kriminalität zuzuordnen, sagte die Sprecherin der Ermittlungsbehörde. Alle drei seien vernommen worden, äußerten sich gegenüber der Polizei jedoch nicht zu den Vorwürfen.
"Engagierte für Klimaschutz vom Widerstands-Kollektiv haben am frühen Donnerstagmorgen, im Rahmen einer Protestaktion, versucht das Privatflugzeug von Friedrich Merz stillzulegen", teilte die Gruppe mit. Dabei sollte das Flugzeug mit pinker Farbe langfristig aus dem Verkehr gezogen werden. Außerdem hatten die Protestierenden nach eigenen Angaben ein Fahrrad dabei als klimafreundliches Fortbewegungsmittel für den Kanzler.
"Wir handeln hier aus Notwehr", wird die 28-jährige Studentin Windl in der Aussendung zitiert. "Die Klimakatastrophe eskaliert, Hunger, Hitze und Naturkatastrophen kosten Menschen ihr Leben und gleichzeitig fliegt Friedrich Merz mit seinem eigenen Flugzeug durch die Gegend. Dabei sollte gerade der Kanzler uns allen ein Vorbild sein."
Merz ist Hobbypilot
Merz ist Hobbypilot und besitzt eine Pilotenlizenz. Medienberichten zufolge besitzt er privat ein zweimotoriges Propellerflugzeug. Die Flugleidenschaft des Kanzlers und CDU-Bundeschefs machte bereits Schlagzeilen, etwa als er 2022 damit zur Hochzeit des damaligen Finanzministers Christian Lindner nach Sylt flog. Merz stammt aus dem Sauerland, dort befindet sich auch sein Wahlkreis.
Klimaaktivisten nutzten in der Vergangenheit wiederholt Flughäfen und Flugplätze für Protestaktionen. Unter anderem besprühten sie im Sommer 2023 auf einem Flugplatz auf Sylt einen Privatjet mit orangener Farbe. Windl selbst wurde mehrmals nach Sitzblockaden und anderen Protestaktionen festgenommen. Sie hatte unter anderem im Jänner des Vorjahres gegen die Aufnahme von Koalitionsgesprächen zwischen ÖVP und FPÖ protestiert. Sie beschmierte die ÖVP-Parteizentrale in der Wiener Lichtenfelsgasse mit Hundekot: "Ihr stinkt nach brauner Scheiße".
Windl lebte früher in Österreich. Die bayrische Studentin gilt als eines der Gesichter des im August 2024 aufgelösten österreichischen Ablegers der Klimaschutzbewegung "Letzte Generation". Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) wirft der Frau eine "weitreichende Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung" vor und verfügte ein zweijähriges Aufenthaltsverbot. Im Dezember überprüfte das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) in Graz das - nicht rechtskräftige - Verbot.
Kommentare