© REUTERS/Evgenia Novozhenina

Politik Ausland
09/10/2020

Fall Nawalny: Giftige Pfeile zwischen Moskau und Washington

US-Außenminister Pompeo sieht hochrangige russische Regierungsstellen involviert. Der Kreml dazu: "Inakzeptable" Vorwürfe.

Im Fall des vergifteten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny werden die Töne zwischen Washington und Moskau härter. Nach verbalen Attacken von US-Außenminister Mike Pompeo hat nun der Kreml gekontert: Der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, sagte am Donnerstag, „jede direkte oder indirekte Andeutung einer Verwicklung russischer Regierungsvertreter in diese Affäre“ sei völlig „inakzeptabel“.

Er bezog sich dabei auf Aussagen von Pompeo, der „hochrangige Regierungsmitarbeiter“ Russlands hinter dem Giftanschlag vermutet. Pompeo hatte am Mittwoch gesagt, es habe sich um den Versuch gehandelt, „einen Dissidenten zu vergiften“. Dabei hatte US-Präsident Donald Trump zuvor  zum Fall Nawalny gesagt, ihm lägen bisher keine Beweise für einen Giftanschlag vor. Zu diesem Zeitpunkt hatte die deutsche Bundesregierung allerdings bereits darüber informiert, dass Nawalny „zweifelsfrei“ mit einem chemischem Nervenkampfstoff der sogenannten Nowitschok-Gruppe vergiftet worden sei. Sowjetische Wissenschaftler hatten das Gift zwischen 1970 und 1980 entwickelt.

Trump war anderer Meinung

Trump wird regelmäßig eine zu große Nähe zum Kreml vorgeworfen. Im Unterschied zum US-Präsidenten stellte Pompeo nun als Tatsache fest, dass der russische Oppositionelle vergiftet wurde. Er sagte auch, die US-Regierung werde versuchen herauszufinden, wer für den Anschlag verantwortlich sei. Mit dieser Untersuchung solle auch „das Risiko reduziert werden, dass solche Dinge wieder passieren“.

Kreml-Kritiker Nawalny war bei einem Einsatz im Wahlkampf in Sibirien vergiftet worden. Er brach auf einem Inlandsflug zusammen, kam zunächst in Russland ins Krankenhaus und wurde dann am 22. August zur Behandlung nach Berlin verlegt.

Moskau hatte schon bisher jede Schuld in dem Fall zurückgewiesen, die russische Justiz hat nach Angaben von Nawalny-Mitstreitern in Russland bisher auch keinerlei Ermittlungen dazu eingeleitet. Nach Darstellung Moskaus sollen bei der zunächst zweitägigen Behandlung und Untersuchung Nawalnys im Krankenhaus im sibirischen Omsk keine Spuren von Gift in dessen Körper gefunden worden sein.

Kreml: Beweise vorlegen

Kreml-Sprecher Peskow forderte von Berlin am Donnerstag erneut, alle Beweise für die angebliche Vergiftung Nawalnys vorzulegen. Nach Angaben der deutschen Bundesregierung wies ein Labor der Bundeswehr nach, dass Nawalny durch das Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Die Laborergebnisse seien der internationalen Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) übermittelt worden, der auch Russland angehöre, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Mittwoch.

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