Nach der "Financial Times" (Bild) trennt sich das Verlagshaus Pearson auch von seinen Economist-Anteilen.

┬ę REUTERS/PETER NICHOLLS

Brexit
06/16/2016

Financial Times stellt sich gegen Brexit

Renommierte britische Zeitung warnt vor Isolierung und wirtschaftlichen Folgen.

Eine Woche vor dem Brexit-Referendum hat die britische Zeitung Financial Times Position bezogen: Anders als das Boulevardblatt The Sun, das am Dienstag f├╝r den EU-Austritt Gro├čbritanniens warb, warnte die Financial Times am Donnerstag vor einer Isolierung Gro├čbritanniens und den wirtschaftlichen Konsequenzen eines Brexit.

In einem Leitartikel warnte die Zeitung, die "├Âkonomischen Kosten eines R├╝ckzugs" Gro├čbritanniens aus der EU w├╝rden "substanziell" sein. Der europ├Ąische Binnenmarkt habe dem Land viele Vorteile gebracht. Seit dem EU-Beitritt Gro├čbritanniens 1973 sei das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf "schneller gestiegen als in Frankreich, Deutschland und Italien". Der Binnenmarkt sei ein "Magnet f├╝r ausl├Ąndische Direktinvestitionen" und ein Garant f├╝r britische Jobs.

Historische Dimension

Die Financial Times hob auch die historische Dimension der Entscheidung hervor: "Ein Votum f├╝r den Austritt w├Ąre unumkehrbar und ein schwerer Schlag f├╝r die liberale Weltordnung der Nachkriegszeit", hie├č es im Leitartikel. Ein Brexit setze dem "liberalen Internationalismus" einen "verklemmten Nationalismus" entgegen, es setze einem "offenen Handelssystem" die "Marginalisierung" entgegen.

Die Zeitung warnte davor, dass sich Gro├čbritannien in einer Zeit grenz├╝berschreitender Probleme abschotten w├╝rde: "Ein konstruktiver Dialog ist entscheidend in einer Zeit, in der Europa mit islamistischem Extremismus, Migration, der russischen Expansion und dem Klimawandel konfrontiert ist", schrieb das Blatt. "Man kann diese Themen nur gemeinsam angehen."

Sun f├╝r Brexit

Die Briten stimmen am Donnerstag kommender Woche dar├╝ber ab, ob ihr Land aus der EU austreten soll. Am Dienstag hatte sich die ohnehin euroskeptische Sun, mit 4,5 Millionen Lesern die meistgelesene britische Zeitung, klar f├╝r den Brexit ausgesprochen. Gro├čbritannien m├╝sse sich vom "diktatorischen Br├╝ssel" befreien, schrieb das Boulevardblatt, und nannte die EU einen "von Deutschland dominierten f├Âderalen Staat".

Die renommierte Financial Times d├╝rfte es mit ihrer Brexit-Warnung schwerer haben, zu den W├Ąhlern durchzudringen: Sie hat nur 449.000 Leser. Andere ├╝berregionale britische Zeitungen haben sich noch nicht zum Referendum positioniert. In Umfragen liefern sich EU- und Brexit-Bef├╝rworter seit Monaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

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