Politik | Ausland
06.05.2017

Macron vs. Le Pen: Was sie unterscheidet

Offenheit gegen Abschottung, Wirtschaftsreformen gegen Protektionismus: Die Franzosen wählen ein neues Staatsoberhaupt und zwischen zwei konträren Weltbildern.

Ein chaotischer und brutaler Wahlkampf nähert sich dem Ende. Die Franzosen entscheiden am Sonntag, wer in den Élysée-Palast einziehen wird. Was sie, je nach Ausgang der Präsidenten-Stichwahl, erwartet, haben wir für Sie zusammengefasst:

Emmanuel Macron

Der 39-Jährige zog als parteiloser Kandidat ins Rennen, kommt aber aus der sozialistischen Partei. Er gilt als Mitte-Links-Politiker, seine Ausrichtung ist sozialliberal. 2016 gründete er die Bewegung "En Marche!" (Vorwärts

Außenpolitik:Sein Verhältnis zu Russland ist nicht erst seit den Wahlmanipulationsvorwürfen angespannt (Helfer seiner Bewegung "En Marche!" kritisierten die gezielte Einflussnahme russischer Medien auf den Wahlkampf, Anm). Macron wirft Moskau auch eine gefährliche Außenpolitik vor und unterstützt die westlichen Sanktionen. "Die Achse Berlin/Paris würde unter ihm wieder mehr Gleichgewicht haben", analysiert Christian Schierer, Delegierter der österr. Wirtschaftskammer in Paris.

Europa: Der ehemalige Wirtschaftsminister Macron steht zur EU und zur Gemeinschaftswährung. Dennoch will er die Eurozone reformieren, etwa mit einem Finanzminister und der Einführung von Eurobonds – Anleihen, für die mehrere EU-Staaten gemeinsam haften. Experte Schierer sieht dies als guten Ansatz zur Verbesserung der wirtschaftspolitischen Steuerung in der Währungsunion.

Wirtschaft: "Der französischen Wirtschaft geht es im Bereich Forschung und Innovation sehr gut", sagt Schierer. Schlecht läuft es in puncto Bürokratie und Administration. Hier will Macron 60 Milliarden Euro einsparen und 120.000 öffentliche Verwaltungsposten streichen. Ein geringerer Unternehmenssteuersatz soll zu mehr Investitionen im Privatsektor führen.

Arbeitsmarkt und Pension: Macron will die Arbeitszeitregelung flexibler gestalten, das Arbeitslosengeld einfrieren, wenn zwei Mal angebotene Jobs abgelehnt werden. Gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit (10 %) sollen Investitionen und mehr Lehrstellen helfen. Geringverdiener müssen keine Sozialabgaben zahlen und haben einen zusätzlichen Monatslohn.

Einwanderung: Einwanderer sieht er als Gewinn für Wirtschaft und Gesellschaft: "Talente" aus Nicht-EU-Ländern sollen daher einen leichten Zugang zum Arbeitsmarkt haben und ihre Integration mit Sprachprogrammen gefördert werden. Asylverfahren will Macron aber beschleunigen und Migranten ohne Bleiberecht zügig abschieben.

Sicherheit: Neben der "Nachbarschaftspolizei" will er 10.000 zusätzliche Polizisten einsetzen und in den Gefängnissen 15.000 neue Plätze schaffen. Weiters setzt er sich für ein verpflichtendes Militärdienst-Monat ein (es gibt in Frankreich nur ein Berufsheer, Anm.). Die Probleme in den "Banlieues" will er an den Schulen angehen: Reduzierung der Klassenstärke auf 12 Kinder. Lehrer, die dort arbeiten, erhalten eine Prämie.

Marine Le Pen

Sie gilt gemäßigter als ihr Vater, Front National-Gründer Jean-Marie, und weniger offen rassistisch. Dennoch vertritt die 48-jährige weiter radikale Positionen gegen Einwanderer, Europa und offene Grenzen.

Außenpolitik:Im Gegensatz zu Macron hält Le Pen nichts von Frankreichs Engagement in der NATO. Sie sucht eine Annäherung an die USA und Präsident Trump sowie an die russische Regierung. Sie würde auch die Annexion der Krim anerkennen. Die Militärausgaben will Le Pen bis 2022 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts anheben.

Europa: Finanzmarkt-Zusammenbruch und Eurokrise schließt Wirtschafts-Experte Christian Schierer aus: "Zuletzt wich Le Pen auch immer mehr von ihrer Anti-Euro-Strategie ab", sie will Euro und Franc (für privaten Konsum). Die Verträge mit der EU sollen neu verhandelt und in einem Referendum über einen Austritt abgestimmt werden.

Wirtschaft: Heimische Unternehmen bekommen bei öffentlichen Aufträgen den Vorzug. Auf Importe und die Anstellung von "Ausländern" will sie eine Sondersteuer von 3 Prozent setzen. Die soll eine 1500-Euro-Konsum-Prämie für Mindestbezieher finanzieren. Privathaushalte, Klein- und Mittelständische Unternehmen zahlen künftig weniger Steuern.

Arbeitsmarkt und Pension: Le Pen will die umstrittene Arbeitsrechtsreform der Sozialisten aufheben (diese sieht einen gelockerten Kündigungsschutz vor, Anm.). Ebenfalls auf ihrer Agenda: Keine Steuern auf Überstunden, bessere Unterstützung für arme Pensionisten. Das Pensionseintrittsalter soll von 62 auf 60 gesenkt werden – für jene, die 40 Beitragsjahre vorweisen.

Einwanderung: Die Rechtspopulistin will die legale und illegale Einwanderung weitgehend stoppen. Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung sollen leichter abgeschoben werden, das französische Staatsbürgerschaftsrecht soll restriktiver werden. Und die soziale Grundsicherung soll nur den französischen Bürgern vorbehalten sein.

Sicherheit: Nachdem in den vergangenen zwei Jahren 230 Menschen in Frankreich bei Anschlägen getötet wurden, ist es Le Pens oberstes Ziel, den "islamistischen Terror" zu bekämpfen. Zudem will sie 15.000 neue Polizisten anstellen – und in den überfüllten französischen Gefängnissen 40.000 weitere Plätze schaffen.