Politik | Ausland
04.12.2018

Flüchtlinge in Syriens Nachbarländern: „Die Krise wird schlimmer“

5,6 Millionen Syrer sind in Nachbarländer geflohen, NGOs fühlen sich alleingelassen.

Seit fast acht Jahren tobt der Krieg in Syrien, in dem die Regierung in Damaskus zwar weite Teile des Landes zurückerobern konnte, trotzdem gibt es täglich Gefechte. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verübt regelmäßig Terroranschläge, und in der Provinz Idlib kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen den oppositionellen Kräften.

Während 6,6 Millionen Syrer innerhalb des Landes auf der Flucht sind, haben 5,6 Millionen Zuflucht in den Nachbarländern gesucht. 1,5 Millionen davon im Libanon, ein Land, das so groß ist wie Tirol. 43 Prozent aller syrischen Kinder im Libanon wachsen ohne Schulbildung auf, da sie für ihre Familien arbeiten gehen müssen – und das für oft nur vier Euro am Tag. „Damit kann man sich im Libanon vielleicht zwei Sandwiches kaufen“, sagt Rita Rhayem, Generaldirektorin der Caritas Libanon, gegenüber dem KURIER.

Heikle Wohnsituation

Im Libanon gibt es auch keine fixen Flüchtlingslager für die Syrer. Zu groß ist die Sorge der Bevölkerung, dass es – wie in den palästinensischen Lagern, die es seit Jahrzehnten gibt – zu Parallelgesellschaften kommt, in die sich nicht einmal mehr die libanesische Exekutive traut.

Die Flüchtlingsfamilien reisen von Ort zu Ort, entweder wegen schlechter Witterungsbedingungen oder um Arbeit zu finden. Sie wohnen in sogenannten „Informal tented settlements“, meistens also Zeltlagern, aber auch Abrissgebäuden oder alten Ställen, die sie mieten. Nicht selten wohnen zwölf Menschen auf wenigen Quadratmetern zusammen. „Wir reisen mit ihnen und versorgen sie so gut es geht. Das bedeutet auch, dass wir ihnen jedes Mal helfen müssen, bei Null zu starten, sie also immer Hilfe benötigen“, sagt Rhayem. Die Reisestrapazen würden das Krankheitsrisiko zusätzlich erhöhen.

Zwischen Jänner und August sind laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR 23.416 nach Syrien zurückgekehrt. Rhayem: „Von einem Trend zur Rückkehr kann man also nicht sprechen.“

Auch Omar Abawi von der Caritas Jordanien sieht diesen nicht, zu gefährlich sei die Situation in Syrien: „Viele wissen nicht, ob ihr Haus noch steht oder wie die Sicherheitslage in ihren Heimatorten aussieht. Jetzt zurückzukehren ist für sie noch zu unsicher“, sagt er. Im ersten Halbjahr 2018 sind 1700 Menschen aus Jordanien zurückgekehrt.

Währenddessen wird die finanzielle Lage der Hilfsorganisationen immer prekärer – das benötigte Budget von sechs Milliarden Dollar sei erst zur Hälfte gedeckt. „Die internationale Gemeinschaft hat das Hilfsbudget für syrische Flüchtlinge drastisch gekürzt. Das führt dazu, dass es vor allem für die Syrer, aber auch für die Bürger der Gastländer immer schwieriger wird. Die Krise wird schlimmer“, warnt Rhayem.

Armin ArbeiterSpendenkonto der Caritas:

BAWAG P.S.K.

BIC: BAWAATWW; IBAN:

AT92 6000 0000 0770 0004

(KW Libanon, Jordanien)